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Oberösterreich

Massentourismus: "Wir hätten gerne weniger Tagesgäste"

HALLSTATT, WACHAU. Bis zu 5000 Gäste kommen pro Tag nach Hallstatt. Und es werden immer mehr. Für die Wachau fordert ein ehemaliger Bürgermeister nun gar ein "Eintrittsgeld"

Massentourismus: "Wir hätten gerne weniger Tagesgäste"

Hallstatt erstickt in Tagesgästen. An extremen Tagen kommen 5000 Besucher an einem einzigen Tag. Bild: APA

Auf den ersten Blick mutet dieser Wunsch eines Bürgermeisters einer erklärten Touristengemeinde durchaus kurios an: "Wir würden uns wünschen, dass weniger Tagesgäste kommen", sagt Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz (SP). Hallstatt wird von Tagesgästen überlaufen. "Vor zehn Jahren war es ein Spitzentag, wenn 1000 Leute gekommen sind. Heute sind es an starken Tagen bis zu 5000 Gäste." Zum Vergleich: In Hallstatt leben 774 gemeldete Einwohner.

Viele Bewohner fühlen sich durch diesen Ansturm belästigt. An vielen Stellen im Ortszentrum hängen Hinweisschilder, die von den Touristen mehr Rücksichtnahme auf die Einheimischen und ihre Privatsphäre erbitten. "Es gibt leider dennoch Gäste, die auch nicht davor zurückschrecken, Privatgrundstücke zu betreten", sagt Scheutz. Wie viele Tagesgäste im Jahr nach Hallstatt kommen, ist nicht ganz klar. Scheutz: "Man kann davon ausgehen, dass es 700.000 bis 900.000 im Jahr sind."

Zahl der Busse steigt weiter

Viele Gäste (vor allem jene aus Asien) kommen mit Reisebussen nach Hallstatt. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren besonders rapide gestiegen. Kamen im Jahr 2010 noch 3440 Touristenbusse in die Gemeinde, waren es im Vorjahr 16.495. "Wenn es in den kommenden Monaten keinen unerwarteten Einbruch gibt, werden es heuer nochmals deutlich mehr Busse sein", sagt Scheutz. Derzeit zeichne sich eine neuerliche Zunahme von mehr als 20 Prozent ab.

Ähnlich wie in Hallstatt leiden auch einige Gemeinden in der Wachau unter zu großem Besucherandrang. Der ehemalige Bürgermeister von Melk, Thomas Widrich, ließ in diesem Zusammenhang nun mit einem Vorschlag aufhorchen. Er fordert eine Art "Eintrittsgeld" für die Wachau.

Wie man diesen Vorschlag umsetzen könnte, dafür hat Ex-Bürgermeister Widrich verschiedene Ideen. "Es gibt zum Beispiel die Niederösterreich-Card für ganz Niederösterreich, aber es könnte ja auch eine Wachau-Card geben für die Region", sagte er. Auch eine Erhöhung der Nächtigungstaxe oder eine Gebühr für Schiffspassagiere seien für Widrich denkbar. Es gehe jedenfalls darum, einen Betrag zur Verfügung zu haben, damit die Infrastruktur in der Wachau, die ja auch von Touristen genutzt werde, entsprechend gepflegt werden könne, sagte der Ex-Bürgermeister. Beim Verein der Welterbegemeinden Wachau zeigt man sich gegenüber dem Eintrittsgeld zurückhaltend. "Gebühren sind das allerletzte Mittel", sagte der Vorsitzende Andreas Nunzer im Gespräch mit dem ORF.

Ein derartiges pauschales Eintrittsgeld ist auch für Scheutz in Hallstatt keine Option. "Wir haben Parkgebühren, Busgebühren oder WC-Gebühren. Wenn man so will, sind diese Gebühren eine Form von Eintrittsgeld für Hallstatt. Aber halt etwas charmanter", sagt Scheutz. Die Zahl der Tagesgäste, die Hallstatt besuchen, möchte der Bürgermeister jedenfalls reduzieren. Ein neues Verkehrskonzept, das gerade von Verkehrs- und Tourismusexperten gemeinsam mit der Bevölkerung und Wirtschaftstreibenden erarbeitet wird, soll im Herbst vorliegen und helfen, die Touristenflut besser zu steuern. "Im Ergebnis sollen sich allen Interessengruppen wiederfinden. Sonst wird es nicht funktionieren", sagt Scheutz.

Drehkreuze in Venedig: Viele Bewohner Venedigs sind unglücklich mit den Touristenmassen, die sich täglich durch die Stadt schieben. An mehreren Punkten der Stadt wurden nun zu Testzwecken Drehkreuze installiert, die helfen sollen, den Ansturm auf den Markusplatz oder die Brücke „Ponte della Constituzione“, die über den Canal Grande führt, besser zu kontrollieren.

Den Leitartikel zu diesem Thema lesen Sie hier.

Berge voll Müll

300 Liter Müll in der Hütte, 150 Liter auf dem Gletscher. Täglich. Dass der höchste Berg Österreichs die Massen anzieht, wussten Matteo Bachmann und Veronika Tivkic schon, als sie im vergangenen März die Stüdlhütte am Fuß des Großglockners übernahmen. Sie wussten auch, dass unter diesen Massen schwarze Schafe sind. Welche Ausmaße der „Sturm“ auf den Glockner in ihrer ersten Saison annehmen wird, ahnten sie nicht.

„Täglich müssen wir zirka 300 Liter Müll, hauptsächlich Essensreste und Bierdosen, von gewissen Schweinen in unserer Hütte zusammenklauben“, macht Bachmann seinem Ärger Luft. Alleine 150 Liter Müll würden die Bergführer aus der Region täglich vom Gletscher aufsammeln. Für den 27-jährigen Hüttenwirt ist die Grenze längst überschritten: „In Zukunft bitte ich diese Schweine, die so einen Saustall hinterlassen, unsere Hütte und unser Gebiet zu meiden.“

Er ist nicht der Einzige, der im Glocknergebiet mit diesem Problem zu kämpfen hat. Im Winterraum der Erzherzog-Johann-Hütte, der Bergsteigern in der Zwischensaison als Unterkunft für die Besteigung des Großglockners dienen soll, stapelt sich der Müll oft meterhoch. Viel lässt sich dagegen nicht unternehmen. Das weiß auch Christoph Mitterer, Wirt der Simonyhütte unterhalb des Hallstätter Gletschers am Dachstein. Mittlerweile nehme er vieles schon mit Humor.

„Es ist oft eine Frechheit, was die Leute zurücklassen. Es ist halt leider so, dass jeder nur auf sich selbst schaut. Ob da ein anderer nachher das Schlaflager oder die Toilette benützt, ist in dem Moment völlig egal“, sagt er.

Einen 120-Liter-Müllsack mit Überbleibsel der Gäste füllen Mitterer und sein Team täglich. „Wir sammeln dann alles zusammen und lassen es mit dem Hubschrauber ins Tal fliegen. Was sollen wir machen? Wir können es ja nicht einfach hier lassen“, sagt er. Es sei eigentlich alles ganz einfach: „Wenn sich jeder so verhält, wie er es in den eigenen vier Wänden tut, dann gibt es auch keine Probleme mehr.“

Auf der Nordseite des Dachsteins hat Hans Gapp, Hüttenwirt der Adamekhütte unterhalb des Gosaugletschers , in den vergangenen 32 Jahren viel Aufklärungsarbeit geleistet. „Bei uns war das früher deutlich schlimmer. Ich hab’ dann immer mit den Leuten gesprochen und ihnen erklärt, dass es für das Hüttenpersonal viel Arbeit bedeutet, wenn sie ihren Müll zurücklassen“, sagt er. Das habe gefruchtet. Negative Ausreißer gebe es dennoch immer wieder. Zuletzt am vergangenen Samstag. (geg)

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Artikel Philipp Hirsch 12. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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