Lade Inhalte...

Oberösterreich

Liierte Priester schicken Bischof Schwarz Amnestie-Gesuch für Friedl

Von Von Helmut Atteneder   12. März 2009 00:04 Uhr

Liierte Priester schicken Bischof Schwarz Amnestie-Gesuch für Friedl
Nachdenklicher Pfarrer Josef Friedl: Am Montag muss er zum Rapport zu Bischof Schwarz.

LINZ. Am Montag muss Pfarrer Josef Friedl zu Bischof Ludwig Schwarz. Das Gesprächsthema ist brisant, schließlich hat Friedl zugegeben, seit Jahren eine Lebensgefährtin zu haben. Schützenhilfe erhält der Pfarrer von Ungenach von einer Gruppe liierter Priester.

Eine Gruppe von acht mit Frauen liierten Priestern – die meisten davon mit Kindern – will sich jetzt für Pfarrer Josef Friedl mit einem Schreiben an Bischof Ludwig Schwarz einsetzen. „Wir wollen den Bischof ersuchen, für die Situation von Josef Friedl Verständnis zu haben und Milde walten zu lassen“, sagt Werner K. (Name der Redaktion bekannt), Pfarrer in einer oberösterreichischen Gemeinde. Er hat mit seiner Lebensgefährtin mehrere Kinder und trifft sich regelmäßig mit acht ebenfalls liierten Priestern. „Es gibt aber noch genügend andere, die ich kenne, die unser Schicksal teilen“, sagt er. In seiner Pfarre seien das Verhältnis mit einer Frau und die gemeinsamen Kinder kein Geheimnis und „auch kein Problem“.

Eine offizielle Stellungnahme traut sich Werner K. nicht abzugeben: „Wir wollen Pfarrer Friedl unterstützen, müssen aber aufpassen, dass wir uns dabei nicht selber abschießen. Deshalb werden wir uns wahrscheinlich anonym an Bischof Schwarz wenden.“ In Österreich gibt es rund 700 Priester, die gegen den Zölibat, also die Ehelosigkeit von Priestern, verstoßen und deshalb ihr Amt verloren haben.

Aus Liebe Amt niedergelegt

Einer davon ist Franz Gratzer aus Gallneukirchen. Der 50-Jährige hat vor rund 15 Jahren sein Amt als Kaplan niedergelegt und eine geschiedene Frau geheiratet. Sein Problem sei die Verknüpfung zwischen Priestertum und Pflichtzölibat gewesen. „Ich wollte nicht vereinsamen, wie viele Priesterkollegen im Alter“, sagt Gratzer. Sein Umzug vom Pfarrhof in die Wohnung seiner Freundin sei „pikant“ gewesen.

Gratzer: „Ich habe viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung bekommen, ich war das Opfer, meine Frau die Böse. Auch die Kinder mussten anfangs leiden.“ Bereut habe er seinen Schritt nie, seinen Gottesglauben nicht verloren.

Der heutige Musiklehrer hat für Pfarrer Friedl Verständnis: „Er war ehrlich, ob seine Offenheit auch gescheit war, wage ich zu bezweifeln, denn die Kirchenoberen sind ziemlich engstirnig.“

107  Kommentare 107  Kommentare

Die Kommentarfunktion steht von 22 bis 6 Uhr nicht zur Verfügung