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Oberösterreich

Klimawandel: "Der Mensch ist 100 Prozent schuld"

LINZ. OÖN-Gespräch mit dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf, der gestern beim o.ö. Klimagipfel zu Gast war.

Klimawandel: "Der Mensch ist 100 Prozent schuld"

Stefan Rahmstorf Bild: VOLKER WEIHBOLD

Stefan Rahmstorf (58) vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung gilt als einer der namhaftesten Klima-Forscher weltweit. Auf Einladung von Umwelt-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) referierte er gestern Abend beim ersten o.ö. Klimagipfel in Linz.

 

OÖN: Begegnen Ihnen bei Ihren Vorträgen nach wie vor Skeptiker, die den Klimawandel bestreiten?

Rahmstorf: Ja, aber sie werden weniger. Lautstark zu Wort melden sie sich am ehesten im Internet. Das Klima habe sich schon immer geändert, sagen sie, oder die Sonne ist schuld. Das mag für Laien plausibel klingen, doch die Argumente sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht wirklich ernstzunehmen. Meist geht es diesen Skeptikern gar nicht um Wissenschaft, sondern sie lehnen Klimaschutzmaßnahmen ab.

Steht der Mensch wirklich zweifelsfrei als Verursacher des Klimawandels fest?

Ja, er ist zu rund hundert Prozent für die globale Erwärmung verantwortlich. Die Sonne kommt dafür nicht in Frage, ihre Aktivität geht seit 50 Jahren leicht zurück.

Welche Klima-Entwicklungen beunruhigen Sie am meisten?

Zum einen die längst spürbare Zunahme der Wetterextreme. Aber auch der Anstieg des Meeresspiegels. Bis 2100 wird er bis zu einen Meter oder mehr betragen.

Ist Mitteleuropa vom Klimawandel besonders stark betroffen?

Ja, denn während die Temperaturen im globalen Mittel um 1,1 Grad gestiegen sind, sind es etwa in Österreich schon mehr als 2 Grad. Denn die Kontinentalregionen erwärmen sich deutlich stärker als die Ozeane.

Ihr Forschungsinteresse gilt auch dem Jet-Stream. Welche Rolle spielt er beim Klimawandel?

Dieses Westwindband in mittleren Breiten wird vom Temperaturgefälle zwischen Tropen und Pol angetrieben. Weil sich die Polregion stärker erwärmt, nimmt das Gefälle ab: Der Jet Stream wird langsamer, deshalb dauern Wetterlagen bei uns länger, und damit auch sommerliche Hitzewellen.

Könnte infolge des Klimawandels der Golfstrom versiegen?

In unserer neuen Studie zeigen wir, dass sich das größere Golfstromsystem seit 1950 um 15 Prozent abgeschwächt hat. Der nördliche Atlantik kühlt sich seither ab. Im Extremfall könnte Nordwesteuropa tatsächlich kälter werden, Mitteleuropa wäre nicht betroffen.

Wie lässt sich die Erderwärmung in erträglichen Grenzen halten?

Damit wir die Erderwärmung auf einem Niveau deutlich unter 2 Grad stoppen können, müssen wir den Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten drei Jahrzehnten weltweit auf null bringen und auf fossile Brennstoffe verzichten.

Ist die Erwärmung umkehrbar?

In den nächsten Jahrhunderten sicher nicht. Denn dazu müssten wir das zusätzliche Kohlendioxid wieder aus der Luft entfernen. Wie soll das gehen? 40 Milliarden Tonnen werden jährlich weltweit emittiert.

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Artikel Alfons Krieglsteiner 18. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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