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Oberösterreich

Keine Witze über Schwule und Lesben im Karneval

Von Hannes Fehringer   23. Januar 2016 00:05 Uhr

Keine Witze über Schwule und Lesben im Karneval
Karnevalist Adi Mittendorfer stellte Ethik-Charta für die Gilden vor.

BAD HALL. Österreichs Faschingsgilden verpflichten sich mit Ethik-Charta.

Als Präsident der österreichischen Faschingsgilden erteilte der Bad Haller Karnevalist Adi Mittendorfer schon Ordnungsrufe. Die Straßer Faschingsgilde aus der Steiermark hatte im vergangenen Jahr bei ihrer Schlussnummer nicht jedermanns Geschmack getroffen. Der Schabernack "Jesus Christ – grauer Star" veranlasste mehrere Zuschauer, demonstrativ den Saal zu verlassen.

Das soll nicht mehr so bald vorkommen. Ab dieser Saison ist eine Ethik-Charta in Kraft getreten, auf die sich der Bundesverband der Gilden geeinigt hat und die an Vorbilder aus Deutschland und der Schweiz angelehnt ist.

Gegen Diskriminierung

Niemand auf der Bühne soll sich bei den Sketches und Büttenreden mehr auf Kosten von Minderheiten lustig machen. Für den Bund Österreichischer Faschingsgilden (BÖF) hört sich der Spaß bei der Verhöhnung von Schwulen, Minderheiten und bei der Verspottung von Religion auf. Die Selbstbeschränkung will keinesfalls der Zensur Vorschub leisten, betont Mittendorfer: "Für uns geht es darum, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt. Das ist bei Attacken auf Wehrlose und Hohnlachen von Mehrheiten über Minderheiten aber nicht der Fall."

Das Bulletin soll nicht nur verhindern, dass die Spaßvögel bei ihren Darbietungen faule Eier legen. "Wir wollen mit der Charta den Fasching als bodenständiges Brauchtum verankern", sagt Mittendorfer. Ein Dorn im Auge ist dem BÖF-Präsidium dabei der ausufernde Ganzjahresfasching. Die Kritik trifft dabei auch die ORF-Sendung "Narrisch guater Sommer", die der Rundfunk zuletzt im Juli aus der Wörtherseehalle in Klagenfurt ausgestrahlt hat. Die Charta des BÖF schreibt fest, dass die "Faschingszeit nach wie vor fest im christlichen Jahreslauf verankert" sei und die "närrische Zeit vor der österlichen Fastenzeit eine klare Begrenzung" habe. Am Aschermittwoch sei Schluss.

Kritik auch an ORF-Sendung

Mittendorfer kündigte an, gegenüber dem ORF jetzt die Vorbehalte des Gildenverbandes gegen den Sommerfasching deutlicher zum Ausdruck zu bringen.

Die Charta soll kein Strafgesetzbuch sein und man wolle das "Rügerecht der Narren" gegen Zustände in Politik und Gesellschaft weiter hochhalten. "Wir wollen aber noch mehr Wert auf das Niveau legen", sagt Mittendorfer.

Karnevalisten, die bei ihren Beiträgen über die Stränge schlagen und eine Bestimmung verletzen, wird weiterhin mit einem Ordnungsruf ins Gewissen geredet. Bei seiner Heimatgilde, dem BHCC Bad Hall, hat der Präsident keine Angst, dass nicht mit feiner Klinge gefochten wird. Über die Texte liest vor der Generalprobe immer der Programmintendant drüber und streicht Verfängliches aus dem Manuskript.

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