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Karlheinz Meidinger: Weißbier für die Champions League

Von Hannes Fehringer   15.Juni 2013

Karlheinz Meidinger
Karlheinz Meidinger

In der Pension drückte der 62-jährige Gymnasialprofessor wieder die Schulbank und ließ sich bei einem Kursus, zu dem sonst die Großbrauereien ihre Braumeister schicken, zum Bier-Sommelier ausbilden. Damit brachte Meidinger den richtigen Riecher und Gaumen mit, um mit einer kleinen Heimbrauanlage – im Grunde nichts anderes als ein etwas größerer Glühweinkocher – seinen eigenen Sud aufzusetzen. Nach nur einem Jahr Hobby-Brautätigkeit, bei dem sich pro Braugang stets 44 Bügelflaschen füllen lassen, versetzte die feine Bananennote seines Weißbieres die Jury der „BierIG“ in höchstes Lob. Der Sud, der zum Trinkgenuss bei der Fernsehübertragung des Champions-League-Finales im Freundeskreis aufgesetzt wurde, beförderte dessen Hersteller mit 188 von 192 Punkten auf Anhieb zum Staatsmeister der Kategorie Weizenbier.

Eine Schwäche für München, dessen Weißwürste, Wiesenfest und Allianz-Arena kann Meidinger nicht verhehlen, wenngleich der Vater von zwei erwachsenen Söhnen eigentlich Fan von Werder Bremen war. Weil Österreichs Fußballheld im Trikot des FC Bayern München eine ähnlich dunkle Hautfarbe hat, taufte Meidinger das zu dessen Ehren gebraute Malzbier auf „Alaba-Stout“, das bei der Bier-Staatsmeisterschaft als Draufgabe die Silbermedaille machte.

Seine Brautätigkeit betreibt Meidinger mit Bierernst. Halbe Sachen mag er nicht, bei den Getreide-, Hopfen- und Hefemischungen tüftelt er akribisch den perfekten Geschmack heraus. Leibchen, die sich mit dem Aufdruck „Bier formte diesen Körper“ über eine Wampe spannen, tun ihm weh in den Augen. Meidinger macht als Vorturner wöchentlich beim Lauftreff 80 begeisterten Kremsmünsterern Beine. Nach verbrannten Kalorien darf gutes Bier eine Labung sein – demnächst mit Ingwer-Würzung.

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20. Oktober 2021