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Oberösterreich

Jugend will zurück zum "guten Gestern"

Lieber auf Nummer sicher: Tracht und Tradition sind cool, Ordnung und Sicherheit erstrebenswert, Abenteuer unerwünscht, weiß Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier

Jugend will zurück zum "guten Gestern"

Nicht nur auf der Münchener Wiesn’: Tracht und alte Werte sind bei den Jungen wieder angesagt. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Keine Lust auf Abenteuer: "Halt und Stabilität im Leben zu finden, das gehört für mehr als 60 Prozent der jungen Österreicher zu den wichtigsten Zielen im Leben. Das sind um zehn Prozent mehr als noch vor zehn Jahren", sagt Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen finden Tracht und Volksmusik heute cool – vor 15 Jahren waren es "nur" 33 Prozent. Auch Sparsamkeit, Sauberkeit und Ordnung sind wieder gefragt.

Und einmal für längere Zeit im Ausland zu leben, kommt aktuell nur für 57 Prozent der Jugendlichen in Frage – 2001 war das noch für knapp 80 Prozent absolut denkbar.

Kein Risiko ohne Sicherheitsnetz

"Junge Leute sind heute auf der Suche nach Stabilität: Sie wollen nicht täglich neue Herausforderungen, sondern Sicherheit", sagt der Wiener Jugendforscher, der auf Einladung von SOS Kinderdorf einen Vortrag in Linz hielt.

Das heiße zwar nicht, dass sie jedes Risiko scheuen, "aber sie gehen es nur ein, wenn sie eine Absicherung haben, einen Rückzugsort, wo sie geschützt sind. Anders ausgedrückt: Sie würden nie auf einem Trapez turnen ohne Netz."

Wer die jungen Leute verstehen will, müsse zuerst einen Blick auf das vorherrschende Gesellschaftsbild werfen, denn das beeinflusse ja auch die nachkommende Generation. "Und hier zeigt sich vor allem eines: Während die Zukunft früher ein Land der Hoffnung für die Menschen war, so schauen die meisten heute sorgenvoll auf die Jahre, die vor ihnen liegen. Das färbt natürlich auf die Kinder ab", sagt Heinzlmaier.

So sei es kein Wunder, wenn diese wieder zurück wollten ins – vermeintlich – gute Gestern. Zu alten Werten, Tradition, Verlässlichkeit, eben in eine Vergangenheit, in der scheinbar alles in Ordnung war.

Das sei auch eine Folge unserer Beziehungsstrukturen: "Wie unzählige Studien zeigen, haben Egoismus und Selbstbezogenheit massiv zugenommen. Wir schließen Gemeinschaften heute nicht mehr nur mit dem Ziel, zusammenzukommen, sondern haben dabei stets unseren individuellen Nutzen, unseren Vorteil vor Augen. Diese Verbindungen sind labil und brüchig, statt Liebe und Treue, bis der Tod uns scheidet, gibt es heute Lebensabschnittspartner. Trennungen stehen an der Tagesordnung. Auch das macht jungen Menschen Angst."

Zeit und Respekt schenken

Und was können Eltern nun tun, um ihrem Nachwuchs Halt im Leben zu geben? "Das ist natürlich gerade bei Teenagern nicht mehr so einfach, weil die ja stets zwischen Nähe und Ablösung pendeln", sagt Heinzlmaier. "Dazu kommt, dass heute jeder mit sich selbst beschäftigt ist – die Eltern rennen in der Früh aus dem Haus und haben 1000 Dinge zu tun, und die Kinder machen das Gleiche." Doch um zu verstehen, wie es ihnen geht, was sie brauchen, was sie bewegt, muss man sich Zeit für sie nehmen und ihnen bewusst zuhören. "Auch wenn es im hektischen Alltag nicht immer einfach ist, damit ist schon ein großer Schritt gemacht."

Rat auf Draht

Dass vielen jungen Menschen heute der Halt im Leben fehlt, ist auch eine Erfahrung, die die Psychologen bei „Rat auf Draht“ täglich machen. „Wir bemerken zudem, dass die soziale Verwahrlosung bei Kindern zunimmt“, sagt Leiterin Birgit Satke: „Das zieht sich durch alle Schichten.“

Die Telefonberatung ist anonym und für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen. Seit vier Jahren wird sie vom SOS-Kinderdorf betrieben – davor vom ORF. „Die häufigsten Anliegen der jungen Anrufer betreffen die Liebe – angefangen von Fragen über Verhütung und Sex bis zu Liebeskummer, gleich dahinter geht es häufig um Probleme in der Familie. Jetzt, kurz vor dem Zeugnis, ist natürlich auch Überforderung und Stress ein großes Thema“, sagt Satke.

„Rat auf Draht“ ist täglich rund um die Uhr unter der Notrufnummer 147 erreichbar.

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Artikel Valerie Hader 14. Juni 2018 - 00:04 Uhr
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