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Oberösterreich

Innviertler sind Oberösterreichs Bayern

Von Von Dieter Seitl   10. Juni 2010 00:04 Uhr

Die Innviertler sind Oberösterreichs Bayern
„Hauptstadt“ Ried?

INNVIERTEL. Seit 1779 bei Oberösterreich, aber noch immer nicht ganz aus Bayern angekommen: Für viele Innviertler beginnt der „Osten“ hinter dem Hausruck. Was für den Linzer der Wiener – ist für den Innviertler der Linzer.

Kein einziger Landesrat. Einziges Viertel ohne Fachhochschule und ohne Regionalverkehrskonzept. Dafür Straßen mit jeder Menge Kurven. Die Innviertler fühlen sich in vielen Belangen benachteiligt, nehmen es aber gelassen. Der südliche Teil des Bezirks Braunau tendiert ohnehin nach Salzburg, der westliche nach Bayern – ebenso wie ein Teil Schärdings.

Für die Braunauer ist Linz weit weg. Umgekehrt endet das Innviertel aus Linzer Sicht in Ried, so die Vorwürfe: Das Straßennetz schrecke ab. Ein Konzept zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs verstaubt seit Jahren auf einem Linzer Schreibtisch. Ein Lied davon können die Perwanger singen, die mit Öffis bis zuletzt nur via Salzburg erreichbar waren. Ohne Auto geht wenig, auch wenn es im Mai übertrieben wurde: Ein 14-Jähriger aus dem Bezirk Braunau wurde zwei Mal am Lenkrad eines Autos erwischt, wenig später ein 15- und ein 16-Jähriger.

Bayerische Wurzeln tauchen die Innviertler in eine gemeinsame mentale Farbe, das Land im Land verstrickt sich jedoch zuweilen selbst in skurrile Scharmützel. Ried – allen voran Bürgermeister Albert Ortig – bezeichnet sich als die Hauptstadt des Innviertels. Den Braunauern, die in der größeren Stadt leben, dreht sich dabei alles im Magen um. Aus geografischer Sicht findet sich das Zentrum der Region in der „Pampa“: Auf einem Acker zwischen den Orten Nonsbach und Holzerding in Geinberg.

In St. Martin leben Innviertler im Diesseits und im Jenseits. Die Ortstafeln der Tarsdorfer Enklave Fucking sind bei US-Touristen so beliebt, dass sie diebstahlsicher verankert werden mussten. Umgekehrt schaffen es Innviertler, in Amerika zu leben, ohne auszuwandern: Im Eitzinger Ort Amerika, wohin US-Präsident Barack Obama hochoffiziell zu einem Besuch eingeladen wurde.

Dass Obama bislang nicht antwortete, verschmerzen die Innviertler deutlich besser als die politische Unterrepräsentation im eigenen Land. Während das vergleichbare Mühlviertel fast schon traditionell Landesräte und jetzt auch zwei Minister stellt, geht das Innviertel leer aus. Dass dies Nachteile auf die Entwicklung der Infrastruktur mit sich bringt, wird vom Landhaus aus freilich heftig dementiert.

Innviertler leben länger

Die Vorzüge: Die Lebenserwartung liegt im Innviertel um ein Jahr über dem Österreichschnitt – und das, obwohl hier ausgiebigst gefeiert wird. In keinem anderen Landesteil ist die Dichte an Brauereien größer, und mit dem „Einhundert BE“ aus Uttendorf bietet das Innviertel das bitterste Pils der Welt.

Mit Genforscher Josef Penninger aus Gurten verfügt das Innviertel laut Fachwelt über einen Nobelpreisanwärter. Und mit dem gebürtigen Rieder Anton Zeilinger über einen Physiker, dem die Quantenteleportation – Reisen ohne Zeitverlust – gelingt. Science Fiction Fans nennen das Beamen. Schafft Zeilinger es eines Tages, das Innviertel ganz nach Oberösterreich – und vor allem in die Köpfe der Landespolitik zu beamen?

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