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Oberösterreich

„Ich will dem Jesus nicht dreinpfuschen“

Von Von Helmut Atteneder   07. März 2009 00:04 Uhr

„Ich will dem Jesus nicht dreinpfuschen“
Pfarrer Gert Smetanig verzaubert in der Kirche seine Schäfchen im wahrsten Sinne des Wortes.

MAUERKIRCHEN. Am Sonntag präsentierte Gert Smetanig sein neuestes Zauberprogramm. Und? Smetanig ist Priester, seine Bühne ist die Pfarrkirche von Mauerkirchen (Bezirk Braunau). Ein Gespräch mit „The Magic Priest“ über Gott und die Welt.

OÖN: Herr Pfarrer, was halten Sie von Harry Potter?

Smetanig: Also nicht dasselbe wie der Windischgarstener Pfarrer. Ich sehe da überhaupt keine Gefahr von Okkultismus oder sonst irgendetwas. Ich denke, dass gerade Harry Potter auch in der Zauberei etwas Positives gebracht hat, weil dadurch bei den Kindern das Interesse für Zaubern geweckt wurde.

OÖN: Sie nutzen Ihre Zauberkunst bewusst, um mehr Menschen in die Kirche zu bringen.

Smetanig: Und das wirkt auch. Bei Familiengottesdiensten ist die Kirche voll – immerhin 600 Leute. Ich biete auch andere Sachen an, weil ich finde, dass die Kirche mit den Leuten gehen soll.

OÖN: Welche?

Smetanig: Im Herbst habe ich zu einem Gottesdienst eingeladen, zu dem die Leute mit ihren Haustieren kamen, die ich dann gesegnet habe. Zum Valentinstag gab es einen Gottesdienst für Verliebte.

OÖN: Egal welchen Geschlechts?

Smetanig: Ganz egal. Ob Mann/Frau, Mann/Mann oder Frau/Frau – sie haben am Ende des Gottesdienstes von mir den Segen bekommen. Es waren auch Schwule und Lesben vertreten.

OÖN: Werden Sie für diesen Mut auch angefeindet?

Smetanig: Ich denke schon, dass sich manche schwertun. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit dem Weihbischof. Ich habe im Gottesdienst schon klar gesagt, was ich da denke. Ich habe dazu auch eine Meinung von der Plattform Kirche im Schaukasten aufgehängt.

OÖN: Mit welchem Resultat?

Smetanig: Der Bischof hat bei mir angerufen und mir gesagt, dass sich darüber jemand beschwert hat. Wenn man in unserer Kirche seine Meinung nicht sagen kann, ohne dass man eine auf den Deckel bekommt, dann sage ich, dass Kirche Platz für unterschiedlich Denkende haben muss. Kritik ist nichts Schlechtes. Wenn ich nichts mehr sagen würde, dann ist mir etwas schon wurscht. Und das soll nicht passieren.

OÖN: Gab es auch schon negative Reaktionen, was Ihre Zauberei von der Kanzel betrifft?

Smetanig: Zu Beginn ja. Das waren nur ganz kleine Prozentsätze. Die können aber auch einen ordentlichen Wirbel machen. Wie ich nach Mauerkirchen gekommen bin, habe ich schon gehört: Da kommt ein junger Pfarrer, der zaubert in der Kirche. Kann das etwas Gutes sein? Jetzt, nach eineinhalb Jahren, sieht man, dass sehr viel passiert ist. Die Kirche wird voll, Leute in meinem Alter kommen wieder, mit ihren Kindern. Ältere sterben leider irgendwann einmal weg und wenn man nicht schaut, dass man die erreicht, die sich schwertun mit der Kirche, dann haben wir ein Problem.

OÖN: Die Magie in der Heiligen Schrift könnte man als Wunder wirken interpretieren.

Smetanig: Jesus war kein Zauberer, er hat keine Tricks verwendet. Wir können uns heute vieles nicht erklären. Die Bibelexegese sagt schon, dass man es symbolisch deuten kann, wenn Jesus jemanden geheilt hat, der einen krummen Rücken hatte. Was macht uns krumm? Was bringt uns zu Boden?

OÖN: Zaubern ist nicht so etwas wie kleine Wunder wirken?

Smetanig: Na, na, na, na. Ich habe zwar auch ein Kunststück, bei dem Flüssigkeit immer vermehrt wird, aber dass ich so wie mein Chef aus Wasser Wein mache... So weit sind wir nicht. Und da will ich dem Jesus nicht dreinpfuschen.

OÖN: Wie sieht es mit Ihrem irdischen Chef aus?

Smetanig: Ich glaube, dass der Papst in manchen Sachen nicht richtig informiert worden ist.

OÖN: Reihen Sie alle Ihre Vorbilder.

Smetanig: Vom religiösen her ist es einfach der Jesus. Das soll nicht fromm oder kitschig klingen. Wie er auf Leute zugegangen ist, wie er auch kritisch war gegen Gesetzeslehrer. Vom Zaubern her ist sicherlich Copperfield ein Vorbild.

OÖN: Viele Pfarren sind verwaist. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Smetanig: Wenn ich daran denke, wie viele Priester ohne Amt es in Oberösterreich gibt. Priester, die geweiht wurden, die dann aber aufgehört und geheiratet haben. Da würden etwa 70 sofort wieder eine Pfarre übernehmen.

OÖN: Wäre das sinnvoll?

Smetanig: Es macht einen Priester ja nicht unwürdiger, wenn er verheiratet ist. Wenn die Frauen und Kinder haben, dann können sie genauso gut Seelsorger sein.

OÖN: Als Magic Priest lassen Sie sich von einer blonden, hübschen Frau assistieren. Kommen da keine Gerüchte auf?

Smetanig: Wenn du auf der Bühne stehst, dann musst du ja jemanden haben, der eine Ausstrahlung hat. Wenn jemand schön ist, heißt das ja nicht, dass ich mich gleich in sie verknalle und mein Priesterberuf ins Wanken gerät. Außerdem wäre es ganz normal, dass du dich verlieben kannst. Wir bleiben ja Gott sei Dank Menschen. Da ist die Frage, wie gehe ich damit um. Ist der Beruf das Wichtigste oder die Frau?

OÖN: Was ist Ihr bester Zaubertrick?

Smetanig: Mein Highlight kommt aus Las Vegas. Die Assistentin kommt in ein Gebilde, ich steche Säbel durch, dann öffne ich es und die Assistentin ist verschwunden. Nur noch die Säbel sind zu sehen.

OÖN: Und wo ist die Dame geblieben?

Smetanig: Weiß ich nicht...

OÖN: Gibt es etwas, das ein Zauberer und ein Priester haben müssen?

Smetanig: Schlagfertig sein. „Verkaufen“ können, einen Witz haben.

OÖN: Warum sind Sie im Hauptberuf Priester und nicht Zauberer geworden?

Smetanig: Weil ich Kirche verändern möchte.

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