29. Juli 2015 - 00:04 Uhr · Eike-Clemens Kullmann · Oberösterreich

Heereskritikerin fühlt sich denunziert und gemobbt

Heereskritikerin fühlt sich denunziert und gemobbt

Monika Donner Bild: privat

WIEN/LINZ. Die gebürtige Linzerin Monika Donner soll im Fernsehen einen "Nazi"-Sager getätigt haben.

Als Offizier bei der 4. Panzergrenadierbrigade in Ebelsberg war die Welt für die gebürtige Linzerin Monika Donner (44) noch in Ordnung. Damals, rund um die Jahrtausendwende, war sie noch ein Mann und wurde von ihren Vorgesetzten in höchsten Tönen gelobt. Gelobt wurde sie lange auch als Juristin in der Abteilung Personalführung des Generalstabs im Verteidigungsministerium. Bis sie, so Donner im OÖNachrichten-Gespräch, eine detaillierte Analyse der österreichischen Sicherheitslage erstellte.

Diese, gespickt mit Kritik, verschickte sie als offenen Brief nicht nur innerhalb des Ressorts, sondern leitete ihn auch an Bundespräsident, Minister und Parlament weiter. Zudem gibt es die Version als E-Book zum Download. Titel: "God bless you, Putin" (www.monika-donner.at/home/bucher/god-bless-you-putin).

Transgender-Person

"Weil man gegen die Analyse nichts einwenden kann, macht man meine Person schlecht. Was mir passiert, ist Mobbing gegen eine Transgender-Person." Am 15. Juli wurde Donner mitgeteilt, dass die Abteilung Disziplinarwesen eine Mitteilung an die Staatsanwaltschaft erstattet hat. Grund: sie habe "üblicherweise dem Nationalsozialismus zuzuordnende Äußerungen" getätigt.

Dies soll in der Puls-4-TV-Sendung "Gültige Stimme" mit Roland Düringer am 18. Mai passiert sein. Dort verwies sie darauf, dass "jeder, der unliebsame Meinungen vertritt, Gefahr laufe, als Nazi abgestempelt zu werden". Sollte Donner wegen dieser Aussage verurteilt werden, droht ihr als Vertragsbediensteter des Bundesheeres die Entlassung.

Gegen Kasernenschließungen

Auch der Zeitpunkt für die "Anzeige" sei nachzuvollziehen: "Kurz vorher hatten Abgeordnete einen Entschließungsantrag zum sofortigen Stopp der Kasernenschließungen eingebracht." Die Expertise dazu stammte aus Donners Analyse. "Wir bewegen uns in gefährlichen Zeiten. Militärisch abzurüsten, also Kasernen zu schließen, oder die Panzer zu veräußern etc. ist der falsche Weg", ist sie überzeugt. 40 Kampfpanzer etwa würden nicht einmal für ein einziges Bataillon reichen und die postulierte "Lage angepasste Aufwuchsfähigkeit könnte nicht mehr sichergestellt werden".

Trotz des möglichen Verfahrens gegen sie wolle sie weiterhin ihre Meinung sagen. Denn: "Mein Gehalt ist kein Schweigegeld."

Ministerium: Kein Mobbing

Donners Vorwurf, das Ministerium betreibe Mobbing, kann Sprecher Oberst Michael Bauer übrigens nicht nachvollziehen. Die Disziplinarabteilung sei von sich aus tätig geworden und habe die Mitteilung an die Staatsanwaltschaft gemacht.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Heereskritikerin-fuehlt-sich-denunziert-und-gemobbt;art4,1928093
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