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Oberösterreich

Georgische Familie abgeschoben, 15-Jähriger spurlos verschwunden

Von Von Robert Stammler   03. Juli 2010 00:04 Uhr

Georgische Familie abgeschoben 15-Jähriger spurlos verschwunden
Die zehnjährige Lisa Muradov wurde mit ihren Eltern abgeschoben.

ST. GEORGEN. Die Abschiebung einer Familie aus Georgien, die sechs Jahre lang in Oberösterreich lebte, schlägt im Attergau hohe Wellen. Ähnlich wie im Fall Zogaj konnte der 15-jährige Sohn der Familie nicht ausgewiesen werden, weil er verschwunden ist.

Seit sechs Tagen fehlt von dem 15-jährigen Sarkis Muradov jede Spur. Am Montag Früh wollte die Fremdenpolizei die in der Ortschaft Wildenhag gut integrierte Familie festnehmen, um sie nach Georgien abzuschieben. Der älteste Sohn der siebenköpfigen Familie war nicht da, als die Polizisten kamen.

Auf der Suche nach dem Jugendlichen verschafften sich die Beamten über eine unversperrte Tür Zugang zum Haus des Nachbarn Hans Neusser-Harringer, dessen Sohn mit dem 15-jährigen Georgier gut befreundet ist. „Meine Frau und ich waren in der Arbeit. Die Polizisten durchsuchten mein ganzes Haus und kamen schließlich in das Schlafzimmer meiner 15-jährigen Tochter Selina, die an dem Tag von der Schule zu Hause geblieben war, weil sie krank war“, sagt Neusser-Harringer. Auf die Frage, ob die Hausdurchsuchung ohne richterlichen Beschluss legal sei, erhielt der Besitzer ein Schreiben der Polizei. „Es wurden keine Türen aufgebrochen oder sonstige Sachen beschädigt. Die Durchsuchung erfolgte über mündlichen Auftrag der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck nach den Bestimmungen des Paragrafen 75 Fremdenpolizeigesetz“, heißt es darin.

Die Amtshandlung sei von einer Kommission des Menschenrechtsbeirates begleitet worden, so die Exekutive. „Derart massiv in die Grundrechte eines unbeteiligten Bürgers einzugreifen, ohne Verständigung des Hauseigentümers, ist unverhältnismäßig und bedenklich“, sagt Alois Birklbauer, Professor für Strafrecht an der Linzer Uni und Mitglied des im Innenministerium angesiedelten Menschenrechtsbeirates.

„Mir bricht es das Herz“

Bestürzt über die Abschiebung ist Nachbarin Maria Rieser (79). Die Pensionistin hatte zur zehnjährigen Lisa, einer Tochter der abgeschobenen Familie, eine enge Beziehung aufgebaut. „Ein liebes Dirndl, sie besuchte mich jeden Tag. Lisa umarmte mich noch, bevor sie die Polizei mitnahm. Mir bricht es das Herz“, sagt die Pensionistin. Die Familie ist nun ohne den verschwundenen Sohn in Georgien.

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