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Oberösterreich

Familie bangt um Ludwig Scharinger

Von Helmut Atteneder   16. Oktober 2013 00:05 Uhr

Familie bangt um Ludwig Scharinger: Rettungskette in Russland versagte
Ludwig Scharinger, passionierter Jäger

LINZ, JEKATERINBURG. Rettungskette in Russland versagte - Freunde mussten in Jekaterinburg eine Stunde auf Hilfe warten, Chaos im Spital.

Der ehemalige Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank, Ludwig Scharinger, liegt weiter im künstlichen Tiefschlaf in der Landesnervenklinik Linz. Scharinger, der am Samstag 71 Jahre alt wird, hat am Freitagabend bei einem Sturz über eine Treppe in einem Lokal in Jekaterinburg ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Bruch der Schulter und eines Unterarms erlitten. Sein Zustand soll stabil sein, Probleme macht jedoch eine Gehirnschwellung. Seine Frau Anneliese ist an der Seite des Schwerverletzten.

Erschreckende Details

Nun wurden erschreckende Details des verhängnisvollen Unfalles bekannt. Dieter Haidinger, ehemaliger ärztlicher Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Linz, und Alfred Düsing, Finanzvorstand der voestalpine Stahl, waren Augenzeugen des Unfalls. „Wir haben nach unserem Jagdausflug noch einen freien Tag in Jekaterinburg genossen, am Samstag wollten wir heimfliegen“, erzählt Dieter Haidinger.

Nach einer fünfstündigen Stadtrundfahrt wurde im Extrazimmer eines Kellerlokals zu Abend gegessen. „Wir haben unsere Reise reminisziert, gescherzt und gut gegessen.“ Gegen 22 Uhr Ortszeit (18 Uhr MESZ) brach das Trio auf. Ludwig Scharinger stieg als letzter eine steile, schlecht beleuchtete Holzstiege hoch. Dabei passierte das Unglück. Er verfing sich mit der Schuhspitze an einer Stufe, stürzte kopfüber die Treppe hinunter und prallte mit dem Kopf gegen eine Steinplatte. „Er war sofort bewusstlos“, sagt Dieter Haidinger, der sofort Erste Hilfe leistete. Dann aber verging viel Zeit: Die Rettung kam erst eine Stunde nach dem Unfall, die Zustände im Krankenhaus von Jekaterinburg waren, so Haidinger, „vergleichbar mit jenen bei uns zur Wende zum vorvorigen Jahrhundert“.

Alfred Düsing versuchte derweil mit einer Reiseleiterin verzweifelt, den Rücktransport mit einem Ambulanzjet zu organisieren. Auch hier verstrich wertvolle Zeit, Visa mussten eingeholt werden, ebenso notarielle Beglaubigungen. „Wir haben 36 Stunden kein Auge zugetan“, sagt Haidinger. Am Samstag landete der Ambulanzjet in Hörsching, Scharinger wurde von Notfallmediziner Fritz Firlinger (Barmherzige Brüder) übernommen und in die Landesnervenklinik Wagner Jauregg überstellt. Dieter Haidinger bangt ebenso wie Freunde und Familie um das Leben Scharingers: „Wir sind vorsichtig optimistisch, aber: beten S‘ mit uns ein Vaterunser.“

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