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Oberösterreich

Falsche Liebe und Erpressung trieben 30-Jährigen in Suizid

RIED. Eine junge Frau gaukelte dem Innviertler ihre Liebe vor und forderte immer wieder Geld – Familie des Opfers fand Schuldschein.

Der Innviertler wurde von der "Freundin" jahrelang ausgebeutet. Bild: Colourbox

Es war der 21. April, als Manuel S. *) aus dem Bezirk Ried im Innkreis freiwillig aus dem Leben schied. Für seine Angehörigen war dieser Schritt völlig unerklärlich. Mit seinen 30 Jahren stand der Innviertler und Vater einer kleinen Tochter in der Blüte seines Lebens. Der Monteur und Hobbymusiker war im Ortsgeschehen seiner 1300-Einwohner-Heimatgemeinde integriert, war in der Feuerwehr seit sechs Jahren als Kassier tätig. Bis zu jenem Samstag.

Manuels Eltern konnten nicht loslassen, sie stellten Nachforschungen an. Plötzlich stießen sie im Auto ihres Sohnes auf ein dubioses Schriftstück. Und plötzlich fügte sich dieses in Verbindung mit zahlreichen SMS- und WhatsApp-Nachrichten, die sie schließlich auf Manuels Handy entdeckten, zu einem Gefüge, das immer dramatischere Ausmaße annehmen sollte. "Der Familie wurde klar, dass mehr dahinterstecken könnte", sagte deren Anwalt Harald Korp den Oberösterreichischen Nachrichten.

Manuel war jahrelang von einer 29-jährigen mittellosen Frau aus Raab ausgenutzt und erpresst worden. Bis ihn seine verzweifelte Situation in den Selbstmord trieb.

Was genau war passiert? Im Jahr 2015 hatte der Innviertler die junge Frau auf einer Veranstaltung kennengelernt. Manuel S. verliebte sich. Ein Umstand, den die arbeitslose Raaberin zu ihren Gunsten zu verwenden wusste: Sie gaukelte dem Innviertler ihre Liebe vor und lockte ihm hohe Geldbeträge heraus. Laut Polizei insgesamt 98.000 Euro binnen zwei Jahren.

Manuel zahlte unter der Bedingung, dass seine Freundin das Geld zurückzahlen solle, sobald sie wieder liquid sei. Die Beschäftigungslose willigte ein, obwohl sie wusste, dass dies aufgrund ihrer finanziellen Situation niemals möglich sein werde, sagt der Anwalt. Dennoch unterschrieb sie auch jenen Schuldschein über 52.000 Euro, der später in Manuels Wagen gefunden wurde – und schließlich Licht ins Dunkel brachte.

Kredit aufgenommen

Für die Zahlungen brauchte Manuel S. zunächst seine Ersparnisse auf, borgte sich danach Geld von Freunden und nahm schließlich einen Kredit auf. Die 29-Jährige forderte immer mehr, lebte wie eine "kleine Prinzessin", heißt es in Ermittlerkreisen.

In seiner Verzweiflung griff Manuel sogar kurzerhand in die Feuerwehr-Kasse, bat seine Freundin aber um ein rasches Zurückzahlen, damit die Entnahme nicht auffalle. Anstatt der Begleichung ihrer Schulden forderte sie aber erneut 500 Euro. Dazu erpresste sie ihn: Sollte er nicht zahlen, werde die illegale Entnahme aus der Feuerwehr-Kasse durch einen Anwalt öffentlich gemacht, drohte die Frau dem Innviertler.

Die Entnahme flog tatsächlich auf, woraufhin für den Innviertler eine Welt zusammenbrach, sagte der Anwalt. Das Feuerwehrmitglied habe mit dieser Schande nicht mehr weiterleben wollen. Tags darauf beging er Suizid.

Die Familie erstattete schließlich Anzeige, die Staatsanwaltschaft beauftragte das Landeskriminalamt mit weiteren Ermittlungen. Anfang Juni wurde die Beschäftigungslose nach der Durchsuchung ihrer Wohnung verhört. Sie zeigte sich geständig, zeigte aber keine Reue. Die 29-Jährige dürfte bald rechtlich belangt werden. "Die Anklage steht unmittelbar bevor", sagt Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried, den OÖN. Man könne davon ausgehen, dass wegen Paragraph 145, schwere Erpressung mit Selbstmordfolge, angeklagt wird.

 

*) Name von der Red. geändert

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Artikel Gerhild Niedoba 14. Juni 2018 - 00:04 Uhr
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