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Oberösterreich

"Eine eigene Form der Erinnerung an Verstorbene finden"

Von René Laglstorfer   31. Oktober 2018 00:04 Uhr

"Eine eigene Form der Erinnerung an Verstorbene finden"
Martin Dobretsberger auf dem Linzer Friedhof : Zu Allerheiligen wird man ihn eher selten dort antreffen.

LINZ. Oberösterreichs Chef-Bestatter Martin Dobretsberger spricht über Allerheiligen und seinen Umgang mit dem Tod.

"Kaum einer lebt in dem Bewusstsein, dass er sterben wird. Aber ich glaube, es ist sinnvoll, sich bewusst zu machen, dass das eigene Leben endlich ist", sagt Martin Dobretsberger.

Der 37-jährige Linzer weiß wovon er spricht, schließlich hat er es als Chef des größten privaten Bestattungsunternehmens in Oberösterreich jedes Jahr mit rund 800 Todesfällen zu tun. "Manche Menschen leben so, als ob es kein Morgen gebe, und sterben dann total jung, als ob sie es gewusst hätten", sagt der zweifache Familienvater.

Frage der Wertschätzung

Das rund 1700 Jahre alte Allerheiligen-Totengedenken bedeutet für ihn – der jeden Tag mit dem Tod konfrontiert ist – gegenseitige Wertschätzung und sich selbst wertzuschätzen. "Alle Menschen, die mich geprägt haben, sind ein Teil von mir und durch mich lebendig." Dabei müsse man nicht einmal am 1. November unbedingt auf den Friedhof gehen. "Viel wichtiger ist, dass man seine eigene Form der Erinnerung an den Verstorbenen findet. Bei meinem Großvater, den ich innig geliebt habe, ist es ein alter Holzsessel, den er damals aus dem Sudetenland nach Linz mitgebracht hat und der jetzt bei uns am Esstisch steht."

Eine Flasche Bier für den Opa

Auf dessen Grab am Steyrer Friedhof stellt Dobretsberger seinem Opa bei jedem Besuch eine Flasche Bier. "Das hat er zu Lebzeiten geliebt. Wenn ich dann zurückkomme, ist die Flasche natürlich weg, weil sie jemand weggeräumt hat. Aber es ist einfach ein gutes Gefühl, dass sie nicht mehr da ist und dass ich ihm immer noch etwas Gutes tun kann."

Selbst hat sich Dobretsberger schon oft die Frage gestellt, wie er einmal bestattet werden möchte. Aus dem Schutzbedürfnis für seine beiden Kinder Tizian (3) und Allegra (5) würde er wohl eine Feuerbestattung wählen, um ihnen den Anblick des offenen Grabes zu ersparen.

"Aber es ist nicht wichtig, welche Art mir am liebsten ist, sondern meine Hinterbliebenen sollen sich jene Form der Bestattung für mich aussuchen, die ihnen in der Trauerbewältigung am besten tut", sagt der 37-Jährige im Gespräch mit den OÖNachrichten . Dabei sei der Abschied am Grab laut Studien der heilsamere, weil endgültigere. Der Landesinnungsmeister aller Bestatter in Oberösterreich räumt auch gleich mit einem Mythos auf: "Beerdigte Menschen werden nicht von Würmern zersetzt, weil es in der Tiefe keine gibt. Das übernehmen Mikroorganismen."

Zu Allerheiligen besucht Dobretsberger eher selten die Gräber seiner Verwandten in Linz, weil er ohnehin das ganze Jahr über dort ist.

Viel stärker wiegt jedoch, dass der Friedhof für ihn ein Meditationsort ist, wo er Ruhe findet. "Da wäre Allerheiligen mit den vielen Menschen der falsche Zeitpunkt."

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