Der Innviertler Erwin Pointner tippte vor zehn Jahren einen Lotto-Sechser. 1,2 Millionen Euro war er wert. Die sechs richtigen Zahlen, die hat der 56-Jährige aus Mettmach vergessen. Einen ideellen Wert kritzelte er handschriftlich auf seinen Tippzettel, der im Vorhaus hängt: "Dieser Lottoschein veränderte mein Leben. Hoffentlich zum guten Sinn."
OÖNachrichten: Können Sie sich an den ersten Gedanken erinnern, als Sie gesehen haben, die sechs Richtigen getippt zu haben?
Pointner: Ich wusste überhaupt nicht mehr, wie mir geschieht. Ich habe einige Stunden gebraucht, bis ich das verstanden habe. Ich habe zehnmal auf den Teletext gestarrt, die Zahlen mit meinem Bruder und Schwager nachkontrolliert. Die Lotto-Notrufnummer in Wien angerufen. Wir haben die richtigen Zahlen noch weitere fünfmal gelesen. Sie haben tatsächlich gestimmt. Da geht einem alles durch den Kopf. Wie wird das sein, wenn du plötzlich so viel Geld hast? Womöglich wollen sie mich entführen? Du denkst an alles.
Zehn Jahre sind seit Ihrem großen Gewinn vergangen. Wie geht’s Ihnen heute damit?
Gut, gut. Mit dem Geld komme ich aus. Auf meinem Baugrund habe ich einen Teich mit Fischen. Ich pflanze eigenes Gemüse, Beeren, bin fast ein Biobauer geworden. Es gibt einige Menschen in der Nachbarschaft, denen ich Rasen mähe und Schnee räume. Ich bin eine gute Seele und normal geblieben. Ich bin beim Roten Kreuz sehr viel ehrenamtlich unterwegs. Und fördere die Fußball-Jugendarbeit in unserem Verein. Ich bin bei jedem Spiel der U8, U10, U12 und den Frauen und betreue sie als Rot-kreuz-Mitarbeiter. Ich bin für die Kinder fast schon wie ein zweiter Papa.
Wie verlief Ihr Leben bis zu diesem Tag, der vieles veränderte?
Ich war 31 Jahre lang ein einfacher Arbeiter. In der Skifabrik bei Fischer, bei der Post, als Kraftfahrer. Diesen Job habe ich dann aufgegeben. Ich habe zehn Geschwister und bin ganz arm aufgewachsen. Wenn ich nicht einen Schwager hätte, der auf der Bank arbeitet, hätte ich gar nicht gewusst, wie und was da passiert. Auf der anderen Seite war es auch eine schwierige Zeit. Es kamen viele Bettler und Heiratsanträge.
Wie schnell haben Sie diese Kehrseite der Münzen entdeckt?
Das hat sich alles irrsinnig schnell herumgesprochen. Ich habe so viele Bettelbriefe erhalten. Immer wieder erlebte ich dieses Betteln, Betteln, Betteln. Von fremden Menschen, von Vereinen. Nicht den ortsansässigen, aber anderen. So oft hat’s geheißen: Zahl doch! Zahl eine Runde! Es hat zwei Jahre gedauert, bis sich das beruhigt hat. Die Leute haben mir ja sogar vorgerechnet, wie viel Geld ich noch übrig haben müsste.
Wie gehen Sie mit diesen Neidern um?
Das hat sich zum Glück beruhigt. Ab und zu fragt noch jemand um ein paar Tausend Euro an. Ich bin Tag und Nacht da, um zu helfen. Aber nicht, um alles herzugeben. Ich möchte mit meinem Geld noch länger auskommen.
Welchen Wunsch haben Sie sich zuallererst erfüllt?
Meinen Traum vom eigenen Haus. Und einmal wollte ich dorthin auf Urlaub fahren, so wie man es auf den Postkarten sieht. Mit Palmen am Meer. Ich bin auf die Malediven geflogen. Hätte aber nach drei Tagen schon wieder heimfahren wollen, weil mir die Katzen so sehr fehlten.
Die Katzen...?
Ich bin ein großer Tierliebhaber und habe arme Katzen bei mir aufgenommen, die irgendwo ausgesetzt wurden.
Was raten Sie dem neuen Lotto-Gewinner aus Oberösterreich?
Auf dem Boden zu bleiben. Ganz einfach. Er sollte sich ein gescheites Hobby suchen, am besten etwas Ehrenamtliches, denn arbeiten wird der wahrscheinlich nicht mehr gehen. Und er sollte aufpassen auf die Bettler. Gerade jetzt hört und sieht man immer wieder, wie viele Betrüger unterwegs sind.
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