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Oberösterreich

Ein Schweizer in Oberösterreich: 100 Tage, 100 Wörter – Passagen der Tour de Dialekt

Jetzt hat’s Dich erwischt: Ich muss jeden Buchstaben gesondert lesen, damit ich’s verstehe“, mailte eine Schweizer Arbeitskollegin auf meinen Schreibversuch in Österreicher-Dialekt.

Ein Schweizer in Oberösterreich

Schweizer lernt Wörtli. Bild: Winterleitner

Dabei hatte ich gerade zu Beginn selbst meine Schwierigkeiten: Stolpersteine waren vor allem Dialektwörter, die man nicht einfach dem Klang nach herleiten kann. Schon früh kam deshalb der Gedanke, nein, die Notwendigkeit, ein Ö-Wörterbuch zu basteln. Und am 100. Tag war es so weit: Mein selbst gebasteltes Nachschlagewerk erreichte die magische Schwelle von 100 Wörtern.

Des mocht s’ Kraut zwoa ned fett, doch immerhin, es ist eine Sammlung, die mir hilft, dass die Verständigung nicht so oft in einem Bauchfleck endet oder dass ich nicht irgendwo unbeholfen linguistisch tarockiere. Dabei möchte ich mich natürlich bei allen Menschen bedanken, die seither so gschmoa waren, ihren Beitrag zu meiner Kollektion zu leisten, so dass ich di Tog zu diesem kleinen Jubiläum gelangt bin. Nicht dass ich ein Abizahrer bin und die anderen auf die Suche nach dem verlorenen Wortschatz schicke, während ich strawanze: Aber ohne diese Hilfe wäre ich als Zuagrasta bald etwas znepft gewesen. Okay, zugegeben: Drawig wie ich war, habe ich das eine oder andere aus dem Internet gefladert.

Wenn ich jetzt so gedanklich aschleng zum Beginn meines Abenteuers, so geht es sich leiwand aus, dass ich mit den kulinarischen Eigenheiten weiterfahre. Den Ribisl, die ich am liebsten in der Linzer Torte mag, Marillen, die jede Palatschinke verfeinern, sowie ferner Paradeiser, Erdäpfel, Kren und Vogerlsalat, allesamt bekömmlich für d’Gosch. Am liebsten, wenn’s vom Greißler kommt. Noch etwas kritisch stehe ich dem Beuschl, vor allem aber dem Blunzngröstl gegenüber. Man mag mich einen eitlen Bimpf schimpfen, aber das Gröstl taugt mir halt vor allem ohne Blunzn. Auch Quargel und Topfen musste ich zu Beginn nachschlagen. In der Schweiz warnte man mich zudem schon vor den verwirrenden Bezeichnungen unterschiedlicher Kaffeesorten. Doch ob Einspänner, großer Brauner oder ein kleiner Schwarzer, ist alles ghupft wie ghatscht. Als Teetrinker ist mir die Sortendiversität in einem Beisl oder einem Schanigarten so ziemlich powidl. Dafür konnte ich mich mit dem Radler sehr gut anfreunden, passt scho, sowohl a Hoibe als auch a Seiterl.

A Masen ghobt hab ich übrigens bei der Verwendung des Begriffes schiach. So vermied ich es, an Schas zu bauen und a scheiches Dirndl versehentlich zum schiachen Dirndl zu machen. Denn selbst wenn sie a Trutschn wär, würde mir so was nicht einmal als Schmäh einfallen. Da versuch ich gschmoa und anständig zu bleiben. Und falls mir diese unheilvolle Verwechslung zwischen scheich und schiach dennoch einmal widerfahren sollte, darf man mich durchaus an Wappla oder Surm nennen, da werde ich auch nicht sudern. Hingegen muss man ja eine Gelse auch nicht immer gleich zum Elefanten machen, auf dem I-Dipfal rumreiten oder bitzeln. Kann passieren, drum sag ich jeweils „Bumsti!“.

Diese Wörterauswahl ist natürlich nicht komplett. Schließlich gibt es auch jene Wörter, die man gerade den Gretzn nicht unbedingt zumuten will ...

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Artikel Andreas Kaufmann 22. Juni 2013 - 00:04 Uhr
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