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Oberösterreich

Ein Bahnschranken im Maisfeld löst im ganzen Land Kopfschütteln aus

28. September 2017 00:04 Uhr

Ein Bahnschranken im Maisfeld löst im ganzen Land Kopfschütteln aus
Etwa 20 Mal täglich passiert ein Zug der Donauuferbahn den Bahnschranken im Schwertberger Ortsteil Aisting.

LINZ. Er ist seit gestern der wohl berühmteste Bahnschranken des Landes. Wie berichtet, wurde an der Donauuferbahn im Schwertberger Ortsteil Aisting zwischen einer als Sackgasse gekennzeichneten Zufahrtsstraße und einem Maisfeld eine Schrankenanlage errichtet. Kostenpunkt: ein niedriger sechsstelliger Betrag.

Viele Leser fragen sich: Warum wurde die Anlage gebaut? Es gebe doch Übergänge, an denen Unfälle passierten und die dringend gesichert werden müssten. Gerade entlang der Nebenbahnen wie der Linzer Lokalbahn und der Almtalbahn kommt es regelmäßig zu Unfällen auf Kreuzungen.

Die ÖBB gehen in die Gegenoffensive. "Der besagte Bahnschranken ist Teil der Sicherheitsoffensive an der Donauuferbahn", sagt Sprecher Karl Leitner. Aufgrund der Kosteneffizienz würden Anlagen immer an ganzen Streckenabschnitten erneuert oder aufgelassen. 34 Bahnübergänge seien hier betroffen. "19 wurden mit Lichtzeichen oder Schranken versehen, 15 werden bis spätestens 2019 aufgelassen."

Auch jener Übergang mit einer alten Schrankenanlage sollte aufgelassen werden. "Der Landwirt, der dort das Wegerecht besitzt, hat aber unverschämte Forderungen gestellt." So sei nach drei Jahren Verhandlungen nichts anderes übrig geblieben, als die Anlage zu erneuern, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. "Nur so können die Züge der Donauuferbahn schneller als mit 60 km/h fahren", erklärt Leitner. Der Landwirt wollte sich gestern dazu nicht äußern.

Bis zu 50 Kreuzungen würden jährlich in Österreich aufgelassen. Etwa zehn davon würden Private betreffen. "Fast alle kommen uns entgegen. Ein Fall wie hier kommt ganz selten vor", sagt Leitner.

Kreuzungen werden geprüft

"Wir errichten jedes Jahr etwa zehn Eisenbahnkreuzungen auf unseren Strecken", sagt Helmut Zwirchmayr, stellvertretender Betriebsleiter bei Stern & Hafferl. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Linzer Lokalbahn, die Traunseebahn und die Attergaubahn. "Basis dafür ist die Eisenbahnkreuzungsverordnung von 2012", erklärt Zwirchmayr. Bis 2024 seien demnach alle Eisenbahnkreuzungen durch die zuständige Behörde zu überprüfen. Bei Nebenbahnen ist es das jeweilige Bundesland. Dieses lege dann die Art der Anlage fest. "Die Verordnung wird streng ausgelegt. Wir bauen fast nur noch technische Sicherungen", sagt er. (mini)

Schwertberger Ortschef: „Haben für Schranken nichts mitgezahlt“

Zwei Schranken und eine Ampelanlage sichern seit zirka zwei Wochen einen Bahnübergang der Donauuferbahn in Schwertberg, der von einer Güterweg-Sackgasse direkt in ein Maisfeld führt. Der gestrige Bericht der OÖNachrichten über diesen „Schildbürgerstreich“, der laut ÖBB eine „sechsstellige Summe“ kostete, erregt die Gemüter. Der Schwertberger Bürgermeister Max Oberleitner (VP) sagt im Gespräch mit den OÖN, dass die Gemeinde für diese Schrankenanlage „nichts mitgezahlt“ habe. Das sei ihm wichtig zu betonen, „weil mich die Leute schon gefragt haben, ob denn bei uns in Schwertberg jetzt das Geld abgeschafft worden ist“.

Die Eisenbahngesetze sehen zwar eine Mitfinanzierung der Gemeinden (50 Prozent) vor. Aber nur, wenn der Bahnübergang eine Gemeindestraße quert. „Alle vier Schrankenanlagen, die wir vor kurzem in Schwertberg bekommen haben, betreffen Privatwege bzw. Bundes- und Landesstraßen“, sagt der Ortschef.

Kein lautes Zug-Hupen mehr

„Ich bin von den ÖBB am 11. September informiert worden, dass die vier Übergänge bei uns jetzt gesichert wurden“, sagt der Bürgermeister. Über den Sinn einzelner Anlagen könne man diskutieren. „Aber die Sicherung der Übergänge bringt für uns Vorteile. Bisher durften die Züge auf den ungesicherten Abschnitten teilweise nur 30 km/h fahren.“ Dass die Züge der Donauuferbahn nun zügiger unterwegs sein dürften, sei „gut für die Pendler“. Und ohne Schranken mussten die Züge bisher vor ungeschützten Übergängen Hupsignale abgeben. „Da sind pro Tag bei uns ein paar hundert Hupsignale zusammengekommen. Das ist heftig für die Anrainer“, sagt Oberleitner. (staro)

 

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