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Oberösterreich

Die Ungleichheit der Vermögen und Einkommen

Von Roman Sandgruber   10. August 2013 00:04 Uhr

Die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung nimmt weltweit sprunghaft zu.

Die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die sich in der Periode von 1920 bis 1980 stark verringert hatten, sind in den USA, und nicht nur dort, wieder so groß wie vor 100 Jahren.

Das oberste eine Prozent der USA erzielte in den 1920er-Jahren fast 25 Prozent der Einkommen, in den 1970er-Jahren aber nur acht Prozent und jetzt wieder fast 25 Prozent. Das ist ein weltweiter Trend. In Österreich löst man die Diskussion über die Verteilungsproblematik, indem man keine oder unvollständige Daten über die Einkommens- und Vermögensverteilung erstellt. Die Spitzeneinkommen und Spitzenvermögen werden von den Instituten, die derartige Studien erstellt haben, der Oesterreichischen Nationalbank und dem Institut für Wirtschaftsforschung, mit Sicherheit unterschätzt, worauf von den beteiligten Forschern und Stellen auch jeweils hingewiesen, in der weiteren Verwendung der Ergebnisse aber meist vergessen wird. Die auf Befragungen basierende Studie der Oesterreichischen Nationalbank über die Vermögensverteilung in Österreich für das Jahr 2010 erbrachte für das reichste oberste Prozent der österreichischen Haushalte einen wahrscheinlich deutlich zu niedrigen Anteil von 22,9 Prozent an den Gesamtvermögen. Denn bei den Spitzenvermögen bringt die Methode der Befragung wegen der vielen Antwortverweigerungen und Fehlangaben eine Unterschätzung.

Versuch der Korrektur

Der Versuch einer Korrektur durch eine Forschergruppe der Linzer Universität ergab für das oberste Prozent einen Anteil an den Gesamtvermögen von 37 Prozent. Für die untersten 50 Prozent, etwa 1,9 Millionen Haushalte, bleiben nur 2,2 Prozent der Gesamtvermögen. Der Gini-Koeffizient der Vermögenskonzentration, der vor dem Ersten Weltkrieg in Österreich zwischen 0,8 bis 0,9 lag, dann lange Zeit sehr viel niedriger war, hätte wieder 0,8 erreicht.

Diese Ergebnisse sind im internationalen Vergleich nicht unplausibel, auch wenn viele methodische Fragen der Studie bezüglich der Fehlergrenzen und der Datenbearbeitung mittels Zufallsgenerator offen bleiben, vor allem aber hinsichtlich der politischen Intention dieser von der Arbeiterkammer beauftragten Studie. Die Autoren der Studie hätten zweifellos besser daran getan, auf diese Beauftragung zu verzichten. Aber es scheint immer mehr zum Prinzip mancher Wissenschaftszweige zu werden, nur mehr im Auftrag zu forschen. Die Politik fördert oder erzwingt sogar diesen Trend. Der beste Forscher ist jener, der, von wem auch immer, die meisten „Drittmittel“ einwirbt. Dass darunter die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft leidet, nimmt man von Seiten der Politik in Kauf oder will es sogar.

O.Univ.-Prof. Dr. Roman Sandgruber ist Vorstand des Instituts für Sozial -und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Linz

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