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Oberösterreich

Der schwierige Rückbau der Asylheime

LINZ, GOSAU. Die Zahl der Unterkünfte ist stark rückläufig. Viele Betreuer haben bereits keinen Job mehr.

Buch: Asylthema wird missbraucht

(Symbolbild) Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

"Leid ist uns nicht drum, dass es das Quartier bei uns nicht mehr gibt", sagt Friedrich Posch (SP), Bürgermeister von Gosau. Zum Höhepunkt der großen Fluchtbewegung nach Europa wurde im September 2015 in der Salzkammergut-Gemeinde ein Quartier für 25 Asylwerber eingerichtet. "Damals ging es uns um Solidarität. Es hat doch jeder gemerkt, dass das eine Ausnahmesituation ist", sagt Posch.

 

"Viele hitzige Diskussionen"

Peter Nollet, Leiter der Grundversorgung in Oberösterreich, erinnert sich noch, wie schwierig es war, im Sommer 2015 neue Quartiere für die zigtausenden Flüchtlinge zu finden: "In vielen Gemeinden war das mit sehr hitzigen Diskussionen verbunden." Viele Menschen hätten sich damals um die Sicherheit gesorgt: "Sie haben geglaubt, da kommen jetzt 20 Verbrecher in ihren Ort." In praktisch allen Fällen hätten sich diese Bedenken aber rasch zerstreut. Drei Jahre nach dem Höhepunkt der Fluchtbewegung gibt es wieder mit vielen Gemeinden hitzige Diskussionen. "Die Leute sagen: ‘Jetzt haben wir uns gerade an unsere Asylwerber gewöhnt und jetzt wollt ihr sie wieder wegnehmen", berichtet Nollet.

Immer mehr Quartiere werden geschlossen, seit Jahresbeginn 2017 ist ihre Zahl von 506 auf 360 (Stand 15. Mai) gesunken. Welche Unterkünfte werden zuerst geschlossen? "Prinzipiell hat jedes Quartier einen wirtschaftlichen Punkt, ab dem es sich für den Betreiber nicht mehr lohnt. Wir versuchen derzeit vorrangig Quartiere zu schließen, bei denen wir mit der Qualität der Immobilien oder der Führung des Hauses nicht voll zufrieden sind."

Für die Hilfsorganisationen, die in ganz Oberösterreich Quartiere betreiben, ist dieser Rückbau mit Einschnitten verbunden. Die Diakonie unterhielt im Jahr 2016 noch 28 Quartiere in Oberösterreich, heute sind es 18 in sieben Bezirken. Die Zahl der Mitarbeiter in der Betreuung sank im selben Zeitraum von 50 auf 35 Mitarbeiter. Der Abbau der Mitarbeiter sei ohne grobe Konflikte vonstatten gegangen, sagt Diakoniewerk-Geschäftsführer Johann Stroblmair: "Wir haben jedem Mitarbeiter, von dem wir uns trennen mussten, angeboten, in einem anderen Bereich im Diakoniewerk zu arbeiten. Aber das sind alles Spezialisten für die Flüchtlingsarbeit, deshalb sind sie großteils zu anderen Organisationen gewechselt." Ähnlich ist die Situation bei der Caritas. Im August 2016 wurden 5338 Asylwerber in Oberösterreich durch die Caritas betreut. Mit 1. Mai 2018 waren es noch 3550.

Die Zahl der Betreuer sank von 195 auf nunmehr 111 Mitarbeiter. "Kündigungen wurden fast keine ausgesprochen. Entweder es wurde eine neue Aufgabe innerhalb der Caritas gefunden oder wir konnten uns einvernehmlich einigen", sagt Lisa Steinkogler, Abteilungsleiterin der Flüchtlingshilfe. Etwa 250 Betreuungsplätze sind bei der Caritas derzeit nicht belegt. "Das würden wir gerne reduzieren. Durch die freien Plätze fallen bei uns Kosten an, die uns keiner ersetzt.

Die Volkshilfe, der größte Betreuer in Oberösterreich, ließ Anfragen nach genauen Zahlen unbeantwortet. Manche Quartiere können derzeit aufgrund von Verträgen nicht geschlossen werden. Wenn ein Betreiber extra für die Asyl-Betreuung ein Containerdorf errichtet hat, garantiert ihm das Land, dass es zumindest fünf Jahre lang bestehen bleiben wird.

10 bis 20 Prozent Reserve

Oberösterreichweit sind etwa 1000 Plätze nicht belegt. Sie dienen als Reserve, sollte der Zustrom an Flüchtlingen wieder zunehmen. "Wir wollen vorbereitet sein. Das Innenministerium wünscht sich, dass 10 bis 20 Prozent der Kapazitäten als Reserve bestehen bleiben", sagt Nollet. Prognosen, ob in Zukunft wieder mehr Flüchtlinge kommen, seien schwierig. Aber: "Wenn ich mir die internationale Lage ansehe, glaube ich nicht, dass wir die Grundversorgung massiv zurückfahren sollten." (hip/rela)

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Artikel 26. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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