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Oberösterreich

Das geheime Nervenzentrum der Republik

Von Eike-Clemens Kullmann   22. April 2017 00:04 Uhr

Brigadier Reinhard Ruckenstuhl beim Eingang in eines der geheimsten Gebäude der Republik

Die OÖNachrichten konnten einen Blick in den sogenannten "Regierungsbunker" in der Wiener Stiftskaserne werfen

Wien. Die Welt um uns wird stetig unruhiger. Kriegerische Auseinandersetzungen fast vor unserer Haustüre, aber vor allem terroristische Anschläge sind fast schon an der Tagesordnung. Aber, was macht die Staatsspitze, wenn der Ernstfall eintritt? Für den Fall gibt es den „Regierungsbunker“, einen Ex-Flak-Turm im Innenhof der Stiftskaserne in Wien-Neubau, wo sich für den Fall der Fälle Österreichs Nervenzentrum befindet. Es ist die erste Anlaufstelle bei jeder Form von Infrastrukturverlust.

Von außen weist wenig auf die Bedeutung des Gebäudes hin. Neben dem Türschild steht schlicht „Objekt 6“. Darunter prangt ein Fotografier-Verbotsschild. Und neben dem Panzertürgriff ist „Lagezentrum BMLVS (Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport) und „Sicherheitsstufe A“ zu lesen. Hinter der in eine 8,80 Meter dicke Stahlbetonwand eingebauten Tür wird klar: Das ist der Haupteingang zu einem der geheimsten Räume der Republik.

„Objekt 6“ unterliegt Bergrecht

„Willkommen im Bergwerk“, begrüßen Brigadier Reinhard Ruckenstuhl, Leiter des militärstrategischen Lagezentrums, und Hauptmann Roland Götzendorfer, Betriebsleiter im „Objekt 6“, die Besucher. Die sich fragen: Bergwerk, warum? Schließlich führt der von September 1943 bis Juli 1944 errichtete Koloss nicht in die Tiefe. Objekt 6, wie die Führungseinrichtung heißt, unterliegt dem Bergrecht, obwohl es acht Stockwerke und 45 Meter in die Höhe geht. Das heißt, es müssen laut Bergrecht entsprechende Fluchtmaßnahmen getroffen werden, unter anderem sind überall „Selbstretter“ greifbar.

Mindestens 2,5 Meter Stahlbeton

Dass es eine direkte Verbindung zur U-Bahn gibt, ist jedoch eine Mär, sagt Ruckenstuhl. „Die U3-Linie führt um den Flakturm herum“, sagt er. Der Grund ist einleuchtend: Je nach Berechnung hat das Monument 100.000 bis 150.000 Tonnen. Ein Anbohren der Stahlbetonmauern erweist sich schon bei kleineren Aktivitäten als Herkulesaufgabe. Schließlich sind die Außenmauern mindestens 2,50 Meter dick.

Einen Arbeitsplatz finden hier bis zu 400 Personen, ständig beschäftigt sind rund 40 Personen. Für Rechenzentrum, Kommandozentrale, technische Einrichtungen gilt ein 24/7-Betrieb, also eine Besetzung rund um die Uhr. Der Bunker ist zudem autark. „Wir sind tagelang strom-, wasser-, luft- und nahrungsmittelunabhängig, zudem auch gegen Gasangriffe standfest“, sagt Ruckenstuhl.

Den Betriebsaufwand für den Bunker umschreibt Götzendorfer so: „Im Rest der Kaserne gibt es 1000 Arbeitsplätze. Wir brauchen etwa doppelt so viel Strom.“

Was im Kasernengelände normal ist, ist im Bunker übrigens Fehlanzeige: der Handybetrieb. Internet- und Festnetzverbindungen sind in dieser Kommandozentrale der Republik dagegen normal. Normal ist auch, dass alle drei Stunden sämtliche Datensätze vom Sitz des Verteidigungsressorts in der Rossau hierher überspielt werden.

Kein Luxus für die Regierung

Im Krisenfall wartet selbst für Bundespräsident (Oberbefehlshaber des Heeres) und Regierung kein Luxus: Die Betten im Bunker befinden sich in kleinen schmucklosen Zimmern (Bett und Kasten). Zur Dusche geht es über den Korridor. Nur auf den Bevölkerungskontakt müsste man nicht verzichten. Im zweiten Stock ist ein Mini-ORF-Studio untergebracht. Hoffentlich müssen Informationen niemals von hier aus gesendet werden.

 

 

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