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Oberösterreich

„Das Ding wird sich drehen“

Von Von Helmut Atteneder   16. September 2009 00:04 Uhr

„Das Ding wird sich drehen“
Rudolf Kolbe und sein Linzer Auge: Optimistisch, trotz aller Verunglimpfungen um das havarierte Linz09-Geschenk.

LINZ. Sie nennen es Nudelauge und Fad’s Aug, dabei heißt es Linzer Auge. Weil es sich nicht wie versprochen drehen kann, ist die einst als neues Linzer Wahrzeichen angepriesene schwimmende Plattform in der Donau zum Gespött der Leute geworden. Und somit auch Rudolf Kolbe.

Wer Rudolf Kolbe fragt, wie er sich momentan fühlt, der bekommt eine Standardantwort. Er fühle sich wie einer, der heiratet und ein Hochzeitsmenü bestellt hat – und dem der Caterer nur die Nachspeise geliefert hat: „Deswegen sagt man doch die Hochzeit nicht ab.“ Rudolf Kolbe ist ein verständnisvoller Mensch. Er versteht es, dass der Volksmund aus der schwimmenden Plattform gegenüber dem Ars Electronica Center ein Nudelauge gemacht hat.

Dabei hatte alles so schön begonnen. Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, deren Präsident Kolbe ist, hatte im Jahr 2007 beschlossen, Linz09 ein besonderes Geschenk zu machen. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt, schließlich gewann die Idee einer kreisrunden Plattform, die in der Donau schwimmt und sich dank der Kraft des Flusses im Kreis dreht.

350.000 Euro kostete das Projekt, 150.000 Euro brachte die Innung auf, für den Rest fanden sich mit der Raiffeisenlandesbank, Energie AG und Linz09 Sponsoren. Die voestalpine verschenkte Baumaterial in Form von Stahl.

Ecken und Kanten ums Runde

Um Geld zu sparen sollte das runde Ding in einer Werft in der Slowakei gefertigt werden. Und dort bekam das grüne Rund Ecken und Kanten, die niemand brauchte. Zunächst verzögerte sich die Lieferung. Das nahm die Innung in Kauf, weil das Linzer Auge Linz09 ohnehin um Jahre überdauern sollte. Als das 60 Tonnen schwere Ding endlich angeschwommen kam, wurden die wahren Probleme sichtbar: Die Werft hatte schlampig gearbeitet. Konkret waren es die Kugellager die zu klein dimensioniert waren. Eine Umrüstung auf größere Lager scheiterte.

Das Auge muss erneut weg

Quo vadis, Nudelauge? „Ich traue der Werft nicht mehr, deshalb wird eine Linzer Firma den Schaden beheben“, sagt Rudolf Kolbe. Die erneute Schmach, nämlich, dass das Auge dafür wieder abgebaut und im Linzer Hafen drehfähig gemacht werden soll, nimmt der Schwertberger in Kauf. Die Situation sei nicht einfach, da müsse man schon Masochist sein. Er lebe nun eben mit seinem dritten Auge, das im Moment sein Leben bestimmt. Kolbe: „Ich habe das Problem nicht als Person zu verantworten, halte aber als Präsident der Kammer meinen Kopf hin. Ich falle trotzdem nicht in tiefe Resignation.“

Getroffen haben ihn nicht die Aussagen von Linzern oder Touristen, die hätten ja eh irgendwie recht mit ihren Wortkreationen. Es gäbe aber Äußerungen von Leuten, die heute ganz genau wissen, wie es gegangen wäre, aber nichts dazu beigetragen haben, dass es funktioniert.

Und es gibt Lichtblicke: Leute, die anrufen und sagen, dass sie gerade auf dem Auge stünden und es ihnen auch ohne Dreheffekt gefalle. Veranstalter buchen die Plattform als außergewöhnliche Location.

Die slowakische Werft wird sich übrigens um rechtsfreundliche Vertretung umsehen müssen, um zu Ihrem Geld – der Rechnungsbetrag lautet auf rund 110.000 Euro – zu kommen. Außer einer bereits geleisteten Anzahlung hat die Werft noch kein Geld gesehen. Die Zusatzkosten für die Mobilisierung werde man einbehalten. Irgendwann in den nächsten Wochen will Rudolf Kolbe sein „Hochzeitsmahl“ nachholen, denn: „Ich bin sicher: Das Ding wird sich drehen.“

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