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Oberösterreich

Botschafterin der rot-weiß-roten Flotte

Ihre Leidenschaft für Reisen führte Andrea Pernkopf aus Hinterstoder in den Lufthansa-Konzern. Als AUA-Marketingchefin ist sie zurück in der Heimat und will nun neue Leidenschaft für die Airline wecken.

Botschafterin der rot-weiß-roten Flotte

Andrea Pernkopf ist für den Markenauftritt der Austrian Airlines verantwortlich Bild: OÖN

Ein verloren gegangener Koffer ist für die meisten Reisenden ärgerlich. Für Andrea Pernkopf, seit April Vice President für Produktmanagement und Marketing bei Austrian Airlines, war es der Grundstein ihrer Karriere in der Luftfahrtbranche.

"In der Studienzeit, beim Rückflug von einem Marokko-Urlaub, ist mein Koffer in Wien nicht angekommen", erzählt die 48-Jährige. Weil ihr die von der Royal Air Maroc angebotene Kompensation zu gering erschien, marschierte die Wirtschaftsstudentin (WU Wien) ins Airline-Büro: "Dort hat mich ein General Director sehr freundlich empfangen." Dass dieser auch Marketingprofessor in Casablanca war und die reiseaffine junge Frau ein Diplomarbeitsthema suchte, war wohl Schicksal: "Er hat mir bei einer Tasse Tee vom Fleck weg vorgeschlagen, über die Liberalisierung des europäischen Luftfahrtsystems zu schreiben und mir dafür ein Praktikum in Paris zu vermitteln." Gesagt, getan – die Diplomarbeit schrieb Pernkopf auf Französisch.

Dass der Koffer nicht mehr aufgetaucht ist, hat sie verschmerzt. "Denn so hat mich der Airline-Virus gepackt", sagt die großgewachsene Managerin, die in Hinterstoder aufgewachsen ist, lachend.

Sie lacht auch herzlich und mit leuchtenden Augen, wenn sie über ihren Job spricht. Begeisterung will sie nun für die rot-weiß-rote Flotte wecken: "Ich will die Österreicher zu echten Fans der AUA machen." Pernkopf hat ein Team von 50 Mitarbeitern und ist eine von sechs Vice Presidents, die Verkaufsvorstand Andreas Otto unterstellt sind. Ihn und CEO Kay Kratky kennt sie vom Mutterkonzern Lufthansa.

Frankfurter Jahre

Nach 24 Jahren dort ist der AUA-Job eine Heimkehr, "wie ein Sechser im Lotto, denn ich bin Österreicherin aus Leidenschaft". Hörbar ist das kaum noch: Pernkopf spricht akzentfrei Hochdeutsch, nur wenige Ausdrücke wie "nee, Quatsch" lassen die Frankfurter Zeit erkennen. Oberösterreichisch hat sie aber nicht verlernt, sagt sie und erzählt von Besuchen "dahoam": "Da fragt mich meine Mutter, wieso ich so komisch rede, wenn ich dienstlich telefoniere."

Zum Gespräch mit den OÖN hat Pernkopf in die Business Class einer eben aus Toronto gelandeten Boeing im AUA-Hangar am Flughafen geladen. Rund um die bequemen Sitze in der ersten Reihe – fußfrei, versteht sich – wird noch aufgeräumt. Die Bildschirme sind schon poliert, die Polster doppelt so dick wie in der Economy Class.

Für die Luxuskabine hat Pernkopf noch ein Verkaufsargument: Das Catering mit eigenem Koch wurde heuer mit einem Skytrax Award ausgezeichnet, "dem Oscar der Flugbranche", sagt sie.

Für die AUA gilt es nach dem harten Sanierungskurs, den die Lufthansa verordnet hatte, nicht nur durch Businesskunden wieder ordentlich Gewinne zu machen. Pernkopf will "dazu beitragen, dass die AUA profitabler wird und beliebter, etwa durch individuellere Angebote" – auch in der Holzklasse.

Seit Monatsbeginn wird das mit dem neuen Markenauftritt "myAustrian" transportiert. Internet an Bord ist in der Testphase, die neuen Crew-Uniformen ebenfalls noch: Auch wenn die roten Strumpfhosen als Markenzeichen bleiben, muss die Dienstkleidung den Funktionalitätstest bestehen.

Spätstarterin

Reisen ist heute Hobby und Beruf, obwohl Pernkopf Spätstarterin war: "Mein erster Flug ging nach Athen zur Maturareise, aber ich habe seither Kilometer aufgeholt." Die Maturantin (Gymnasium Kirchdorf) zog es nach einer unbeschwerten Kindheit im Dorf ("Die Gondel auf die Skipiste war vor der Haustür") hinaus. Nach Wien, Unikursen im kalifornischen Berkeley und Traineeship bei Lufthansa in New York bewarb sie sich 1991 in der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt. Der Beginn einer Karriere mit vielen Stationen: "Ich habe das Airline-Geschäft von der Pike auf gelernt. Vom Netzmanagement über strategische Projekte für den Vorstand bis zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle."

Ab 2011 war Pernkopf Leiterin der Produktentwicklung Privatreise. Eine gläserne Decke hat sie beim Aufstieg nicht erlebt, wohl aber die Herausforderung von Karriere und Familie: "Wenn ich sagen würde, es war einfach, würde ich lügen."

Ihren Mann Thomas, einen Niederösterreicher, lernte sie bei Lufthansa kennen. 1997 traute sich das Paar in Steyr, "auf halbem Weg zwischen Sankt Pölten und Hinterstoder", im selben Jahr kam der Sohn zur Welt, 1998 die Tochter.

Pernkopf pausierte jeweils nur kurz, dann teilten sie und ihr Mann sich die Kinderbetreuung mit Tagesmutter-Hilfe auf. "Das war für mich normal, meine Eltern hatten einen Autohandel und meine Mutter hat auch immer mitgearbeitet", sagt Pernkopf, deren Schwester bei der Caritas Linz arbeitet.

Bei den Enkeln mussten die Großeltern dann gelegentlich einspringen: "Meinen Papa haben sie am Flughafen Linz einmal beim Einchecken begrüßt mit: ,Ah, Sie sind der Opa, der zum Babysitten fliegt.'"

Der Sohn studiert nun in Mannheim, die Tochter schließt die Schule ab – in Mainz, wo die Familie ihr Haus behalten hat. Auf Dauer eingerichtet hat es sich Pernkopf auch in Wien, im dritten Bezirk. Der City Airport Train, mit dem sie ins Büro am Flughafen pendelt, ist ums Eck.

Am Wochenende pendelt die Familie per Flugzeug: "Ich bin in einer Stunde in Frankfurt, schneller als mit dem Auto in Hinterstoder", sagt Pernkopf, die in Wien noch Studienfreunde hat und es genießt, zurück zu sein: "Kurz nach der Rückkehr war ich beim Philharmoniker-Konzert in Schönbrunn, so schön, da geht dir echt das Herz auf."

Wo fühlt sie sich zuhause, Frankfurt, Wien oder Hinterstoder? "Egal, wo ich hinfahre, ich sag’ immer, ich fahre heim." Wobei Hinterstoder "ein Anker ist", auch schon für Mann und Kinder: "Wir haben vor Weihnachten oft überlegt, Fernreise oder feiern wir zuhause – die Kinder sind immer für Hinterstoder."

Bereits erschienene Porträts finden Sie auf nachrichten.at

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