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Oberösterreich

„Beim Schreiben des Binnen-I brech' ich mir immer beide Hände“

LINZ. Die Linzer Universitätsprofessorin Irene Dyk-Ploss (61) gilt als eine der bedeutendsten Vorkämpferinnen für Frauenrechte. Warum sie den Weltfrauentag am Sonntag mit „Wehmut“ begehen wird, sagt sie im OÖN-Interview.

„Beim Schreiben des Binnen-I brech’ ich mir immer beide Hände“

Die Linzer Sozialwissenschafterin Irene Dyk-Ploss Bild:

OÖN: Welche Bedeutung hat der Internationale Frauentag am 8. März für Sie?

Dyk-Ploss: Er hat noch immer eine große Bedeutung, leider. Sehen Sie sich die Eckdaten über die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen an. Sogar bereinigt um Teilzeitarbeit und Kinderbetreuung verdienen Frauen rund ein Drittel weniger. Im Nationalrat ist der Frauen-Anteil unter 30 Prozent gerutscht.

OÖN: Wie werden Sie den Weltfrauentag begehen?

Dyk-Ploss: Ich werde zuhause sitzen und die Lehrveranstaltungen für mein letztes Sommersemester an der Kepler-Uni vorbereiten, weil ich danach in Pension gehe. Das werde ich mit Wehmut tun, weil ich alleine durch meine Emeritierung den Frauenanteil bei den ordentlichen Universitätsprofessoren um mehrere Prozentpunkte senken werde.

OÖN: Haben es junge Akademikerinnen in Sachen Hochschulkarriere heute leichter als Vertreterinnen Ihrer Generation?

Dyk-Ploss: Ja, weil sie keine Exoten mehr sind. Aber erst wenn die jungen Frauen Kinder bekommen, spüren sie wieder die berühmte gläserne Decke, weil sie wegen der Kinder und des Haushaltes die Karriere zurückstecken müssen. Weil der Partner zu wenig tut.

OÖN: Wie reagieren heute junge Frauen und Mädchen auf das Thema Feminismus?

Dyk-Ploss: Das ist ein seltsamer Prozess. Bis weit in die Pubertät hinein erleben Mädchen heute kaum noch Einschränkungen. Die Mädchen dürfen, was die Buben dürfen. Die Mädchen verstehen ihre kämpferischen Mütter und Großmütter nicht. Ich kenne keine 21-Jährige, die sagt: Ich bin eine Emanze. Aber wenn sie dann einmal 29 sind und mit der Kinderbetreuung alleine dastehen: dann merken sie, dass sie doch nicht alles so machen können wie der gleichaltrige Mann.

OÖN: Ist der Feminismus tot?

Dyk-Ploss: Nein. Er lebt, wird aber von jungen Frauen nicht mehr getragen. Erst im Alter von 25 bis 35 wird er von ihnen wiederentdeckt.

OÖN: Allgemein sichtbar ist der Feminismus bei der sogenannten geschlechtsneutralen Schreibweise...

Dyk-Ploss: Die ist ein Blödsinn. Ich brech' mir immer beide Hände, wenn ich das Binnen-I schreiben muss. Das ist weniger als ein Symbol. Das ist wie früher, als der Galan der Dame in den Mantel geholfen hat. Ich komme aber noch immer selbst in meinen Mantel.

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Artikel Von Robert Stammler 07. März 2009 - 00:04 Uhr
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