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Oberösterreich

Balancieren, über Wurzeln springen, Gehirn trainieren

Von Barbara Rohrhofer   17. September 2014 00:04 Uhr

waldkindergarten wilhering
Frühmorgens werden im Waldkindergarten Körner gemahlen.  

WILHERING. Der erste Waldkindergarten Oberösterreichs wird zehn Jahre alt - der Ansturm ist groß wie nie.

Mitten im Wald – zwischen Leonding und Wilhering – herrscht bereits um acht Uhr morgens reges Treiben. Eltern bringen ihre Kinder zu einer Lichtung, auf der ein Tipi, ein beheizbarer Bauwagen und ein Holzhäuschen aufgebaut sind. Die Mädchen und Buben in kunterbunten Gatschhosen lachen, begrüßen sich und beginnen zu spielen. Die einen mahlen Körner, die anderen graben einen Tunnel und die beiden Lillys sind gerade dabei, Äpfel, Kastanien, Karotten und Kürbisse abzuwiegen.

120 Kinder haben in den vergangenen zehn Jahren hier den Waldkindergarten besucht, der bei seiner Gründung der einzige in Oberösterreich war. Das Prinzip ist einfach: Die Kinder, die in zwei Gruppen aufgeteilt sind, spielen fast ausschließlich an der frischen Luft. Wind und Wetter sind egal. "Auch die Wintermonate sind kein Problem. Im Gegenteil: Unsere Kinder sind weniger oft krank und haben bessere motorische Fähigkeiten ", sagen Judith und Gregor Bayer, Gründer des Waldkindergartens. Die beiden Kindergartenpädagogen und Sozialwissenschafter wollten nach ihrer Ausbildung, "die pädagogische Vielfalt bereichern". Als Vorbild dienten Projekte im Norden Europas, wo Kindergärten unter freiem Himmel längst Standard sind. Sogar Schwedens kleine Prinzessin Estelle begann dieser Tage mit dem Besuch einer derartigen Einrichtung.

Die Form des Waldkindergartens wurde bald nach dessen Gründung 2004 im oberösterreichischen Kindergartengesetz verankert. "Mittlerweile ist der Ansturm so groß, dass wir bei weitem nicht alle Kinder aufnehmen können", sagt das Ehepaar, das den Kindergarten ehrenamtlich managt. Drei Kindergartenpädagoginnen und ein -pädagoge betreuen die 32 Kinder vormittags.

Wer einmal hier war, weiß, warum jene, die die Kindergartenzeit längst hinter sich haben, gerne auf Besuch kommen. Es ist ruhig, obwohl viele Kinder spielen, schaukeln oder miteinander diskutieren. "Bei uns wird weniger gestritten als in anderen Kinderbetreuungseinrichtungen, weil die Natur viel Stress wegnimmt und Aggressionen anders abgebaut werden können als in geschlossenen Räumen", sagt Judith Bayer. In den vergangenen zehn Jahren hat sich kein einziges Kind ernsthaft verletzt. "Es ist förderlich, den Kindern ein gesundes Maß an Wagnissen zuzutrauen." Wissenschaftlich sei zig-Mal bewiesen, dass das Toben und Spielen im Freien auch die Entwicklung des kindlichen Gehirns fördert. "Wir sind erdige Menschen und Pädagogen und keine Alternativen oder Sozialromantiker," sagt das Ehepaar Bayer und begrüßt wieder einmal ein neues Elternpaar im spielzeugfreien Wald, in dem bald auch der Nachwuchs der Waldkindergarten-Gründer spielen wird: Söhnchen Valentin ist drei.

 

Spielefest

Das zehnjährige Jubiläum des Waldkindergartens, kurz WAKI genannt, wird am Samstag, 20. September, groß gefeiert. Ab 14 Uhr gibt es im Kindergarten im Wald (Atriumweg 27, 4073 Wilhering) ein Spielefest mit Kletterparcours, Mal-Atelier, Spielestationen und vielen kulinarischen Köstlichkeiten, die nicht nur Kindern munden.

Weitere Infos finden Sie unter www.naturpaedagogik.net

 

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