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Oberösterreich

Asiatischer Marienkäfer wird in Oberösterreich zur Plage

Von Alfons Krieglsteiner   21. Oktober 2011 00:04 Uhr

Asiatischer Marienkäfer wird in Oberösterreich zur Plage
"Vor sechs Jahren ist er bei uns erstmals aufgetaucht." Fritz Gusenleitner

LINZ. In aller Stille hat sich heuer eine Invasion ereignet: Der Asiatische Marienkäfer hat Oberösterreich erobert. Bei Schönwetter zeigte er in den vergangenen Tagen erstaunliche Präsenz. Im Linzer Biologiezentrum stand das Telefon nicht mehr still.

„Noch nie habe ich aus ganz Oberösterreich so viele Anrufe erhalten“, sagt Insektenkundler Fritz Gusenleitner. Ob Braunau, Kleinreifling, Sarleinsbach, Linz – immer war es das Gleiche: „Die Leute berichten, dass ganze Hausfronten voll mit den Marienkäfern sind.“ Auf der Suche nach geeigneten Winterquartieren dringen sie auch in die Wohnräume ein und verunsichern die Bewohner.

Die Tiere seien ungefährlich, versichert Gusenleitner: „Greift man sie aber an oder zerdrückt man sie, scheiden sie aus den Beingelenken eine bittere Körperflüssigkeit ab, die penetrant riecht und Flecken verursacht.“

Abhalten lassen sie sich durch Verschließen der Fenster, Anbringen von Insektengittern oder durch dichte Vorhänge. Schaffen sie es einmal ins Haus, bedeutet das ihr Todesurteil: In den beheizten Räumen verfallen sie nicht in Winterstarre. Sie bleiben aktiv, finden aber keine Nahrung und müssen verhungern.

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) ist mit unserem heimischen Glücksbringer, dem Siebenpunkt, nur entfernt verwandt. Importiert wurde er in den 1990er-Jahren zur Blattlausbekämpfung in Gewächshäusern. In Belgien gelang ihm die Flucht, seither trat er seinen Siegeszug durch Europa an.

Und das zum Nachteil der heimischen Marienkäferarten, deren Larven auf dem Speiseplan der Asiaten stehen. In allen Entwicklungsstadien bis zum erwachsenen Käfer übertrifft der „Asiate“ außerdem unsere Arten an Größe, auch sein Appetit auf Blattläuse ist größer: Bis zu 270 vertilgt er pro Tag.

Ein Traubenräuber

Im Herbst gehen ihm die Blattläuse aus, dann macht er sich truppweise auch über Äpfel und Weintrauben her. Wird er bei der Lese mitverarbeitet, schmeckt der Wein ranzig. Hausbesitzer berichten sogar, dass sie von Käfern, denen sie arglos Asyl gewährten, gebissen wurden.

Laut Gusenleitner ist die unkalkulierbare Faunenverschiebung durch den asiatischen Eindringling voll im Gang: Heimische Marienkäfer seien heuer selten wie nie, „uns wurde in den vergangenen Tagen keine einzige Sichtung gemeldet.“ Selbst die Überwinterungsplätze unter Rinde und Moospolstern sind weitgehend vom „Asiaten“ besetzt. Kenntlich ist der Neue am Halsschild mit hohem Weißanteil und an seiner erstaunlichen Formenvielfalt.

 

Heimat in Asien

Die Heimat des Asiatischen Marienkäfers liegt in China und Japan. Er ist sechs bis acht Millimeter groß. Im Unterschied zum heimischen Marienkäfer, mit dem er sich nicht verpaart, gibt es mehrere Generationen pro Jahr. Außer Baumwanzen hat er bei uns keine Fressfeinde.
 

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