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Oberösterreich

Alles, was glänzt, ist Gold

Franz Schwarzmaier ist ein „Waschbär“ – so ne nnt sich der Verein der Goldwäscher. Bei den Staatsmeisterschaften in dieser Disziplin wurde der Innviertler vergang ene Woche als bester Oberösterreicher gereiht.

Alles, was glänzt, ist Gold

In der Waldzeller Ache findet Goldwäscher Franz Schwarzmaier nicht so große Nuggets wie hier am Bild - dieses Fundstück stammt aus der Schweiz. Trotzdem fischt er nach Gold in heimischen Gewässern. Bild: Manfred Fesl

Die Tage sind geprägt von Rückenschmerzen auslösenden Verrenkungen im zwölf Grad kalten Wasser: Dort steht Franz Schwarzmaier mit Vorliebe wadentief in einer Biegung der Waldzeller Ache. Mit einem großen Teller schwemmt, siebt und filtert er Sand. Trennt Kies von Schlamm, Sand von Gold. „Eigentlich ist in jedem Bacherl ein bisserl Gold drinnen“, sagt der Flugzeugbauer, der immer noch vom großen Fund träumt und dafür sogar rund um den Globus reist.

In heimischen Gewässern fischt er an einem Tag etwa ein Gramm des blitzenden Edelmetalls aus dem Wasser, „Stundenlohn ist das kein guter – mir gehts eher darum, in der Natur zu sein.“ Das größte Nugget, das er bisher fand, wog 1,4 Gramm – „das war in der Schweiz.“ Seine Augen werden dabei so groß wie die eines Kindes vor dem ersten Biss in eine überdimensionale Portion Zuckerwatte. Was den 49-Jährigen aber an der Geschichte ärgert: „Zwei Jahre später hat an derselben Stelle ein Kollege einen ein Kilo schweren Goldklumpen gefunden – das war der wohl größte Fund der letzten Jahre in der Region.“

Auch in Australien und Kanada schwang Schwarzmaier schon seinen Teller. „Heuer fliege ich noch nach Südafrika zur Goldwasch-Weltmeisterschaft.“ Etwa 200 Schatzsucher werden hier an den Start gehen. „Man kennt sich untereinander. Und auch das Rahmenprogramm, die Partys, sind fein.“

20 Kilogramm in einer Minute

Bei Schwarzmaier sitzt jeder Griff. Zackig geht das Schwemmen – 20 Kilogramm Sand wäscht er in gerade einmal einer Minute. Übrig bleiben ein paar Flankerl Gold, die er penibel in einem kleinen Reagenzglas zusammenfängt und das er ordentlich zustoppelt. Die Geschwindigkeit, mit der er den Teller rüttelt, ist dabei wettkampftauglich: Erst vergangene Woche trat der Flugzeugbauer aus Mettmach bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Goldwaschen an – als bester Oberösterreicher heimste er den vierten Platz ein. „Die Blecherne – das ist ein bisserl enttäuschend, aber ich war schon zwei Mal österreichischer Meister.“.

Geologe Harald Wimmer vom Land Oberösterreich weiß, wie das Gold in die Flüsse kommt: „Im Endeffekt ist das alles Tauerngold, das vor 135 Millionen Jahren entstanden ist, als sich die Berge erhoben. Es wurde in kristallinen Gesteinen, etwa Quarzen, eingelagert und löst sich nach und nach“, sagt der Experte. Werden die Gesteine mit den Goldablagerungen dann vom Wasser weitertransportiert und dadurch auch zerkleinert, so sinkt das Gold zu Boden. „In Enns, Inn und Salzach könnte man etwa Gold finden, auch in all jenen Bacherln, die dem Hausruck und dem Kobernaußerwald entspringen. Genaue Lokalisationen sind aber wohl kaum in Büchern zu finden, denn Goldwäscher halten ihre Platzerl geheim“, sagt Geologe Wimmer. Er hat auch schon selbst immer wieder den Goldteller geschwungen, „das ist in Österreich zwar eine schöne Beschäftigung. Lukrativ ist das Goldwaschen aber sicherlich nicht.“

Die kleinen Goldflankerl befinden sich aber – so viel ist den Geheimniskrämern zu entlocken – bevorzugt an Krümmungen und Biegungen des Flusses – und zwar am Prallhang, dort, wo das Wasser Sand aufschüttet. Diese Aufschüttungen werden „Seifen“ genannt – daher rührt auch der Name „Seifengold“.

Schon den Kelten sagt man nach, dass sie in Österreich auf Goldsuche gegangen sind und fündig wurden. Zur Hochblüte der Goldsuche in Österreich waren es die Römer, die – bevorzugt in den Hohen Tauern – erfolgreich auf Goldjagd gingen. Und zwar über viele Jahrhunderte hinweg. Münzen mit Metall aus dem Noricum wurden teils mit „Metall Noric“ bezeichnet.

Die Geschichte des Goldes

Im 15. und 16. Jahrhundert nach Christus war dann die Blütezeit des Gold- und Silberabbaus in Österreich. An vielen Flüssen in ganz Österreich (Donau, Inn, Salzach, Enns, Krems, Kamp etc.) wurde mühevoll Gold aus den Flüssen gewaschen bzw. auch aus dem Stein gehauen. Gold und Silber waren knapp, die Arbeitskraft fast kostenlos. Aber das Waschen von Seifengold in den Flüssen wurde immer unrentabler, sodass im 18. und 19. Jahrhundert fast alle Betriebe die Suche beendeten. 1924 wurden in Österreich noch über 40 Kilogramm Gold gefördert. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges fand auch der offizielle Bergbau in den Alpen sein Ende.

Ja, in guten Zeiten bringt es keine Zinsen. In bösen entfaltet es seine Kraft: Euro und Dollar sinken und steigen, wie es ihnen gefällt – aber am Gold gemessen, sinken beide. „Die Wirtschaftskrise lässt mich eigentlich völlig kalt. Ein wenig Gold kann ich mir immer aus dem Wasser waschen. Und Platz für Erdäpfel vor dem Haus habe ich auch“, sagt Goldschwemmer Schwarzmaier. Doch das sei lange nicht der Grund, warum er sich das außergewöhnliche Hobby zugelegt habe: „Auf der ganzen Welt können vielleicht zehn Prozent der Goldwäscher davon leben.“

Wo genau Schwarzmaier in Oberösterreich seinen Teller schwingt, das will der 49-Jährige freilich nicht öffentlich verraten. „In der Salzach gibt es ein paar gute Stellen. Aber das ist wie bei den Schwammerlsuchern: Die verraten ihre Plätze auch nicht“, sagt er mit einem schelmischen Unterton und einem zufrieden wissenden Grinsen im Gesicht. Safe hat der 49-Jährige jedenfalls keinen in seinem Haus, „die Flankerl, die ich habe, verwahre ich in den Violen“, sagt er.

 

10 Oberösterreicher schwemmen regelmäßig Gold. Der Verein „Waschbären“ hat 65 Mitglieder, etwa 100 Menschen in Österreich praktizieren das Hobby des Goldwaschens.

Europas größtes Goldabbaugebiet war im 14. und 15. Jahrhundert der Goldberg von Rauris in den Hohen Tauern. Zehn Prozent der weltweiten Goldproduktion wurden durch bis zu 3000 Knappen abgebaut.

Karat ist die Bezeichnung für den Feingehalt von Gold.

Das größte Goldnugget, das je gefunden wurde, wog rund 72 Kilogramm. John Deason und Richard Oates fanden es 1869 in Australien, rund 200 Kilometer nordwestlich von Melbourne. Die beiden Männer tauften den Klumen auf den Namen „Welcome Stranger“.

Wegen seiner Seltenheit wurde Gold früh zum Zeichen der Macht. Die Ägypter beuteten Vorkommen in Oberägypten und Nubien aus. Soldaten des Römischen Reiches plünderten Fundstätten in Kleinasien, Spanien, Rumänien und Germanien, um die Staatskasse aufzufüllen.

Rund die Hälfte der weltweiten Goldbestände wird zu Schmuck verarbeitet. Die Zentralbanken bunkern fast ein Fünftel der weltweiten Goldreserven. Im August 2011 waren es insgesamt rund 30.700 Tonnen. Jahrzehntelang war Südafrika der wichtigste Goldproduzent. Seit 2007 ist es nun China.

Ein Gerücht und seine Folgen

Erst im 19. Jahrhundert kam es auf verschiedenen Kontinenten vermehrt zur Jagd auf das Gold. Eine wahre Massenbewegung war der legendäre kalifornische Goldrausch 1849. Ihren Ursprung hatte die Massenbewegung in einem einzigen Goldstück: Im Januar 1848 entdeckte James W. Marshall auf einer Ranch das erste Goldnugget. Der Besitzer der Ranch wies seine Arbeiter an, den Fund geheim zu halten. Doch das Gerücht vom schnellen Geld machte bald die Runde: Nach ersten Funden zogen in den nächsten Jahren mehrere Hunderttausend Menschen nach Kalifornien, um Gold zu suchen.

Allein zwischen Jänner 1848 und Dezember 1849 wuchs San Francisco von 1000 auf 25.000 Einwohner. Die Abwanderung in anderen Landesteilen hatte enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine kalifornische Zeitung beispielsweise wurde eingestellt, weil alle Mitarbeiter in die Goldminen abgewandert waren. Außerdem blieben Dutzende Schiffe vor San Francisco liegen, weil sich die Matrosen sofort nach der Ankunft auf den Weg zu den Goldfeldern machten. Die Förderung von Gold hat heute in den entlegenen Teilen der Erde teils schwerwiegende Folgen, denn Gold wird oft bei illegalen Grabungen mithilfe von Quecksilber gewonnen, das dann in Flüsse fließt.

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Artikel Christina Tropper 26. Mai 2012 - 00:04 Uhr
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