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Oberösterreich

Abpraller traf Jäger im Auge: Diskussion über Munition

MÜNZBACH. Ein Schrotkorn dürfte von einem Stein abgeprallt sein und verletzte einen weit entfernt stehenden Jäger. Auch wenn der Jagdunfall glimpflich ausging, löste er in der Jägerschaft eine Diskussion aus.

Abpraller traf Jäger genau im Auge und löst Diskussion über Munition aus

Treibjagden finden noch bis Jahresende in allen Jagdrevieren des Landes statt. Bild: Alois Litzlbauer

Abpraller werden in der Jagdsprache "Geller" genannt – und einer davon führte am Samstagnachmittag zu einem schweren Jagdunfall in Münzbach (Bezirk Perg). Dort schoss bei einer Treibjagd der 24-jährige Jäger Stefan K. auf einen Hasen. Er traf das Tier zwar, doch eines der Schrotkörner dürfte an einem Stein abgeprallt sein und traf seinen weit entfernt stehenden Jagdfreund Franz L. genau im Auge.

Der 54-Jährige wurde von einer Notärztin erstbehandelt und musste mit einem völlig zugeschwollenen Auge ins Krankenhaus eingeliefert werden. Laut Angaben seiner Familie ist sein Augenlicht aber nicht in Gefahr. "Franz ist Gott sei Dank schon wieder auf dem Weg der Besserung", sagte gestern Münzbach Jagdleiter Franz Stadlbauer.

Bleischrot sicherer als Stahlschrot

Doch auch wenn der Jagdunfall glimpflich ausging, löste er in der Jägerschaft eine Diskussion aus. Dabei geht es um die Frage, ob es wirklich klug ist, Bleischrot durch Stahlschrot zu ersetzen. Gefordert wird dies seit Jahren von Umweltschützern mit dem Argument, dass das Blei Tiere und das Grundwasser vergifte. Der Gesetzgeber hat Bleischrot für die Jagd auf Enten deshalb bereits verboten – und der Trend dürfte auch in anderen Jagdbereichen von Blei zu Stahl gehen.

Doch die Stahlkugeln sind härter und prallen deshalb viel weiter ab, was die Gefährlichkeit von Gellern beträchtlich erhöht. Der 24-jährige Münzbachs Jäger dürfte noch mit Blei geschossen haben. "Aber auch Bleikugeln können 40 bis 50 Meter weit abprallen", sagt Pergs Bezirksjägermeister Ulf Krückl. "Wenn tatsächlich generell Stahlschrot vorgeschrieben wird, steigt bei Treibjagden die Gefahr."

Unter den Beteiligten der Treibjagd in Münzbach macht niemand dem Unglücksschützen einen Vorwurf. Das Feld, auf dem der Hase zu flüchten versuchte, war ansteigend. Aus Sicht des Schützen war dadurch eine ungefährliche Schussabgabe möglich. Andere Jäger oder Treiber hätten sich nicht in der direkten Schusslinie befunden, heißt es im Polizeibericht.

Die Behörde ermittelt in dem Fall jetzt dennoch. Das muss sie, weil durch den Unfall der Jagdfreund des Schützen schwer am Auge verletzt wurde. 

Drei Fragen an Ulf Krückl, Bezirksjägermeister von Perg

3 Fragen an...

Aus Sicht des obersten Jägers im Bezirk Perg lassen sich Unfälle bei Treibjagden nie völlig ausschließen.

Angesichts des jüngsten Unfalls: Wie gefährlich sind Treibjagden für die Treiber?

Es besteht kein Grund zu Panik. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass es keine absolute Sicherheit gibt. In diesen Wochen fliegen bei Treibjagden Millionen von Projektilen. Extrem unglückliche Querschläger lassen sich da nicht vollkommen ausschließen.

Wie weit kann eine Schrotkugel fliegen, wenn sie von einem Stein abprallt?

40 bis 50 Meter sind in jedem Fall möglich. Deshalb halte ich es auch für problematisch, dass der Trend aus vermeintlichen Umweltschutzgründen von Blei- zu Stahlschrot geht. Letzteres fliegt nach Abprallern noch viel weiter.

Zieht der Jagdverband Konsequenzen aus solchen Jagdunfällen?

Die Schuldfrage zu klären ist ausschließlich Sache der Polizei. Der Landesjagdverband wird in jedem Fall aber eine eigene Untersuchung durchführen. Uns geht es darum, daraus zu lernen und entsprechende Verhaltensregeln an die Jäger weiterzugeben.

 

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Artikel 27. November 2017 - 00:04 Uhr
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