Lade Inhalte...

Faszination Heimat

Der weite Weg vom Doing-Doing zum Mollner Maultrommler

Von Helmut Atteneder  24. Oktober 2020 00:04 Uhr

Der weite Weg vom Doing-Doing zum Mollner Maultrommler
Maultrommel-Hersteller Franz Wimmer: „Schau und jetzt kommt der schwierigste Teil: Dauni ziagn, in da Mittn brechn, zuwi drahn und nu a paar Mal hin und her.“

Eine Maultrommel hat ein jeder zu Hause. Aber ist selber eine machen und mehr als einen Mono-Ton herauskletzeln schon ein Kulturerbe?

Die haben schon recht gehabt von der Unesco, dass sie das Spielen und Bauen von Maultrommeln zum Kulturerbe ernannt haben. Vielleicht haben sie ja auch beides ausprobiert. Vielleicht waren sie dafür auch beim Wimmer Franz, der in der zwölften Generation Maultrommeln macht. Und vielleicht waren sie mit dem handgemachten Brummeisen beim Rußmann Manfred, weil der spielt die Maultrommel so virtuos wie kaum ein anderer innerhalb rot-weiß-roter Grenzen. Also gut, fahren wir halt nach Molln und biegen uns einen 20 Zentimeter langen, rautenförmigen Eisendraht so hin, dass es nach was klingt.

Der Wimmer Franz ist ein geduldiger Lehrer. Kann gut sein, dass er nicht nur die 33 Handwerksschritte, die es braucht, bis dieses traditionelle Hosensackinstrument fertig ist, im Schlaf beherrscht, sondern auch ein Talent im Unterdrücken von schadenfrohem Lachen ist. "Es wird eine Aufgab’, aber du wirst es schaffen", sagt er und händigt ein Paar Eisenzangen samt Rohling aus.

Der weite Weg vom Doing-Doing zum Mollner Maultrommler
„Die Zähne nur anlegen, ned einibeißn.“

Dauni ziagn und zuwi drahn

Der erste Schritt zum eigenen Instrument: "Du nimmst den Draht mit der stehenden Seit’ nach oben, setzt die Zang’ ungefähr da an und drahst den Draht um 90 Grad." Der Franz hat’s erledigt, der Lehrbua sucht noch die "stehende Seit’". Bis zu 50.000 Maultrommeln bauen der 82-Jährige und seine Tochter Ilse in der kleinen Werkstatt in Molln. Maschinell, versteht sich. "Auch wenn du so zum Totengräber deines Handwerks wirst", weiß Wimmer. Fließbandprodukte kosten ein paar Euro, eine handgefertigte vom Franz gibt’s nicht unter 30 Euro.

  • Video: Faszination Heimat: Maultrommel-Hersteller

Mittlerweile hat sich der Eisendraht zu einem überschaubar attraktiven Etwas gemausert. "Schau, und jetzt kommt der schwierigste Teil: Dauni ziagn, in da Mittn brechn, zuwi drahn und nu a paar Mal hin und her", leitet der Franz an. Und dann: "Gar ned schlecht. Es hat nur a bissl a andere Form bei dir. So hat des nu keiner z’samm bracht." Na wart!

Mittlerweile hat der Franz seinen Ofen angeheizt. Aufglühen nennt man das Erhitzen auf 900 Grad. Da kommt jetzt die Feder hinein, die später der Maultrommel den typischen Klang geben wird. "Wenn die Feder glüht, dann schmeiß sie in 23 Grad kaltes Wasser eini, lass den Ofen noch einmal mit 180 Grad an und wenn die Feder dann hart ist, musst’ es noch zweimal biegen und wenn sie richtig schwingt, klopf sie mit dem mehrere hundert Jahre alten Hammer in den Rahmen." Der Franz redet in einem fort, getragen von der Liebe zu seinem Handwerk.

  • Video: Faszination Heimat: Maultrommel spielen

Nach gut einer Stunde ist die Selfmade-Maultrommel fertig. "Wennst des drei Jahr machst, dann kannst scho anfangen bei mir", sagt der Franz nach einem prüfenden Blick auf das Draht-Unikat. Der Abschied ist herzlich, soweit zwei aufeinanderprallende Ellenbogen so etwas wie Herzlichkeit vermitteln können. "Daung sche, Fraunz." "Passt schau. Und vü Spaß beim Manfred."

Manfred Rußmann wohnt ein paar Häuser vom Franz weiter. Der 51-Jährige hat sein Maultrommel-Spiel über die Jahre perfektioniert. Mit den von ihm und seinem Bruder Robert vor 28 Jahren gegründeten "Mollner Maultrommlern" hat er schon Tausende – darunter im Brucknerhaus oder im Wiener Konzerthaus – in Staunen versetzt.

Bis zu vier Maultrommeln kann er gleichzeitig spielen und dank virtuoser Atem-, Lippen- und Zungentechnik changiert er blitzschnell vom Landlerischen in sphärische Musik, die an das australische Didgeridoo erinnert.

Hakerl-Stellung

Der weite Weg vom Doing-Doing zum Mollner Maultrommler
Manfred Rußmann, Maultrommel-Koryphäe aus Molln

Fein, dass er Zeit hat, denn wer mit viel Eifer und wenig Talent sein eigenes Instrument im Hosensack mitgebracht hat, der will beim Lehrmeister nicht sparen. "Fehler!", sagt Rußmann gleich am Anfang. "Das Hakerl muss nach außen schauen, sonst ist die Verletzungsgefahr groß. Nur die Jakuten halten das Zäpfchen nach innen und zupfen mit der Zunge. Und bitte die Maultrommel nur an die Zähne anlegen, ned einibeißn", sagt der Herr Lehrer.

Nach gut einer Stunde Intensivtraining hört sich das schwingende "Doing-Doing" passabel an. Das Kulturerbe-Experiment ist gelungen. Aber ausbaufähig, findet Russmann: "Unter uns g’sagt, du musst dir a bessere zulegen."

Die Geschichte der Maultrommel

Wie alles begann …

  • Die Legende: Im 16. und 17. Jahrhundert sollte eine Frau namens Barbara am Scheiterhaufen verbrannt werden. Allerdings begnadigte das Gericht damals alle, die etwas erfanden, das es bis dahin noch nicht gab. So bastelte sie ein Gebilde aus Bambus und Hölzchen, dem sie Töne entlocken konnte. Der außergewöhnliche Klang weckte die Milde des Richters, der sie begnadigte. Findige Handwerksburschen griffen diese Idee auf und begannen, die Maultrommel aus Eisen und Stahl zu produzieren.
    (Quelle: maultrommel-schwarz.at)
  • 15. Oktober 1679: An diesem Tag wurde die Maultrommelerzeugung durch den Erlass von Johann Maximilian Reichsgraf von Lamberg in einer Handwerksordnung geregelt. 33 Mollner Familien produzierten in der Blütezeit des Instrumentes Maultrommeln, heute sind es noch zwei: Franz Wimmer und der Familienbetrieb Schwarz.
  • 2012: Das Maultrommel-Spiel wird von der österreichischen Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt, 2014 folgt auch die Erzeugung der Maultrommel.

Faszination Heimat - Maultrommeln in Molln!

Mitmachen & Gewinnen: "Maultrommeln in Molln!"

Vier Personen können am 25. November, 15 Uhr, unter der Anleitung von Franz Wimmer in dessen Mollner Werkstatt ihre eigene Maultrommel basteln. Ab 17 Uhr zeigt Manfred Rußmann im Extrastüberl der Konditorei Illecker in Molln bei einem Workshop, wie die Maultrommel gespielt wird.

Dazu kredenzt Konditormeister Josef Illecker Kaffee, Hammerherrenlebkuchen und Mollner Busserlberg.


Bitte melden Sie sich an, um am Gewinnspiel teilzunehmen.
Benutzername:
Passwort:

Artikel von

Helmut Atteneder

Redakteur Kultur

Helmut Atteneder
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Faszination Heimat

1  Kommentar expand_more 1  Kommentar expand_less