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Oberösterreich

62 Infizierte in St. Wolfgang, drei neue Betriebe betroffen

Von nachrichten.at   27. Juli 2020 21:59 Uhr

Bezirkshauptfrau Carmen Breitwieser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) und Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums

ST. WOLFGANG. Das Cluster in St. Wolfgang ist am Montagabend auf 62 Infizierte gewachsen, auch drei neue Betriebe sind nun betroffen. Weitere Maßnahmen wie Hotelschließungen oder eine Quarantäne für den Ort sind laut Landeshauptmann-Stellvertreterin Haberlander derzeit aber nicht angedacht.

Der Cluster in der Tourismusgemeinde ist am Montagabend auf 62 Infizierte gewachsen. 381 der am Sonntag durchgeführten 419 Tests wurden ausgewertet. In Summe wurden in St. Wolfgang bereits 1183 Tests abgenommen, gab der Krisenstab des Landes bekannt. Zu den 16 betroffenen Betrieben sind am Abend drei weitere hinzugekommen: Die Hotels "Bürglstein" und "Landhaus zu Appesbach" sowie das Gasthaus "Kirchenwirt".

Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) betonte am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz, dass weitere Maßnahmen wie Hotelschließungen oder eine Quarantäne für St. Wolfgang derzeit nicht nötig seien. Sollten die Zahlen weiter steigen, wären etwa Maßnahmen wie die Schließung von Nachtlokalen denkbar. Die Situation müsse aber Tag für Tag neu bewertet werden. Mitarbeiter der Hotline 1450 sollen auf St. Wolfgang sensibilisiert werden.

Oberösterreich war in den vergangenen 24 Stunden wieder bundesweiter Spitzenreiter, was die Neuinfektionen in Österreich betrifft. Hierzulande gab es 30 neue Fälle seit Sonntag, 27 waren es in Wien, 16 in Niederösterreich. 

  • Lesen Sie dazu auch: "Späte Warnung – Warum wurde in St. Wolfgang nicht früher informiert?" Ein Kommentar von OÖN-Regional-Ressortleiter Markus Staudinger

ZIB 1: Über 50 Infektionen in St. Wolfgang  

"Ein Cluster wie jedes andere"

"St. Wolfgang ist ein Cluster wie jedes andere. Wir sind gut darauf vorbereitet und routiniert", sagte Bezirkshauptfrau Carmen Breitwieser. Sie bezeichnete die aktuelle Lage zwar als Herausforderung – auch in personeller Sicht – allerdings habe man die Situation im Griff.

Wenn Infizierte in ihre Heimatbezirke zurückkehren, werden die zuständigen Bezirkshauptmannschaften informiert, erklärte Breitwieser. Ob im Kreis der Kontaktpersonen auch Leute aus dem Ausland dabei seien, blieb unklar. Sie gehe aber davon aus, dass es so sei. Insgesamt sei man zuversichtlich, die Gruppe "einclustern" zu können, beim Contact-Tracing stoße man immer wieder auf Personen, die man bereits erfasst habe. Seit Montag müssen Abreisende zudem ihre Daten verpflichtend hinterlassen.

Die Sperrstunde in St. Wolfgang wurde bereits am Samstag auf 23 Uhr vorverlegt, mehr als 1000 Testungen wurden in den vergangenen Tagen durchgeführt und seit Montag ist für das Gemeindegebiet von St. Wolfgang eine neue Verordnung in Kraft: Urlauber müssen bei der Ausreise ein Formular ausfüllen. 

Verwirrung um Formulare

Verwirrung gab es am Montag um eine Verordnung über "verkehrsbeschränkende Maßnahmen für St. Wolfgang". Demnach müssten Gäste bei ihrer Abreise ein Formular ausfüllen und angeben, woher sie kommen, wohin sie fahren etc. Eine entsprechende Verordnung und das zugehörige Formular wurde am Montag auf der Website des Landes Oberösterreich veröffentlicht. 

Der Bürgermeister der Tourismusgemeinde dementierte. "St. Wolfgang ist ohne Auflagen oder Formalitäten erreichbar! Es stimmt nicht, dass für die Einreise und/oder die Ausreise irgendwelche Formulare auszufüllen sind bzw. die Zu- und Abfahrt in irgendeiner Weise eingeschränkt ist", hieß es in einem am Montag veröffentlichten Posting auf der Facebook-Seite der Gemeinde.  

Dass die Zahl der Infektionen im Bezirk Gmunden, die auf der Website des Landes Oberösterreich ausgewiesen wurden, nur bei 33 (Stand Montagfrüh) liegt, obwohl alleine in St. Wolfgang 53 Personen positiv getestet wurden, erklärt sich damit, dass die Betroffenen ihren Heimatbezirken zugeordnet werden. Woher genau die Infizierten – großteils Praktikanten – genau stammen, war aber nicht bekannt, laut Land Oberösterreich allerdings aus dem Inland.

Video: Infektionszahl in St. Wolfgang erneut leicht gestiegen

1.183 Tests durchgeführt

Wie Haberlander vorrechnete, wurden in St. Wolfgang bisher 1.183 Tests durchgeführt. 764 davon wurden bereits ausgewertet, das Ergebnis von 419 am Sonntag durchgeführte Tests soll im Laufe des Montags vorliegen. Arno Perfaller, der die betroffenen Hoteliers medial unterstützt, zeigte sich optimistisch, dass die Infektionszahlen nicht mehr eklatant steigen werden: Die ersten Testreihen unter den Betrieben haben 44 Positive ergeben, in der letzten zeigte sich nur mehr eine Infektion. "Wir schließen daraus, dass der Cluster eingefangen werden konnte." Insgesamt wurden - vom Tourismusverband organisiert - 628 Tests durchgeführt und ausgewertet. Zu diesen hatten Mitarbeiter ebenso Zugang wie Gäste oder Ortsbewohner. Die restlichen Tests werden von der Behörde - also der BH Gmunden - veranlasst.

Die betroffenen Praktikanten seien großteils von den Erziehungsberechtigten abgeholt worden, schilderte Perfaller. Personalmäßig sei die Situation natürlich herausfordernd, "weniger Schultern tragen mehr Last zur Zeit". Aber nicht nur die Praktikanten, auch einige Gäste sind wohl abhandengekommen: "Es gibt Betriebe, wo die Hälfte der Gäste abgesagt hat, und welche mit 10 bis 15 Prozent", es gebe aber auch neue Nachfragen. Nach dem Urlauberschichtwechsel am Wochenende sei die neue Schicht zwar etwas kleiner, aber: "Es gibt keine leeren Betriebe in St. Wolfgang", betonte er.

Haberlander habe mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aber vereinbart, dass die Mitarbeiter der betroffenen Betriebe in sieben bis acht Tagen erneut durch die AGES getestet werden. Zudem werden erneut alle Gäste ersucht sich zu melden, die Lokale "13er Haus" und "W3", wo infizierte Praktikanten gefeiert hatten, seit dem 15. Juli besucht haben.

Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums und ebenfalls Mitglied im Krisenstab, verwies zudem darauf, dass Oberösterreich derzeit eine Intensivpatientenrate von 0,5 bis 0,6 Prozent habe. Er führt das darauf zurück, dass man viel teste und, dass sich "die Richtigen" angesteckt hätten - junge Leute, die weniger zu schweren Verläufen neigen.

Video: 57 Infektionen in St.Wolfgang-Cluster

"Wir sind nicht der Partyort in den Alpen"

Einen Vergleich mit Ischgl, wie er in der internationalen Presse immer wieder auftaucht, weist man in St. Wolfgang zurück: "Wir haben auf eine sehr flotte und transparente Information gesetzt", so Perfaller, "in Ischgl waren es zehn Tage und bei uns zehn Stunden". Zudem gebe es in St. Wolfgang keine Nachtbetriebe wie in Ischgl oder am Ballermann, "wir sind nicht der Partyort in den Alpen", sagte Perfaller. Die rund 500 Tourismusmitarbeiter wollen die St. Wolfganger Hoteliers nun jede Woche testen lassen. Das sei organisatorisch möglich und zähle zum Screening-Programm des Ministeriums.

Auch in der Pressekonferenz wehrte man sich gegen den Ischgl-Vergleich: Einerseits habe Oberösterreich bereits vorher Maßnahmen gesetzt wie die Maskenpflicht, andererseits habe man rasch mit dem Testen und dem Kontaktpersonen-Management begonnen. Königswieser wies zudem darauf hin, dass St. Wolfgang knapp 3.000 Einwohner und 1.000 Touristen zähle, in Ischgl seien es 25.000 Gäste gewesen - da hätte man "gar keine Chance" gehabt, alle rasch durchzutesten.

Was eine künftige Ampel betrifft, so zeige St. Wolfgang einen "wunden Punkt" auf, sagte Haberlander. Denn der Bezirk Gmunden weist derzeit weniger Infizierte aus als St. Wolfgang, da die Betroffenen ihren Heimatbezirken zugerechnet werden. Hier müsse man sich überlegen, welche Kennzahlen man verwenden wolle, so Haberlander.

Anzahl der Neuinfektionen bundesweit wieder zweistellig

In Gesamtösterreich war die Zahl der neu mit dem Coronavirus infizierten Personen binnen 24 Stunden wieder zweistellig. Am Sonntag gab es in Österreich 86 neue SARS-CoV-2-positive Befunde - der niedrigere Wert könnte aber auch damit zusammenhängen, dass am Wochenende weniger getestet wird.

Damit lag bisher ein positiver Test bei 20.558 Personen vor. Mit Stand von Montag (27. Juli), 9.30 Uhr, waren laut Innenministerium 713 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 18.246 sind wieder genesen.

 

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