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Oberösterreich

65.000 Besucher bei der "Langen Nacht der Kirchen"

LINZ. Allein in Oberösterreich kamen rund 65.000 Menschen zu den fast 500 Veranstaltungen, die am Freitagabend im Rahmen der 10. "Langen Nacht der Kirchen" stattfanden.

Victoria Coeln, Künstlerin und Gründerin des Atelier Coeln, zeichnet für die heurige Lichtintervention CHROMOTOPIA MARIENDOM verantwortlich, die noch bis 21. Juni im Linzer Mariendom zu sehen ist. Bild: Tom Mesic

Mehr als 350.000 Menschen haben am Freitag in ganz Österreich an der "Langen Nacht der Kirchen" teilgenommen. Mehr als 3.200 Veranstaltungen fanden in den 800 Kirchen von Österreich und Südtirol statt, teilten die Organisatoren am späten Freitagabend in einer Aussendung mit. Allein in Wien wurden 140.000 Besucher gezählt.

In Oberösterreich luden über 460 Veranstaltungen in mehr als 120 Kirchen von neun christlichen Konfessionen in 35 Orten zum Mitmachen, Zuschauen, Zuhören und Genießen ein.

Über 500 Stunden Programm erwarteten die rund 65.000 Besucher in den Regionen Linz, Wels, Steyr und Seengebiet/Salzkammergut. Besondere Kirchenführungen, Musik aller Epochen und Stilrichtungen, Vorträge, Diskussionen, Lesungen, Film, Tanz, Kabarett, Vernissagen, Meditation und Stille, (interkulturelle) Begegnung, sozial-, gesellschafts- und kirchenpolitische Themen – für jeden Geschmack war etwas dabei. Steppen, Diskutieren, Gebärdensprache kennenlernen, jammen, sich verzaubern lassen, kreativ werden oder einfach genießen – das und vieles mehr hatte die Lange Nacht der Kirchen in ihrer 10. Auflage zu bieten.

 

 

Eine ökumenische Nacht: Lichtstrahlen der Hoffnung in den Dunkelheiten des Lebens

Im Linzer Mariendom begann die 10. Lange Nacht der Kirchen mit einem ökumenischen Abendgebet mit Vertreter von acht der neun christlichen Kirchen in Oberösterreich, musikalisch gestaltet von der Evangelischen Kantorei. Im Zentrum der Texte, Lieder und Gedanken stand das Licht. Helga Schwarzinger, Ökumenereferentin der Diözese Linz, nahm in ihrer Ansprache Bezug auf Psalm 139, dem auch das diesjährige Leitwort der Langen Nacht der Kirchen entnommen ist: „Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag“. 

 

Eine mystische Nacht: Lichtintervention von Victoria Coeln im Linzer Mariendom

Victoria Coeln, Künstlerin und Gründerin des Atelier Coeln, zeichnet für die heurige Lichtintervention Chromotopia MAriendom verantwortlich, die noch bis 21. Juni im Linzer Mariendom zu sehen ist. Für Coeln war die Arbeit im Linzer Mariendom eine spannende und anregende Herausforderung. Sie griff die Mystik des Lichts und der Farben der historischen Glasfenster auf, um sie in den Kirchenraum zu projizieren. 

 

Eine stärkende Nacht: Klostermarkt auf dem Linzer Domplatz

Er ist inzwischen fixer Bestandteil der Langen Nacht der Kirchen: der Klostermarkt auf dem Linzer Domplatz, der heuer zum 6. Mal zum Gustieren, Kosten und Kaufen einlädt. Viele BesucherInnen kamen schon am Nachmittag, um die Klosterköstlichkeiten zu versuchen und sich zu stärken. Auch am Abend war der Markt ein pulsierender Ort der Begegnung und des Gesprächs.

25 Klöster und Ordensgemeinschaften aus Österreich, Deutschland und Ungarn präsentieren ihre Produkte. Bio-Backwaren sind genauso zu finden wie Liköre, Schmuck, Salben und handgearbeitete Besonderheiten.

 

Eine interessante Nacht: Hörenswertes und Lesenswertes

KTU-Rektor Franz Gruber skizzierte vor etwa 70 Besuchern an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität (KTU) Linz in seinem Vortrag den neuen Leitungsstil von Papst Franziskus. Sein Anspruch: mit sanfter Macht die Kirche zu leiten – als Autorität, ohne autoritär zu sein. Gruber betonte, schon der Amtsantritt von José Maria Bergoglio am 13. März 2013 habe eine neue Sprache gesprochen: Der Name Franziskus, den bisher niemand zu wählen gewagt hatte, die Bezeichnung als „Bischof von Rom“ und die Bitte an die Gläubigen, für ihn zu beten – „all das deutete bereits auf ein starkes Programm hin“, so Gruber. 

Radio-Vatikan-Journalistin Gudrun Sailer präsentierte im Bildungs- und Begegnungszentrum „Haus der Frau“ in Linz ihr Buch „Monsignorina – die deutsche Jüdin Hermine Speier im Vatikan“. Die gebürtige Niederösterreicherin arbeitete bei Life Radio und ist seit 2003 Mitarbeiterin bei Radio Vatikan Deutsch. Ihr Buch „Frauen im Vatikan“ erlangte große Aufmerksamkeit. Anfang 2015 erschien ihr zweites Buch über die erste Frau im Vatikan: die Jüdin Hermine Speier. 

 

Eine spannende Nacht: Wenn Bilderbücher zum Leben erwachen

Wer sich schon einmal gefragt hat, was sich nachts in einer Bibliothek tut, konnte dies hautnah an der Bibliothek der KTU Linz erleben. In alten Büchern abgebildete Persönlichkeiten (dargestellt von Ingo Glückler und Stefan Dorninger) erwachten zum Leben und nahmen die BesucherInnen in kurzen Theaterszenen mit auf eine spannende Zeitreise. So schilderte etwa Johannes Gutenberg anschaulich, wie er seine Methode des Buchdrucks entwickelte. 

 

Eine musikalische Nacht: Exotisches und Berührendes

Ein Keyboard mit den Füßen spielen – geht das? Liz Müller ist der lebende Beweis. Die Ennserin ist ohne Arme zur Welt gekommen und spielt Keyboard, seit sie 10 ist – mit ihren Füßen. Bei der Langen Nacht der Kirchen begeisterte sie mit ihrer Musik in der Kirche der Barmherzigen Schwestern in Linz. 

Wie klingt eine Kora? Etliche BesucherInnen der Langen Nacht wissen es jetzt. Der Jesuit Werner Hebeisen hat dieses westafrikanische Instrument – neben vielen anderen – für sich entdeckt und begeisterte die ZuhörerInnen in der Linzer Ignatiuskirche (Alter Dom) mit zum Teil selbstkomponierten Stücken auf exotischen Instrumenten.

Ein Besuchermagnet war auch heuer wieder der Auftritt des renommierten Vokalensembles Lalà, das den Linzer Mariendom in eine meditative Klangoase verwandelte. Der Eindruck, den die Musik hinterließ, wurde durch das mystische Farbenspiel der Lichtintervention von Victoria Coeln noch vertieft.

 

Eine bewegende Nacht: Von meditativ bis visualisiert 

Tanzfreudige kamen im Garten der Marienschwestern vom Karmel in Linz voll auf ihre Kosten: Schwester Huberta Rohrmoser bewegte mit ruhigen und lebendigeren Kreistänzen zu Musikstücken aus aller Welt.

Singen mit den Händen – das konnten Interessierte in der Kirche der Barmherzigen Brüder in Linz kennenlernen. Der Gebärdenchor der Stadtpfarre Urfahr lud dazu ein, das Vaterunser und einfache Lieder in Gebärdensprache zu lernen und mit dem Chor gemeinsam zu „singen“. Visualisierter Klang, der beeindruckte!

 

Eine nachdenklich machende Nacht: Ausstellung „Bettelposen“

Im Gemeindezentrum der Evangelischen Pfarrgemeinde Linz-Innere Stadt wurde die Fotoausstellung „Bettelposen“ eröffnet. Dieses Projekt von Sozialreferat der Diözese Linz, Pax Christi, Bettellobby Linz und Evangelischer Pfarrgemeinde Linz-Innere Stadt (unterstützt von der Caritas) versucht auf einer künstlerisch-ästhetischen Ebene, Betteln im öffentlichen Raum eine neue Perspektive zu geben. 

 

Eine chillige Nacht: Heiße Rhythmen in der JamTram

Zu einer Sonderfahrt mit der Jam Tram lud die JugendKircheLinz ein. Zwischen Hauptbahnhof und Mühlkreisbahnhof gaben sich Jugendbands im Halbstundentakt die Instrumente in die Hand und jammten in der Bim.

 

Eine historische Nacht: Ein Stück Linzer Diözesangeschichte zum Angreifen

Manche werden sich noch gut daran erinnern: Der langjährige Linzer Bischof Franz Salesius Zauner (1949 – 1982) war auch begeisterter Motorradfahrer – er legte mit seinem Motorrad über die Jahrzehnte über 400.000 Kilometer zurück. Im Linzer Diözesanarchiv konnten bei der Langen Nacht der Kirchen zwei Markenzeichen von Bischof Zauner bewundert werden: sein Motorrad und die sogenannte „Zaunermühle“, ein Vervielfältigungsapparat, den der technisch versierte Priester leistungsfähiger gemacht hatte.

 

Eine bunte Nacht: Kinder verzieren Kirchenfenster

Hier war kindliche Kreativität gefragt: Um einigen eher schmucklosen Kirchenfenstern zu mehr Farbenpracht zu verhelfen, betätigten sich Kinder in St. Thomas bei Waizenkirchen als kleine GlasmalerInnen. Die entstandenen Kunstwerke aus Window Colours verhelfen so manchem Kirchenfenster zu einem bunten Akzent.

Eine magische Nacht: Vom „Magic Priest“ verzaubert

In die Welt der Zauberei wurden BesucherInnen der Langen Nacht der Kirchen in Schärding entführt. „Magic Priest“ Gert Smetanig (Pfarrer in Burgkirchen und Mauerkirchen) faszinierte Jung und Alt mit seiner Zaubershow. Ganz Mutige aus dem Publikum durften sich als „Zauberlehrlinge“ betätigen und dem Magic Priest bei seinen Kunststücken hilfreich zur Seite stehen.

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Artikel nachrichten.at 30. Mai 2015 - 08:11 Uhr
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