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Oberösterreich

60 Prozent der Städter sind Jagdgegner

Von Alfons Krieglsteiner   22. November 2014 00:04 Uhr

60 Prozent der Städter sind Jagdgegner
Den 18.500 Jägern Oberösterreichs schlägt viel Kritik entgegen.

LINZ. Schon 60 Prozent der Stadtbevölkerung sind skeptisch gegenüber der Jagd eingestellt, ergab eine aktuelle Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts „market“.

Kein Weidmannsheil: Um bis zu ein Prozent pro Jahr sinkt die Akzeptanz der Jagd in Österreich. Laut aktueller Erhebung des Linzer Meinungsforschungsinstituts "market" schlägt ihr speziell im städtischen Bereich wachsende Skepsis entgegen. "Nicht einmal 40 Prozent der Städter können der Jagd noch etwas abgewinnen, während es in der Landbevölkerung noch zwischen 50 und 60 Prozent sind", berichtet market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer. Mit der Studie habe das Institut Eigenforschung betrieben, sagt Beutelmeyer, der als Jagdkonsorte der Stadtjagd am Pöstlingberg selbst dem Weidwerk frönt.

Befragt wurde ein repräsentatives Sample von tausend Österreichern. Ergebnis: Die Entfremdung zwischen Jägern und urbaner Gesellschaft ist unübersehbar, der moderne Städter hat gravierende Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Jagd. Im urbanen Bereich herrsche die Einstellung vor, die Natur würde sich von allein regulieren und die Jagd sei überflüssig, sagt Beutelmeyer. Auf der anderen Seite gelinge es den Jägern immer weniger, ihr Tun glaubhaft zu erklären.

Berufsjäger bevorzugt

Der Städter sei zum Freizeitkonkurrenten des Jägers geworden. "Er sieht die Natur romantisch verklärt, ihm fehlt aber das Wissen um ihre Zusammenhänge", so Beutelmeyer. Die Naturverbände seien auf dem Vormarsch, die Jagd hingegen auf dem Rückzug.

92 Prozent der von "market" Befragten waren der Meinung, Berufsjäger würden zur Erhaltung eines erfolgreichen Jagdbetriebs immer wichtiger. Für 77 Prozent steht fest, dass der Umgang der Gesellschaft mit den Jägern kritischer wird. 55 Prozent werfen den Jägern vor, sie würden durch negatives Verhalten auffallen.

Beutelmeyer fordert von den Jägern "einen konzilianteren Ton" ein, wenn es zu Konflikten mit anderen Naturnutzern kommt. Besonders leide das Image aber darunter, "dass der Jäger das Wild tötet". Denn vor allem dem Städter fehle der Zugang zum "Rohprodukt" Fleisch. Dass auch Schwein, Huhn oder Fisch getötet werden müssen, werde gerne verdrängt.

"Müssen Studie ernst nehmen"

Wie bewertet Landesjägermeister Sepp Brandmayr die Studie? "Wir müssen sie ernst nehmen, sie hält uns einen gewissen Spiegel vor." Es brauche mehr Aufklärungsveranstaltungen, "damit wir den Menschen erklären können, warum die Jagd nötig ist". Zweifellos sei das Weidwerk schwieriger geworden. Denn das Wild leide unter den Störungen durch Freizeitnutzer, die sich im Wald an keine Regeln halten, werde scheu und nachtaktiv.

18.500 Jäger gibt es in Oberösterreich, "Tendenz leicht steigend", sagt Brandmayr, der sich über den wachsenden Anteil von Jägerinnen freut (10 Prozent). Heute sei die Einstellung verbreitet, dass die Natur allen gehöre, "sie ist aber auch mit Eigentum verbunden!" Mit den Bauern und Forstleuten, die sie pflegen. Und den Jägern, "die nach ethischen Standards weidgerecht und im gesetzlichen Auftrag" die Wilddichte regulieren. "Aber natürlich wollen wir Jäger auch das Wildbret ‘ernten’, das uns die Natur jedes Jahr gibt", sagt Brandmayr.

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