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Superman und Roboterhaut: Wie Oberösterreich 3D druckt

LINZ. Heimische Firmen nutzen Potenzial der Technologie, sehen aber Luft nach oben International schreitet das Wachstum des dreidimensionalen Drucks rasant voran.

Superman und Roboterhaut: Wie Oberösterreich 3D druckt

Jakob Schmied und sein Vater Klaus führen Bernstein Innovation. Das 2014 gegründete Linzer Unternehmen beschäftigt 18 Mitarbeiter. Bild: Volker Weihbold

Häuser, Wohnungen – und dazwischen ein paar Gärten: Auf den ersten Blick wirkt "Shambalha" in der italienischen Region Emilia-Romagna wie ein ganz normaler Ort. Das Besondere offenbart sich Besuchern aber erst, wenn sie genauer hinsehen: Denn die Gebäude in Shambalha sind aus 3D-Druck. Ein zwölf Meter hoher Drucker hat sie gefertigt.

Das 2016 gestartete Projekt galt als Weltneuheit in der Bauindustrie. Es reiht sich ein in eine Vielzahl von Initiativen im 3D-Druck: In Dubai werden Hochhäuser gebaut, in Amsterdam ist eine Brücke geplant, und in Singapur sollen Sozialwohnungen entstehen.

In ganz so großen Dimensionen bewegt sich Oberösterreich zwar nicht, aber auch in unserem Bundesland tut sich einiges. "Der 3D-Druck wächst jedes Jahr weltweit um 20 bis 25 Prozent. Davon profitieren wir", sagt Markus Kaltenbrunner, Chef von Evotech aus Schörfling. Das 2013 gegründete Unternehmen hat sich sowohl auf den Bau von 3D-Druckern als auch auf die Entwicklung von Bauteilen für Firmenkunden spezialisiert.

Ein Roboter, der auf Berührungen reagiert. Die Haut dafür kommt von einer Linzer Firma.

 

Evotech fertigt etwa für VW, Siemens, Greiner, KTM oder Stiwa. Technische Kunststoffe für die Luft- und Raumfahrt werden ebenso hergestellt wie Edelstahl. Dieses kommt im Prototypenbau, im Maschinenbau oder in der Autoindustrie zum Einsatz. Zuletzt setzte das Unternehmen aus dem Salzkammergut mit 19 Mitarbeitern zwei Millionen Euro um.

Auf dem Markt etabliert hat sich auch Bernstein Innovation. Das Linzer Unternehmen, 2014 von Ex-Silhouette-Chef Klaus Schmied und Sohn Jakob gegründet, hat mittlerweile 18 Mitarbeiter. Aufsehen erregte das Unternehmen mit Produktion in Hoheneich im Waldviertel bereits mit Schienbeinschonern für Fußballer.

Das eigene Ich aus dem Drucker

Nun gibt es ein neues Produkt: Für das Wiener Automatisationsunternehmen Blue Danube Robotics stellt Bernstein Innovation die "Haut für Roboter" her. Dabei handelt es sich um einen weichen Schutz für Roboter, der mit Sensoren ausgestattet ist und auf Druck reagiert. Dadurch werde ein Schutzzaun für Industrieroboter überflüssig. "Wir stellen mehrere Tausend Stück Haut pro Jahr her", sagt Jakob Schmied.

Mehrere Hundert Figuren hat 3DConceptArt schon entworfen. Im Linzer 3D-Studio stellen Christian Breiteneder und seine Partnerin Nina Seitz seit vier Jahren 3D-Modelle her. Basis dafür ist die Photogrammetrie: Aus 112 Kamerabildern werden im 360-Grad-Modus binnen fünf Stunden Fotofiguren – etwa Superman, das Haustier oder man selbst. Die Kosten für eine Figur starten bei 99 Euro. "Einmal hat eine Hochzeitsgesellschaft 80 Figuren bestellt – samt Pfarrer", sagt Breiteneder.

Evotech aus Schörfling fertigt auch Teile für die Raumfahrt.

 


3DConcept Art aus Linz macht aus Fotos 3D-Figuren.

 

Trotz dieser Entwicklungen gebe es in der Branche in Oberösterreich noch Luft nach oben, sagen alle drei Firmenchefs unisono. Dies bestätigt auch Peter Dunzendorfer, Experte für die additive Fertigung im Kunststoffcluster Oberösterreich: "Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und die USA sind hier führend." Zwar seien hierzulande auch einige Leitbetriebe wie die voestalpine sehr aktiv, aber in vielen Firmen fehle es noch an Akzeptanz. "Es ist oft auch eine Budgetfrage", sagt Dunzendorfer.

International schreitet die Entwicklung unterdessen voran: Turnschuhe, Zähne, Legosteine und Türgriffe aus dem 3D-Drucker sind bereits Realität. Die Branche soll 2020 weltweit mehr als 20 Milliarden US-Dollar umsetzen, erwarten Experten.

 

Läuft wie gedruckt?

Wie oberösterreichische Firmenchefs und Experten die Entwicklung betrachten

 

„3D-Druck ist stark, wenn einzelne Teile zu fertigen sind. Eine serielle Produktion ist schwierig.“
Markus Kaltenbrunner, Evotech

„Die Formenfreiheit ist ein großer Vorteil. Allerdings sind manche Firmen noch nicht für 3D-Druck bereit.“
Jakob Schmied, Bernstein Innov.

„Es ist sicher auch eine Frage, ob sich der 3D-Druck für jeden rechnet.“
Christian Breiteneder, 3DConceptArt

 

Die Geschichte des 3D-Drucks

 

1960 - Beginn: Der britische Erfinder, Physiker und Science-Fiction-Schriftsteller Arthur C. Clarke hat die Idee für einen 3D-Drucker.

Die Geschichte des 3D-drucks

1972 - Vorahnung: Im Comic „Tim und Struppi am Haifischsee“ berichtet Professor Bienlein von seiner neuesten Erfindung, einer 3D-Kopiermaschine.

1980 - Durchbruch: Die Ursprünge der heutigen Drucker gehen auf den US-Ingenieur Chuck Hall zurück. 1980 erfindet er die Stereolithographie, das erste additive Fertigungsverfahren. 1984 ist der erste 3D-Drucker Realität.

2011 - Gemeinschaftssinn: Der Brite Sam Cervantes bringt einen „Tischdrucker für zuhause“ auf den Markt.

2025 - Zukunftsvision: In sechs Jahren sollen transplantationsfähige menschliche Organe aus dem 3D-Drucker kommen. 2035 könnten es laut Experten schon Autos sein.

 

 

 

 

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Artikel Martin Roithner 16. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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