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Polytec: Neustart aus der Boxengasse

Beim Autozulieferer hat Markus Huemer das Zepter von seinem Vater übernommen. Dass die Rahmenbedingungen besser sein könnten, sieht er eher als Chance.

Polytec Group Bild: Weihbold

Das Umfeld ist so unberechenbar wie noch nie. Es ist derzeit praktisch keine Mittelfristplanung möglich", sagt Markus Huemer über die Rahmenbedingungen in seiner Branche. Mit 1. Jänner hat der 37-Jährige von seinem Vater Friedrich Huemer den Vorstandsvorsitz im börsenotierten Hörschinger Polytec-Konzern übernommen. Doch obwohl die Autohersteller und damit auch ihre Zulieferer derzeit keine einfache Zeit durchleben und der Aktienkurs zuletzt ordentlich nach unten gerasselt ist, bleibt Markus Huemer gelassen. Er hat schon einige Stahlbäder hinter sich und sagt, die derzeitige Situation berge nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen. "Ich gehe davon aus, dass uns bald Firmen zum Kauf angeboten werden."

Frühe Entscheidung

Huemers Eltern haben vor gut 32 Jahren Polytec als Kunststoffverarbeiter gegründet und aufgebaut, seit 23 Jahren werden Autoteile produziert, heute werden damit 90 Prozent des Umsatzes von rund 650 Millionen Euro (2018) erwirtschaftet. Ist dieser Umsatz gefährdet? Bei Spritzgussteilen für Motoren und Motorenräume sei ein Umbruch zu bemerken. "Je nachdem, welcher Motor den WLTP-Test besteht, fallen Aufträge weg oder kommen hinzu und müssen dann sehr rasch abgewickelt werden", sagt Huemer über das jetzt einheitliche Testverfahren für den Treibstoffverbrauch von Motoren. Mittelfristig würden deutlich mehr Autos mit Strom betrieben, aber der Verbrennungsmotor sei längst nicht Geschichte. Polytec profitiert mit seinen Leichtbauteilen und seinen Verbundwerkstoffen auf der anderen Seite vom Bedarf der E-Auto-Hersteller nach leichten, aber stabilen Bauteilen. "Überraschend stabil" sei zudem die Nachfrage bei den Nutzfahrzeugen.



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Dass Markus Huemer die Konzernführung übernehmen wird, war für ihn schon früh klar. "Auch wenn die Nähe zum Vater dagegen gesprochen hat. Aber mich haben Autos fasziniert, genauso wie die Leidenschaft meines Vaters, ein Unternehmen schnell in dieser Dimension aufzubauen", sagt Markus Huemer.

Nach dem Studium an der Fachhochschule Steyr arbeitete er im Unternehmen. Sein Vater habe ihn ins kalte Wasser geschmissen, in Töchtern im Ausland eingesetzt. 2007 bei der Übernahme einer Verlust-Firma in Deutschland. Und 2008/09 bei einer Werksschließung in Schweden. "Das belastet, aber man lernt auch viel."

2008/09 bekam Markus Huemer auch die große Krise mit, die Polytec plötzlich in Insolvenzgefahr brachte. Damals hätte sich Huemer senior mit der Übernahme von Peguform fast übernommen. "Wir haben damals viel gelernt, auch was Risikobewertung und Finanzstruktur betrifft", sagt Markus Huemer.

Mit neuem Vorstand

Sein Vater bleibt als Berater, unter anderem für Zukäufe, wird aber nicht in den Aufsichtsrat gehen. Den Vorstand hat Polytec umgekrempelt. Statt Alice Godderidge wurde der ehemalige voestalpine- und British-Steel-Manager Peter Bernscher als Vertriebsvorstand engagiert ("Wir haben ihn bei der Polynorm-Übernahme als kompetenten Verhandlungspartner kennen und schätzen gelernt"). Und Chef des operativen Geschäfts nach Markus Huemer ist der ehemalige VW-Manager Heiko Gabbert, der bereits 15 Jahre im Unternehmen arbeitet und der auch den Bereich Innovation managt. Mit der Universität Aachen gibt es eine Kooperation für die Entwicklung neuer Produkte, die nicht mit Autos zu tun haben müssen.

Trotz der Probleme der Branche bleibt Huemer optimistisch für sein Unternehmen mit derzeit 4500 Mitarbeitern. Die Ertragskraft mit sechs bis zehn Prozent Betriebsergebnis vom Umsatz soll gehalten werden. Das könnte dann auch der Aktie wieder Schwung geben.

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Artikel Dietmar Mascher 12. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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