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"Als Fleischhauer allein kann man wirtschaftlich nicht überleben"

LINZ. Zahl der Fleischereibetriebe verringert sich in den nächsten Jahren um mehr als ein Drittel.

"Als Fleischhauer allein kann man wirtschaftlich nicht überleben"

Christian Derntl hat den Familienbetrieb übernommen Bild: Werk

80 bis 100 Stunden pro Woche arbeiten, ist für selbstständige Fleischer Alltag. Das wollen sich viele Junge nicht antun. Der Branche fehlt Nachwuchs. In den kommenden zehn Jahren verringert sich die Zahl der Fleischereien in Oberösterreich um mehr als ein Drittel, sagt Bundes-Innungsmeister Willibald Mandl aus Ternberg.

"Als Fleischhauer allein kann man wirtschaftlich nicht überleben"

Silvia und Reinhold Stadler aus Viechtwang haben etwas gemacht, was selten ist. Sie haben vergangenen Dezember eine Fleischerei aufgesperrt. Nach mehr als 20 Jahren hat die 2000-Seelen-Gemeinde Grünau im Almtal wieder einen Fleischhauer und damit einen wichtigen Nahversorger. Die Stadlers haben sich eine stillgelegte Fleischerei im Ortszentrum gekauft. "Nun investieren wir viel Geld, um EU-Vorschriften zu entsprechen", sagt Reinhold Stadler.

"Als Fleischhauer allein kann man wirtschaftlich nicht überleben"

Er wird im Betrieb selber schlachten, nur Tiere aus der Region. "Die Leute wissen, dass das Fleisch mehr kostet, dafür ist es regional und qualitativ hochwertig", sagt er. Pro Woche geht das Fleisch von einem Rind und sechs Schweinen über die Ladentheke.

Neben dem Verkauf bietet der Neo-Nahversorger in Grünau Mittagsmenüs und Catering an. "Als Fleischhauer allein kann man wirtschaftlich nicht überleben", sagt Stadler. Die Familie betreibt auch eine Fleischerei in Scharnstein, beschäftigt sieben Mitarbeiter und hat noch keine Nachwuchssorgen. Reinhold Stadler ist Anfang 40. "Aufzwingen werde ich meinen Kindern den Betrieb nicht."

Oft schwierige Generationsfrage

Den oft schwierigen Übergang von einer zur nächsten Generation haben die Derntls aus Leonding geschafft. 2016 hat Vater Josef an Christian übergeben. Ein Mal pro Woche werden Tiere aus der Region geschlachtet. 95 Prozent des Sortiments kommen aus der eigenen Produktion. Allein die Knödel, jeden Tag werden an die 200 gerollt, lohnen den Besuch. "Die Fleischerei entwickelt sich sehr positiv", sagt Firmenchef Christian. Derntl wirbt auch in den sozialen Medien. Auf der Homepage erfährt man alles rund ums Angebot – inklusive Catering.

Trotz solcher Erfolgsbeispiele werden in den kommenden Jahren weiter viele Fleischer zusperren, weil die Konkurrenz der Supermärkte groß ist und sie keine Nachfolger finden. "Das ist nicht ganz nachzuvollziehen", sagt Fleischer Karl Wegschaider aus Steyregg, der den Club der Bonusfleischer führt. "Junge hätten gute Verdienstchancen, wenn sie es richtig machen und sich weiterentwickeln. Bonusfleischer nagen nicht am Hungertuch."

Kundenbindung sei ein Schlüsselfaktor, so Wegschaider. "Zwei Drittel des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel werden mit Aktionspreisen erzielt." Kleine Fleischer müssten mehrere Standbeine haben. Catering, Mittagsmenüs oder Selbstbedienungsautomaten helfen den Metzgern zum Erfolg.

Wie etwa bei Wolfgang Kitzmüller in der Glasau bei Hellmonsödt, er hat einen Verkaufsautomaten vor dem Geschäft. Besonders im Sommer sei das ein Umsatzbringer mit Grillfleisch. "Die im Winter beim Diskonter kaufen, kommen im Sommer zu uns." Er kann mit seinen Umsätzen leben, "eher aber Überleben". Sein Erfolgsrezept? "Geschmack. Meine Produkte schmecken anders als Industrieware." Kitzmüllers Umsätze ziehen nach einer Geschäftsrenovierung wieder nach oben. Besonders wegen seiner Blunz’n und dem Leberschädl kommen die Kunden.

 

3,3 Milliarden Umsatz

 

Österreichweit gibt es rund 1000 Fleischerei-Betriebe. In Oberösterreich sind es 270. Von diesen werden in den kommenden zehn Jahren 100 aufhören, sagt Bundes-Innungsmeister Willibald Mandl.
90 Prozent der Fleisch- und Wurstwaren werden über Handelsketten umgesetzt, zehn Prozent teilen sich die kleinen Betriebe. Deren Umsatz lag 2017 österreichweit bei 3,3 Milliarden Euro.

 

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Artikel Andreas Kremsner und Ulrike Rubasch 25. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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