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Mohnflesserl, kein Gehalt und das Internet der Dinge

S&T: Hannes Niederhauser hat die einstige Gericom in den TecDAX geführt. Ein weiterer Punkt in einer schillernden Karriere.

Mohnflesserl, kein Gehalt und das Internet der Dinge

2008 übernahm Hannes Niederhauser Gericom. Die heutige S&T hat damit überhaupt nichts mehr zu tun, übrig blieben nur die Firmennummer und das Hauptquartier. Bild: OÖN

Am 19. September werden die an der Frankfurter Börse notierenden Aktien des Linzer IT-Unternehmens S&T in den TecDAX aufgenommen. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Unternehmen zu den wichtigsten 30 Technologieunternehmen an der deutschen Börse zählt. Für Hannes Niederhauser, Miteigentümer und Vorstandschef des Unternehmens, ist das wie ein Déjà-vu.

Schließlich ist S&T das zweite Unternehmen, das er so weit gebracht hat. Mit seiner früheren Firma Kontron war er schon acht Jahre dort vertreten. Das ist nur ein bemerkenswertes Detail in der abwechslungsreichen Karriere des 54-jährigen Oberösterreichers, der im Zaubertal in Leonding aufgewachsen ist und seit drei Jahren wieder dort wohnt.

Niederhauser ist ein umfassend ausgebildeter Techniker mit einer Nase für Entwicklungen. Nach der Matura im Linzer Khevenhüller-Gymnasium studierte er Elektro- und Nachrichtentechnik in Graz und startete seine Karriere als Chipentwickler bei Infineon in München. "Ich weiß, wie man mit einem Lötkolben umgeht und wie man Software entwickelt", sagt Niederhauser im Gespräch mit den OÖNachrichten. Nachdem der Versuch, sich in den USA selbstständig zu machen, von überschaubarer Dauer, aber voller guter Erfahrungen war, machte sich Niederhauser im Keller seines Münchener Hauses 1994 selbstständig und widmete sich dem Embedded Computing, also dem Einbau von Computern in Maschinen. Seine Technor GmbH brachte er in die Firma Kontron ein, die BMW eigentlich schließen wollte. 2001 führte er Kontron an die Börse, verkraftete das Platzen der Technologieblase an den Finanzmärkten und hatte eine Idee: Niederhauser verzichtete auf sein Gehalt. "Ich habe gehört, dass der Cisco-Chef das auch macht. Es erleichtert die Argumentation, wenn man im Unternehmen sparen muss." Niederhauser lebte von den Kontron-Aktien, die er verkaufte. 2007 war er zur Gänze aus dem Unternehmen ausgestiegen. "Ich hatte aber immer noch genug verdient gehabt und hörte auf zu arbeiten."

Als er 2008 am Vormittag vor dem Fernsehgerät saß und von seiner Frau dafür kritisiert wurde, beschloss er, wieder ins Berufsleben einzusteigen.

Gericom-Chef Hermann Oberlehner lief ihm über den Weg. Dessen Computerunternehmen war fast pleite, er bat um Hilfe. Niederhauser aktivierte seine Kontakte nach Asien und brachte Quanta dazu, mit ihm die Gericom zu übernehmen. Das Unternehmen hieß dann Quanmax (für Quanta und seinen Sohn Max), Oberlehner verließ kurz darauf das Unternehmen.

2009 beschloss Niederhauser, aus dem Computergeschäft auszusteigen, und besann sich auf das, was er am besten kann: Embedded Computing und in der Weiterentwicklung Appliances. Letzteres ist nichts anderes als das Internet der Dinge oder das Vernetzen der Maschinen.

Einigung mit Grossnigg

Als dann Ende 2011 die Wiener S&T ins Trudeln kam und zum Verkauf stand, tat sich Niederhauser mit dem Linzer Sanierer Erhard Grossnigg zusammen und übernahm S&T ("das Ergebnis eines zweistündigen Gesprächs"). Heute hat S&T den Sitz in Linz, beschäftigt 2400 Mitarbeiter und setzt knapp eine halbe Milliarde Euro um. In den vergangenen drei Jahren wurden 60 Millionen Euro Cashflow erwirtschaftet.

Von Gericom blieben nur die Firmennummer und der Firmensitz. 2012 wurde das letzte Notebook verkauft. Niederhauser konzentriert sich bei seinen Produkten auf Nischen und Stückzahlen, die für Großbetriebe nicht interessant sind. "Einen intelligenten Kühlschrank wird Microsoft produzieren. Aber vernetzte Medizingeräte, Schweißsimulationsgeräte für Fronius oder Sportwettenterminals haben kleinere Stückzahlen. Die Software dafür liefern wir." Auch die Firewalls in Flugzeugen, die das Abrufen von E-Mails erlauben, ohne den Flugbetrieb zu gefährden, sind eine S&T-Entwicklung.

Niederhauser lebt jetzt wieder im Zaubertal, zahlt sich 500 Euro Gehalt aus ("aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen muss ich etwas verdienen") und schwärmt nicht nur von Linzer Mohnflesserln, sondern auch vom Standort. "Die Ausbildung hier ist nicht so schlecht, die Lebensqualität sehr gut. Ich bekomme die Leute, die ich brauche. Ich bin auch nicht so pessimistisch für Europa."

In der S&T-Zentrale hat Niederhauser Platz für Start-ups geschaffen, die er übernimmt, wenn sie sich gut entwickeln. Daneben ist er an innovativen Firmen beteiligt. Einer seiner Wegbegleiter ist der Doyen für Computermathematik, Bruno Buchberger, der etwa bei der Green Danube Cloud beteiligt ist.

Klar ist auch, dass die Grenze fürs Aufhören nicht mehr bei der halben Milliarde Euro liegt, wie seinerzeit bei Kontron. Im Gegenteil, Niederhauser will weiterwachsen und denkt über Zukäufe nach. Auch die Übernahme seiner ehemaligen Firma könnte ein Thema sein. "Wir rittern mit Kapsch um die Marktführerschaft. Die möchte ich übernehmen."

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Artikel Dietmar Mascher 10. September 2016 - 00:04 Uhr
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