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Hochwasser: Viele Helfer retteten vor zehn Jahren den Industriestandort Schwertberg

SCHWERTBERG. Christoph Merckens (40) erinnert sich noch genau an das Sauwetter vor zehn Jahren. Er sei in die Videothek gefahren und habe sich den Streifen „Lost in Atlantis“ (Verloren in ...) ausgeborgt.

Viele Helfer retteten vor zehn Jahren den Industriestandort Schwertberg

Christoph Merckens heute, vor Flutdenkmal. Bild: OÖN/Archiv

Statt der Filmfiktion erlebte er an diesem TV-Abend die reale Tragödie „Lost im Aisttal“. „Als der Regen nicht aufhörte, bin ich zur Fabrik und habe die Katastrophe gesehen“, erzählt der Firmenchef.

Statt zwei Kubikmeter wälzten sich bis zu 330 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch das enge Flusstal und nahmen Schlamm, Geröll, Bäume und Gebäudeteile mit Richtung Schwertberg. Bei der Firma Engel, Weltmarktführer für Spritzgießmaschinen, wurden Werkshallen und Bürogebäude verwüstet. Beim Kfz-Logistiker Hödlmayr stand das Auslieferungslager mit rund 5000 Neuwagen einen Meter hoch unter Wasser. Rund 1500 Pkw hatten Totalschaden.

Er habe aber nie einen Gedanken ans Aufgeben gewälzt, sagt Engel-Konzernchef Peter Neumann den OÖNachrichten: „Als ich das erste Mal durch die Hallen gegangen bin, habe ich nur gedacht: Wie kann man das wieder in Gang setzen? Sich konsequent, Schritt für Schritt vorwärts arbeiten.“ Viel Motivation sei vom Einsatz der Mitarbeiter ausgegangen. Neumann: „Da hat sich auch gezeigt, wer Führungseigenschaften hat.“ Viele Helfer aus dem ganzen Land kamen. „Wildfremde Leute sind plötzlich mit Schaufeln dagestanden und haben zugepackt“, gibt sich auch Christoph Merckens noch heute beeindruckt.

Das Familienunternehmen war von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Flut Straßen und Brücken weggeschwemmt hatte. Das Land half und machte eine Spur Lkw-tauglich, so dass am 24. August wieder die ersten Lieferungen abgehen konnten. „Hätte das ein halbes Jahr gedauert, wären alle Kunden weg gewesen“, sagt Merckens. Laufend wurde Kontakt mit Lieferanten und Banken gehalten, um alle zu überzeugen, dass der Betrieb trotz des Schadens überlebensfähig sei. Die Pappefabrik erlitt einen Verlust von neun Millionen Euro – das war damals ein Jahresumsatz.

Private und Kleinbetriebe an der Aist haben einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro erlitten. Bei Engel waren es allein rund 200 Millionen, inklusive Betriebsunterbrechung. Mehr noch: Die Flut stellte einen der wichtigsten Industriestandorte Oberösterreichs infrage. Engel und Hödlmayr überlegten, in hochwassersichere Orte abzuwandern. „Die Versicherungen hätten keine Deckung mehr gegeben. Wir hätten nicht mehr investieren können“, sagt Neumann. Die Lösung war: Mit öffentlicher Hilfe wurde ein Hochwasserschutz hochgezogen, der den Standort wieder versicherbar machte. Noch heute sind alle voll des Lobs für finanzielle und organisatorische Hilfe von Land, Republik und EU.

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Artikel Josef Lehner 07. August 2012 - 00:04 Uhr
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