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"Der neue Datenschutz wird die Welt verändern"

Der Fabasoft-Gründer hält das europäische Datenschutzrecht für einen "Exportschlager". (uru, colourbox) Bild: colourbox

"Der neue Datenschutz wird die Welt verändern"

Warum Europa mit dem Datenschutz auf das richtige Pferd setzt, warum er kein Kontroll-Freak mehr ist und warum Angela Merkel gut fürs Geschäft ist, erzählt Fabasoft-Chef Helmut Fallmann. Von Ulrike Rubasch

02. November 2017 - 00:04 Uhr

Das börsenotierte Linzer Softwarehaus Fabasoft ist seit 30 Jahren auf den Bereich Dokumentenverwaltung und öffentliche Verwaltung spezialisiert. Die beiden Gründer und Vorstände Helmut Fallmann und Leopold Bauernfeind sind mit 67 Prozent am Unternehmen beteiligt, der Rest ist Streubesitz. Fallmann hat sich weitgehend aus dem operativen Geschäft zurückgenommen und genießt den strategischen Blick von oben auf Märkte und Entwicklungen.

OÖN: Der Aktienkurs entwickelt sich seit Jahren stetig nach oben, das Ergebnis passt. Was macht den Erfolg von Fabasoft aus?

Fallmann: Wir haben derzeit das zwanzigste Quartal mit positivem Ergebnis (Ebit) in Folge. Ich stelle fest, seit ich die strategische Führung übernommen habe und meine Zeit nicht mehr mit Operativem vergeude, läuft es so gut. Früher war ich ein Kontrollfreak und war echt nicht relaxed, wenn ich die Dinge nicht unter Kontrolle hatte.

Gab es da ein Schlüsselerlebnis – vom Kontrollfreak zum Lenker?

Das war wohl, dass ich meinem 16 Jahre jüngeren Bruder Daniel Fallmann die Geschäftsführung unseres Tochterunternehmens Mindbreeze überlassen habe. Ich schaffte es nicht, meinen Bruder zu führen wie einen fremden Manager, ich musste meinen Führungsstil ändern. Auch bei den eigenen Kindern kommt man mit autokratischem Führen nicht weit. Mein Stil ist kein Laissez faire, sondern wenige, aber dafür sehr klare Regeln.

Ist ihre Suchmaschine Mindbreeze der einzige Wachstumstreiber im Unternehmen? Binnen kurzer Zeit ist sie für ein Drittel des Umsatzes von zuletzt 28,3 Millionen Euro verantwortlich geworden?

Mindbreeze wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit und hat, anders als die europazentrierte Fabasoft, globales Potenzial. Wir wollen noch im laufenden Geschäftsjahr in den USA eine eigene Gesellschaft mit eigenem Management und Mitarbeitern vor Ort haben. Das ist ein Top-Thema. Es macht mir eine Riesenfreude, das zu coachen. Überhaupt habe ich mittlerweile größere Freude daran, andere erfolgreich zu machen als es selbst zu sein.

Das Kerngeschäft bei Fabasoft stagniert?

Nein! Wir haben etwa in Deutschland herausragende Erfolge mit unseren eGovernment-Produkten (elektronische Verwaltung, Anm.), weil unter Kanzlerin Angela Merkel die Digitalisierung in unglaublichem Tempo umgesetzt wird. Deutschland gibt Vollgas und holt mit der eAkte auf, wo Österreich mit dem elektronischen Akt schon seit zehn Jahren steht. Derzeit gibt Deutschland 100 mal so viel Geld für den Ausbau des Breitband-Internet aus wie Österreich. Faktor 10, nicht 100, wäre dem Größenunterschied der Länder entsprechend.

Und das Geschäft mit der "Wolke", die Auslagerung von Daten in eine zentrale Cloud, wächst weiter?

Die Scheu der Unternehmen vor solchen Lösungen schwindet. Wenn es um dokumentenzentrierte Lösungen geht, sind wir ein wichtiger Player. Wir haben jetzt die ÖBB als Kunden gewonnen für die digitale Dokumentenverwaltung im Marketing. Oder für Siemens Energy in Deutschland haben wir Kraftwerke digitalisiert, soll heißen, die Archivräume überflüssig gemacht. Bisher mussten ein bis zwei große Lkw-Ladungen Papier zur Dokumentation – bis hin zur kleinsten Schraube – in diesen Räumen aufgehoben werden. Wir haben das mit SAP digitalisiert, sodass die Dokumente jetzt alle auf zehn iPads Platz haben und automatisch immer auf dem letzten Stand sind.

Die Datenschutz-Grundverordnung ab Mai 2018 bereitet Unternehmen großes Kopfzerbrechen. Wird sie tatsächlich personenbezogene Daten besser schützen oder nur ein Bürokratie-Monster werden?

Endlich ein Datenschutz, der umsetzbar und lebbar ist! Er gilt für jedes Unternehmen, und er wird die Welt verändern, weil er ein neues Niveau an Datensicherheit bringt. Die EU gibt den Takt vor. Jeder Bürger kann eine Anfrage an ein Unternehmen stellen, welche personenbezogenen Daten es speichert und verarbeitet. Ein Max Schrems, der gegen Facebook klagte, musste auf Englisch vor ein irisches Gericht ziehen. Künftig kann man gegen internationale Konzerne in Österreich auf

Deutsch vorgehen. Ich halte das europäische Datenschutzrecht für einen Exportschlager. Für unsere hochsichere Cloud-Lösung interessieren sich US-Firmen. Wer Daten sicher verwahren will, bringt sie nach Europa.

Wie gut sind Firmen darauf vorbereitet?

Diesmal ist der Gesetzgeber vorne, die Unternehmen hinten. Es wird Zeit, auf Geschäftsleitungsebene die digitale Kompetenz wirklich zu leben und nicht nur Papier in Bits&Bytes umzuwandeln, sondern Geschäftsmodelle neu zu denken. Wie die OÖNachrichten mit ihrem Newsroom muss jedes Unternehmen die Transformation annehmen und keine Trennung der analogen und digitalen Welt mehr zulassen. Unternehmen, die den Datenschutz nicht ernst nehmen, werden ihr blaues Wunder erleben.

Ihr Unternehmen ist in der IT-Branche für die doch sehr hohe Fluktuation bekannt, sie suchen zu den rund 200 bestehenden ständig Mitarbeiter. Wieso?

Für das Wachstum braucht allein Mindbreeze derzeit 17 IT-Fachleute. Wir haben tatsächlich in den ersten zwölf Monaten, die ein Mitarbeiter bei uns ist, eine höhere Fluktuation, danach nicht mehr. Wir zahlen sehr gut, aber wir leben eine Silicon-Valley-Kultur, wo der eigene Antrieb entscheidend ist. Weiterbildung ist auch in der Freizeit notwendig. Wer hauptsächlich geführt werden will, passt nicht zu uns.

"Der neue Datenschutz wird die Welt verändern"
Fabasoft-Chef Helmut Fallmann hat heuer erstmals ein "Robotics-Camp" veranstaltet. Die Kinder lernten dort, solche Roboter auf spielerische Weise zu programmieren.  
Bild: Privat
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