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Ludwig Scharinger (1942–2019): Ein Nachruf

Der einst mächtigste Manager des Landes ist tot. Er hat Oberösterreich geprägt, gestaltet und polarisiert wie kein anderer. Ein Nachruf von Dietmar Mascher.

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Es ist mir egal, welche Nachred’ ich haben werde", sagte Ludwig Scharinger bei seinem Abschiedsinterview mit den OÖNachrichten 2012. Damals übergab er nach 27 Jahren den Vorstandsvorsitz der Raiffeisen Landesbank an Heinrich Schaller.

So ganz wollte man das nicht glauben. Auch nicht seine Aussage, er habe sich nie als mächtig eingestuft. Aber ob seiner hohen Problemlösungskompetenz sei er halt oft um Rat gefragt worden, sagte er. Jetzt ist Ludwig Scharinger tot. Er starb gestern, Donnerstag, im Alter von 76 Jahren in Linz.

Scharinger war der wohl mächtigste Manager, den Oberösterreich je hatte. Es gab eine Zeit, als in diesem Land ohne ihn praktisch nichts ging. Was auch die Ambivalenz seines Wirkens spiegelt.

Video: Trauer um Ludwig Scharinger

Banker statt Bauer

Tatsächlich ist die Lebensbilanz des Managers Scharinger außergewöhnlich. Der gebürtige Arnreiter, dem viele konstatiert haben, er sei die personifizierte Mühlviertler Bauernschläue, hätte eigentlich den elterlichen Hof übernehmen sollen. Nach einem Motorradunfall war er jedoch körperlich dazu nicht in der Lage. Sein Bruder Josef übernahm, Ludwig Scharinger absolvierte die Landwirtschaftliche Fachschule in Wieselburg, maturierte und begann, an der noch jungen Johannes Kepler Universität (JKU) Sozialwirtschaft zu studieren. Dort war er in der Studentenbewegung aktiv und lernte spätere Weggefährten wie Christoph Leitl und Helmut Kukacka kennen.

1972 begann er, im Raiffeisenreich Karriere zu machen, galt bald als Zukunftshoffnung, Troubleshooter und Netzwerker. So gelangte er auch auf den Chefsessel.

Scharinger machte aus der Raiffeisenbank, einem biederen Agrarfinanzier, die größte Bank des Landes, die sich auch mit den großen Spielern auf Bundesebene messen konnte. Er hatte einen Zugang zum Bankwesen, der weit über die Kernfunktionen Sparen-Kredite hinausging. Der leidenschaftliche Jäger und Trompeter sah sich selbst als Ermöglicher und Gestalter und machte dabei von seinem riesigen Netzwerk Gebrauch, das in der CV-Studentenverbindung Austro Danubia begann und sich über alle politischen Parteien zog. Kein einflussreicher Politiker entging seiner Aufmerksamkeit. Im Weinkeller des Schaller-Hauses wurden mit wichtigen Personen wichtige Deals vereinbart.

Scharingers besondere Eigenschaften: Er erkannte blitzschnell geschäftliche Möglichkeiten und handelte umgehend. Er war extrem diszipliniert und fleißig und konnte komplexe Zusammenhänge aus der Hochfinanz verständlich ins Alltagsleben übersetzen. Und er verband das Bankgeschäft mit der Entwicklung des Landes und ermöglichte damit vieles. Dazu gehört unter anderem der Softwarepark Hagenberg, den er finanzierte, oder die Therme Geinberg. Mit den OÖNachrichten initiierte er den größten Wirtschaftspreis, den Pegasus. Bei der Privatisierung staatlicher Betriebe hatte er in vielen Fällen eine gute Nase.

Der voestalpine geholfen

Im Fall der voestalpine bildete er für die Bank ein Oberösterreich-Konsortium mit wesentlichem Einfluss und verhinderte damit eine Zerschlagung des größten oberösterreichischen Konzerns. Als Ratsvorsitzender der Johannes Kepler Universität leistete er seinen Beitrag für seine Heimatuniversität. Mit seinem Freund Hannes Androsch wurde er Mehrheitseigentümer der Salinen, die Anteile an der FACC verkaufte er später an die Chinesen. Auch in der Amag und in der Energie AG sowie in der Hypo Oberösterreich erlangte die RLB großen Einfluss. Stets argumentierte Scharinger mit dem Schlagwort "Oberösterreich-Lösung". In Linz entwickelte er mit Bürgermeister Franz Dobusch den Mona-Lisa-Tunnel.

Kaum ein Tag verging, an dem nicht Hundertschaften im Forum der RLB Ministern, Managern und anderen Vortragenden lauschten. Zum Neujahrsempfang ins Design Center lud die RLB alljährlich mehr als 2500 Gäste, zum letzten Mal übrigens gestern vor sieben Jahren.

Mit Kunden, die in Schwierigkeiten waren, tauche man durch, pflegte Scharinger stets zu sagen. Das schätzten die meisten. Auch wenn bisweilen aus Fremd- Eigenkapital der Bank wurde.

In Wien hieß es, der RLB-Chef halte sich einen Landeshauptmann, was nicht den Tatsachen entsprach. Aber die Verbindung zwischen der Landes-ÖVP und Raiffeisen manifestierte sich nicht nur in gemeinsamen Wohnbaugesellschaften und Landesanteilen.

Wohnbauprobleme

Der Wohnbau wurde für Scharinger letztlich zu einer heiklen Angelegenheit. Mit seinem Oberösterreich-Konsortium sowie Immofinanz bekam er den Zuschlag bei der Privatisierung der Buwog und damit auch der Linzer WAG. Im Korruptionsverfahren gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurde auch Scharinger angeklagt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes konnte er am Prozess aber nicht teilnehmen.

"Scharinger hat viel für das Land getan. Vielleicht hätte er zwei, drei Jahre früher in Pension gehen sollen", sagt ein enger Freund. Scharingers Nachfolger Heinrich Schaller nahm einige Aufräumarbeiten im großen Firmengeflecht der Bank vor und veränderte auch die Philosophie der Bank. Aber auch er sagt wie Aufsichtsratschef Jakob Auer, dass "die RLB unter ihm eine außergewöhnliche Entwicklung genommen hat".

"Ich weiß, dass ein Netzwerker wie ich viele Facetten aufweist", schreibt Scharinger in seiner Autobiographie. Er wusste, dass er bisweilen in getragenen Worten verstörte. In seiner Amtszeit machte er sich viele Freunde, die nach der Pensionierung nicht alle blieben.

Nach einem Unfall bei einem Jagdausflug in Russland erholte sich Scharinger zunächst recht gut. Im vergangenen Jahr hat sich sein Gesundheitszustand aber dramatisch verschlechtert. Scharinger hinterlässt seine Frau Anneliese sowie vier Töchter und deren Familien. Ihnen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme.

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Artikel 11. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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