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Das zähe Ringen um die Herkunft: Schmeckt Österreich besser?

WIEN/BERLIN. Warum es auf dem europäischen Markt immer mehr nationale Spielregeln geben soll.

Das zähe Ringen um die Herkunft: Schmeckt Österreich besser?

Von wo kommt das Fleisch für das Wiener Schnitzel? Bild: BMNT

Seit 2015, als Pferdefleisch in großem Stil als Rind vermarktet wurde (der Skandal war 2013), schreibt die EU vor, dass Frischfleisch im Handel gekennzeichnet werden muss. In Österreich hat Türkis-Blau im Regierungsübereinkommen festgehalten, dass auch die Herkunft verarbeiteter Lebensmittel offenzulegen sei. Die Umsetzung gestaltet sich äußerst schwierig.

"86 Prozent der Österreicher sind für eine Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln", nannte Bauernbund-Präsident Georg Strasser bei einem Pressegespräch auf der Grünen Woche in Berlin Umfragedaten. Die Landwirtschaft wolle Konsumentenwünsche verwirklichen, gestehe aber ein, dass sie sich mehr Wertschöpfung erwarte. "Verarbeitet in Österreich ist eindeutig zu wenig", sagte Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer, in Berlin: "Österreichische Rohstoffe müssen drinnen sein."

"Lebensmittel-Chauvinismus"

In der EU zeigt sich, dass trotz des Binnenmarkts immer mehr Länder und Unternehmen eigene Regeln durchsetzen wollen. Franz Blass, Geschäftsführer des Agrarmarkt Austria (AMA) Marketings, muss österreichische Lebensmittel im Ausland unters Volk bringen und beschreibt die Irritationen: "Ein gemeinsamer Markt bedeutet, dass die Produkte keine Herkunft haben sollen. Das haben die EU-Spitzen auch immer erklärt. Hört auf mit diesem Lebensmittel-Chauvinismus, haben sie gesagt. Gleichzeitig hat sich die Globalisierung der Lebensmittelmärkte vollzogen. Das hat einen Pendelschlag erzeugt, den Wunsch der Konsumenten nach Regionalität und Authentizität. Die EU-Gesetzgebung schreibt eine Herkunftskennzeichnung derzeit aber nur dort vor, wo es um Irreführung geht."

Deshalb müssen EU-Vorschriften eingehalten werden, wenn Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger in Österreich nun diesen Teil des Regierungsübereinkommens umsetzen will. Trotz des politischen Willens seien viele Punkte zu klären, etwa mit dem Gesundheitsministerium. Sie wolle aber, dass bei Produkten aus Milch, Fleisch und Eiern die Herkunft des dominierenden Rohstoffs verpflichtend auf den Etiketten deklariert wird. Das sei anders als bei Markenprogrammen wie dem AMA-Gütesiegel, wo es freiwillig sei, die Regeln einzuhalten.

Besonders heikel werden die Gespräche mit den Lebensmittelverarbeitern, die ihren Spielraum bei offenen Märkten in der Rohstoffversorgung eingeengt sehen. "Heimische Produkte würden benachteiligt, weil wir sie zu höheren Kosten erzeugen müssen und sie dann neben der preiswerten Importware im Supermarktregal stehen", sagt Katharina Koßdorff vom Verband der Lebensmittelindustrie. Auch würde die Landwirtschaft ihr AMA-Gütesiegel damit schwächen.

"Die Beispiele Frankreich und Italien zeigen, dass davon alle profitieren", sagt Köstinger. Deren Exporte von Nahrungsmitteln seien stark gestiegen. Das sei kein Nationalismus oder Anti-EU-Geist: "Die Welt ist undurchschaubar geworden. Wir wollen bei Lebensmitteln für die Konsumenten Klarheit schaffen", sagt die Politikerin. Außerdem gehe es um Klimaschutz, in Form kurzer Transportwege und schadstoffarmer Produktion.

Verpflichtung für Großküchen

Zweites Ziel der Bauernvertreter: Auch in Gastronomie und Großküchen soll die Produktherkunft gekennzeichnet werden. Fast die Hälfte des gesamten österreichischen Lebensmittelverzehrs erfolgt nämlich bereits außer Haus, wobei der internationale Großhandel eine starke Lieferantenposition hat. Die Bundesländer Ober- und Niederösterreich haben sich bereits verpflichtet, in ihren Großküchen – zum Beispiel in Heimen, Schulen und Spitälern – heimische Rohstoffe einzusetzen.

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Artikel Josef Lehner 21. Januar 2019 - 00:05 Uhr
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