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Wirbel um Normungsinstitut ASI: Architekten, Unis ziehen Experten ab

WIEN. Mehr als 20.000 Normen betreffen in Österreich Konsumenten und Hausbauer. Ein Streit erschüttert dieses wichtige Thema.

Wirbel um Normungsinstitut: Architekten, Unis ziehen Experten ab

ASI-Geschäftsführerin Elisabeth Stampfl-Blaha Bild: AS/Laimgruber

Rund 24.000 Normen definieren in Österreich den Stand der Technik für Produkte und Dienstleistungen – vom Hausbau über Augenoptik bis zu Malstiften. Jeder Konsument ist von ihrer Entwicklung betroffen. Normen sind offiziell Empfehlungen, werden in der Praxis aber oft rechtlich bindend.

Das Normungsinstitut (Austrian Standards Institute – ASI) hat Anfang 2014 einen Jahresbeitrag von 450 Euro eingeführt. Diesen sollen alle rund 6000 Experten bezahlen, die in etwa 280 Gremien neue Normen entwickeln und alte aktualisieren. Das wollen die Architektenkammer und Technischen Universitäten (TU) nicht hinnehmen. Sie haben den von ihnen entsandten Experten empfohlen, nicht mehr an den Normungsausschüssen teilzunehmen. Denn die Experten opfern ihre Freizeit für die ehrenamtliche Mitarbeit in den Ausschüssen. Nun sollen sie auch noch dafür zahlen, wird kritisiert. "Die Einführung des Teilnahmebeitrags hat das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt Christian Aulinger, Sektionsvorsitzender der Architekten. Man verfolge die Vorgänge beim ASI schon länger mit Unbehagen. Er kritisiert die "Normenflut". Der Überblick gehe verloren, die steigenden Kosten müssten die Konsumenten tragen.

Der Jahresbeitrag führe nun dazu, dass die Normen noch stärker von der Wirtschaft diktiert würden, so die Befürchtung. Staatlich beeidete Ziviltechniker oder Wissenschaftler hätten das Wohl der Allgemeinheit im Fokus. TU-Wien-Rektorin und TU-Austria-Präsidentin Sabine Seidler warnt, dass mit dem Rückzug der Wissenschaftler eine "objektive Expertise" fehle.

Auch die Bundesländer sind unzufrieden. "Es gibt derzeit Verhandlungen zwischen Vertretern der Länder und des ASI", sagt Ernst Penninger, Leiter des Sachverständigendienstes in Oberösterreich. Einstweilen zahlen die Experten der öffentlichen Hand keine Beiträge.

ASI-Geschäftsführerin Elisabeth Stampfl-Blaha wehrt sich: "Ohne Geld keine Musik" gelte auch für die Normung. Das ASI finanziere das Normungssystem zu mehr als 85 Prozent selbst, seit einigen Jahren aus seinen Reserven. Trotz jahrelanger Gespräche habe es zu dem in Europa verbreiteten Teilnahmebeitrag keine Alternative gegeben. Es seien ab 2015 andere Modelle vorstellbar, sagt Stampfl-Blaha: "Aber nur, wenn es Finanzierungsvereinbarungen gibt." Das ASI ist ein gemeinnütziger Verein und verdient Geld vor allem mit dem Verkauf von Normen an Firmen, die sie anwenden müssen. Etwa zehn Prozent des ASI-Budgets steuert der Bund bei.

Normen im Regierungsprogramm

Normung ist auch Thema im Regierungsprogramm. Es soll eine "österreichische Normenstrategie" geschaffen werden. Mittelfristiges Ziel sei kostenloser Zugang zu verbindlichen Normen. Laut Wirtschaftsministerium wird mit der Vorbereitung der Reform heuer begonnen.

"Normen-Wildwuchs" sieht Stampfl-Blaha keinen. Es würden auch oft welche zurückgezogen. Keine einzige Norm entstehe ohne Antrag eines Stakeholders. Auf ausgewogene Zusammensetzung der ASI-Gremien werde genau geachtet.

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Artikel Alexander Zens 31. Januar 2014 - 00:04 Uhr
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