Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Mittwoch, 22. August 2018, 10:04 Uhr

Linz: 24°C Ort wählen »
 
Mittwoch, 22. August 2018, 10:04 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Wirtschaft

Wer war der beste Finanzminister Österreichs?

Wirtschaftswissenschafter urteilen, wer seit 1945 die Finanzen Österreichs am besten im Griff hatte.

Wer war der beste Finanzminister Österreichs?

Hans Jörg Schelling Bild: Schwarzl

Kommenden Mittwoch präsentiert der 22. Finanzminister der Zweiten Republik, Hartwig Löger, sein erstes Budget. Es wird die Ambition enthalten, ein Nulldefizit zu erreichen. Demnach würde Österreich (inklusive Zinsen) mehr einnehmen als ausgeben. Sollte er das erreichen, wäre er eine Ausnahme. Denn seit Jahrzehnten häuft Österreich Schulden an. Obwohl der Posten des Finanzministers dafür steht, den Bürger zur Kasse zu bitten, waren einige sehr beliebt. Drei (Josef Klaus, Franz Vranitzky, Viktor Klima) wurden sogar Bundeskanzler.

Wer aber waren die besten Finanzminister, die Österreich geprägt und verändert haben?

Fairerweise muss man einräumen, dass einigen zu wenig Zeit blieb, sich zu entfalten. "Das gilt zum Beispiel für Maria Fekter oder Wilhelm Molterer", sagt der langjährige Budget- und Steuerexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) Gerhard Lehner. "Da gab es gute Ansätze. Aber als die griffen, war der nächste dran."

Eine Legende ist unter langgedienten Beobachtern Reinhard Kamitz. Kamitz hatte unter den liberalen Wissenschaftern Ludwig von Mises und August von Hayek im Institut für Konjunkturforschung gearbeitet und wurde dann Volkswirtschaftschef der Handelskammer. Wegen seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP verlor er nach dem Krieg als Vorbelasteter sämtliche Funktionen und seine Dozentur, machte aber wegen seiner Expertise als Parteiloser neuerlich Karriere. Er entwickelte mit Bundeskanzler Julius Raab den Raab-Kamitz-Kurs, ein ordoliberales Konzept, mit dem es gelang, die Staatsverschuldung von 60 auf acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken. Er bekam mit einer Politik des knappen Geldes die Inflation von 28 Prozent in den Griff und öffnete die Exportmärkte durch Haftungen des Bundes. Sowohl Lehner als auch der Linzer Wirtschaftshistoriker Roman Sandgruber haben Kamitz auf ihrer Liste der besten Finanzminister. Beide sehen auch Hannes Androsch dort, obwohl sie diesem ambivalent gegenüber stehen. "Schließlich hat er vor allem gegen Ende seiner Amtszeit Österreich in die Schuldenpolitik geführt", sagt Sandgruber. Andererseits, sagt Lehner, habe Androsch große Reformen umgesetzt: Die Wende von der Familien- zur Individualbesteuerung oder die Einführung der Mehrwertssteuer.

Wer war der beste Finanzminister Österreichs?

"Hoch anzurechnen ist Androsch auch, dass er gegen den Widerstand von Bruno Kreisky die Hartwährungspolitik und die Bindung des Schillings an die D-Mark durchgezogen hat", sagt der ehemalige Wifo-Chef Helmut Kramer. Sandgruber ergänzt: "Der spätere Notenbank-Chef Helmut Koren hat für Androsch auch den Boden aufbereitet", sagt der Historiker, der außerdem findet, dass Androschs Nachfolger, Herbert Salcher, in der öffentlichen Wahrnehmung zu schlecht wegkommt.

Mutiger Lacina

Anerkennung bei viel Experten findet auch Ferdinand Lacina für seine Amtszeit. "Die Abschaffung der Vermögenssteuer und andere Reformschritte waren für einen Sozialdemokraten unorthodox, mutig und klug. Das hat das Land weitergebracht", sagt Kramer.

Wer war der beste Finanzminister Österreichs?

Kramer und auch der Linzer Wirtschaftswissenschafter Teodoro Cocca haben aber auch Lögers Vorgänger Hans-Jörg Schelling auf ihrer Liste der besten Finanzminister. "Während seine Vorgänger die Altlasten der Hypo Alpe Adria vor sich herschoben, hat Schelling das Problem in Kärnten unaufgeregt und gut gelöst", sagt Cocca. Andere Minister fallen ihm für seine Bestenliste nicht ein. "So berauschend war die Budgetpolitik Österreichs in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Wer weiß, vielleicht wird ja der aktuelle Minister der beste. Aber was Ankündigungen betrifft, waren schon einige recht gut."

 

Die 22 Finanzminister seit 1945

1945 G. Zimmermann (p)
1949 E. Margarétha (VP)
1952 Reinhard Kamitz (p)
1960 E. Heilingsetzer (VP)
1961 Josef Klaus (VP)
1963 Franz Korinek (VP)
1964 Wolfgang Schmitz (VP)
1968 Stephan Koren (VP)
1970 Hannes Androsch (SP)
1981 Herbert Salcher (SP)
1984 Franz Vranitzky (SP)
1986 Ferdinand Lacina (SP)
1995 Andreas Staribacher (SP)
1996 Viktor Klima (SP)
1997 Rudolf Edlinger (SP)
2000 Karl-Heinz Grasser (FP/p)
2007 Wilhelm Molterer (VP)
2008 Josef Pröll (VP)
2011 Maria Fekter(VP)
2013 M. Spindelegger (VP)
2014 Hans Jörg Schelling (VP)
2017 Hartwig Löger (p)

Jahreszahl = Amtsantritt;
p= parteilos

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Dietmar Mascher 17. März 2018 - 00:05 Uhr
Mehr Wirtschaft

WKÖ-Präsident Mahrer wird neuer Nationalbank-Präsident

WIEN. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (45) soll ab September neuer Präsident der Nationalbank ...

Bankfilialen: Lieber öfter zusperren als ganz schließen

Raiffeisen, Sparkasse und Oberbank wollen an ihren Geschäftsstellen festhalten.

Rechnungshof und Richter kritisieren Gesetzesvorschlag

WIEN. Die Liste der Kritik am geplanten Standortsicherungsgesetz wird immer länger.

Widerstand gegen höhere US-Zinsen und Sorge um die Notenbank Fed

WASHINGTON/NEW YORK. US-Präsident Donald Trump bricht mit seinem Statement über Jerome Powell ein Tabu.

Pensionskassen hoffen auf substanzielle Reformen

WIEN. Beiträge zur Betriebspension sollen auch für Arbeitnehmer steuerlich absetzbar werden.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS