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Verfall der türkischen Währung wird jetzt auch zum Problem der Eurozone

FRANKFURT/ANKARA. Europäische Großbanken könnten über ihre Kredite für die Türkei ins Trudeln geraten.

Die türkische Lira verliert an Wert. Bild: Reuters

Der Wertverlust der türkischen Lira hat in den vergangenen Tagen dramatische Ausmaße angenommen. Im Handel mit dem US-Dollar kam es gestern zeitweise zu einem Einbruch um 13,5 Prozent. Das bringt türkische Unternehmen und Banken unter Druck und damit Geldgeber in Europa. Was ist los in der Türkei? Hier die wichtigsten Fragen.

1. Warum ist die türkische Währung so unter Druck gekommen?

Der Wirtschaftsboom der Türkei ist auf Pump finanziert. Der wurde heuer noch zusätzlich im Wahlkampf angeheizt. Präsident Erdogan wollte seine Landsleute bei Laune halten und hat unter anderem der auf dem Papier unabhängigen Zentralbank verboten, die Zinsen zu erhöhen, um den Wertverfall der Lira zu stoppen. Das hat wiederum ausländische Investoren verschreckt, die ihr Geld deshalb abgezogen haben.

2. Warum strahlt diese türkische Krise jetzt auf die Eurozone aus?

Banken aus der Eurozone haben türkischen Banken und Unternehmen stattliche Beträge geborgt. Spanische Institute haben 80 Milliarden Dollar, umgerechnet 71 Milliarden Euro, im Feuer, französische Institute 35 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) und italienische Banken 18 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro). Sie sind darüber hinaus an türkischen Banken beteiligt. So hält etwa die Bank-Austria-Mutter UniCredit 41 Prozent an der Yapi Kredi, der viertgrößten Bank des Landes.

3. Was macht die EZB- Bankenaufsicht?

Offiziell will sich dort niemand äußern. Laut einem Bericht der "Financial Times" macht man sich aber Sorgen über die Stabilität dieser Banken mit starkem Türkei-Engagement. An der Börse kamen die Aktien dieser Geldhäuser gestern massiv unter Druck. Die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas verloren jeweils mehr als drei Prozent. Auch der Euro selbst geriet unter Druck. Er sank unter 1,15 Dollar.

4. Was müsste die Türkei tun, um die Krise einzudämmen?

Sie müsste jedenfalls mehr tun als Präsident Erdogan. Der forderte gestern seine Landsleute auf, Euro, Dollar und Gold in türkische Lira umzutauschen. Darüber hinaus versuchte er, die Furcht vor einem weiteren Kursverfall zu zerstreuen. "Macht euch keine Sorgen", sagte er. "Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott." Experten meinen hingegen, dass die türkische Zentralbank die Leitzinsen beherzt anheben müsste, um damit bei den internationalen Investoren wieder das Vertrauen zu schaffen, das diese in die Institutionen des Landes verloren haben. Auch Dollar-Verkäufe auf dem Devisenmarkt wären möglich. Die türkische Zentralbank hat rund 21 Milliarden Dollar zur Verfügung, die sie zum Kauf der Landeswährung einsetzen könnte.



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5. Wie stark trifft diese Währungskrise die türkische Bevölkerung?

Die Krise ist längst im täglichen Leben angekommen. Weil die Türkei mehr Waren importiert als exportiert, steigt durch den Verfall der Währung die Inflation im Land. Türkei-Urlauber berichten außerdem, dass türkische Geschäftsleute sich lieber in Euro bezahlen lassen als in Lira. Derzeit ist die Wirtschaftslage noch recht gut. Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent erwartet. Die Arbeitslosenrate beträgt zwar hohe 10,8 Prozent, ist aber relativ stabil. Das könnte sich freilich rasch ändern, falls sich die Krise verschärft.

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Artikel 11. August 2018 - 00:04 Uhr
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