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"Unser Produkt ist Unterhaltung, an den Börsen wird oft gezockt"

LINZ. Casino-Direktor Martin Hainberger über den Unterschied zwischen Börse und Glücksspiel.

"Unser Produkt ist Unterhaltung, an den Börsen wird oft gezockt"

Bild: Casinos

Der Chef des Linzer Casinos, Martin Hainberger, über Jackpots, Geldkoffer und seine persönliche Geldanlage.

 

OÖN: Was war der höchste Jackpot, der im Linzer Casino jemals geknackt wurde?

Hainberger: Das waren 1,2 Millionen Euro. Wir haben 2009 mit dem Mega-Million-Jackpot bei den Automaten begonnen. Kurz darauf ist der Jackpot im Casino Linz gleich drei Mal gefallen. Das war ungewöhnlich.

Bieten die Casinos eine Geldberatung für Gewinner an, die zu plötzlichem Reichtum gelangen?

Großgewinn-Betreuer gibt es bei den Österreichischen Lotterien.

Das heißt, Ihr Gewinner spaziert einfach mit einem Geldkoffer aus dem Casino.

Im Normalfall erhält er einen Scheck. Wir haben aber auch eine Vereinbarung mit der Nationalbank, dass wir innerhalb von Stunden das Bargeld zur Verfügung stellen können, wenn der Gast darauf besteht.

Großgewinner sind im Casino aber eine Minderheit. Die meisten verlieren, teilweise werden Existenzen verspielt.

Unser absolutes Credo lautet "Spiele mit Verantwortung". Diese Fälle, bei denen Existenzen gefährdet werden, sind Menschen, die bei uns schon jahrelang keinen Zutritt mehr haben. Es gibt dann leider immer noch zig verschiedene, meist illegale Möglichkeiten, wie man nach wie vor spielen kann.

Wer ist der typische Spieler im Casino Linz?

Den gibt es nicht, weil wir von 18 bis 90 Jahren ein Angebot bieten. Unter der Woche sind viele ältere Damen zu Gast, weil es wenig Orte gibt, wo man als alleinstehende Frau hingehen kann, ohne schief angeschaut zu werden. Am Wochenende sind es eher junge Gäste. Am Tag kommen bis zu 900 Besucher.

Für viele sind die Börsen ein Glücksspiel. Wie sehen Sie das?

Für mich gibt es durchaus Ähnlichkeiten. Man vertraut auf etwas und hofft, dass man gewinnt. Bei den Börsen gibt es aber große Crashes. Im Casino ist es so, dass man gewinnt-verliert, gewinnt-verliert. Da gibt es nicht den großen Tusch, bei dem der Katzenjammer anfängt. Unser Produkt ist Unterhaltung, an den Börsen wird oft gezockt.

Wie veranlagen Sie Ihr Geld?

Früher habe ich auch spekuliert, jetzt habe ich ein Haus gebaut. Ich lege bei der Erziehung unserer Tochter Wert darauf, dass sie lernt, dass man sich Dinge verdienen muss. Wir waren vor kurzem auf Flohmärkten. Die Einnahmen sind direkt in ihre Sparbüchse gewandert.

Und wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Campingwart am Attersee und in den Ferien als Au-pair in der Provence. Dort habe ich auf vier Kinder aufgepasst und staubgesaugt.

 

Zur Person

Der 51-jährige Martin Hainberger ist in Haslach als eines von fünf Kindern aufgewachsen. Seit Juli 2016 ist er Direktor des Casinos Linz.

Der verheiratete Vater einer siebenjährigen Tochter hat Betriebswirtschaft in Linz studiert. Sein Studium hat er durch einen Vollzeitjob bei den Casinos finanziert. Seit 1988 ist er im Unternehmen tätig, er war unter anderem verantwortlich für Marketing und Vertrieb.

Das Casino Linz zieht jährlich 350.000 Besucher an, überwiegend aus einem Umkreis von 50 Kilometern.
Der Casino-Direktor sagt von sich selbst, er sei kein „Spielertyp“. In Österreich dürfe er nicht spielen, im Ausland tue er es nicht. „Ich spiele nur ab und zu Lotto.“
 

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Artikel Susanne Dickstein 09. November 2018 - 00:04 Uhr
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