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Smart Home: Wie intelligent ist das Zuhause?

BERLIN. Technik-Messe IFA startet heute in Berlin. Im Mittelpunkt steht der vernetzte Haushalt.

Wie "smart" ist das Zuhause?

Alles aus einer Hand: Kühlschrank, Geschirrspüler, Waschmaschine des deutschen Herstellers Bosch Bild: APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

Die Waschmaschine, die man mit dem Handy ein- oder ausschalten kann, die Heizung, die per Sprachsteuerung aktiviert wird, oder der Kochherd, der sich per Touchscreen steuern lässt: Das "Smart Home" hat längst in unseren Alltag Einzug gehalten. Nationale und internationale Unternehmen der Elektronik- oder Telekommunikationsbranche wittern darin ein Riesengeschäft.

In Österreich werden Statistiken zufolge auf dem Markt jährlich rund 235 Millionen Euro umgesetzt. Und die Tendenz steigt: 2022 sollen es bereits mehr als eine halbe Milliarde Euro sein. Für die "Wohnform des 21. Jahrhunderts" wird bereits seit mehr als einem Jahrzehnt geworben. Trotzdem bemängeln viele Konsumenten, Anwendungen seien zu teuer, zu kompliziert oder von fragwürdigem Nutzen.

Diese Vorwürfe wollen die Veranstalter bei der heute, Freitag, beginnenden Technik-Messe IFA (Internationale Funkausstellung) in Berlin entkräften. In diesem Jahr rücken vernetzte Geräte und ihre intelligenten Steuerungen in den Mittelpunkt, insbesondere für den Haushalt.

So präsentiert etwa der deutsche Elektrokonzern AEG den Geschirrspüler Comfort Lift. Dessen untere Lade lasse sich mit Hilfe von Gasfedern leicht anheben, damit man sich beim Ein- und Ausräumen nicht so weit nach unten bücken müsse, heißt es. Das israelische Unternehmen Vayyar wiederum hat den Sensor Vayyar Haus entwickelt. In ihm stecken ein Radarchip, Antennen und die Technologie eines Smartphones. Mit dieser Kombination überwacht der Sensor, ob sich ein Mensch im Raum befindet und ob dieser sitzt, steht oder gestürzt ist. Wird ein Sturz erkannt, ruft das Gerät nach einer festgelegten Zeit automatisch bei einem eingestellten Kontakt an. So kann Sprechkontakt ins überwachte Zimmer aufgenommen werden.

"Es gibt Berührungsängste"

Im Geschäft mit dem intelligenten Zuhause mischen auch heimische Firmen mit. Das Linzer IT-Unternehmen Robart entwickelt Künstliche Intelligenz und Navigation für Heimroboter – vor allem für Staubsauger. Mit der Technologie könnten Roboter nicht nur die Wohnung möglichst effizient reinigen, sondern auch "Butler" spielen, sagt Robart-Geschäftsführer Michael Schahpar.

"Der Roboter lernt, dass der Bewohner beispielsweise immer um 18 Uhr auf der Couch liegt, und bringt ihm sein Lieblingsgetränk." Roboter würden die Umgebung erlernen und Informationen speichern. Das soll künftig auch in der Industrie helfen, etwa bei der Reinigung von Supermärkten, kündigt Schahpar an.

Als Pionier auf dem Gebiet des "Smart Home" gilt das Unternehmen Loxone aus Kollerschlag. 2009 gegründet, haben die Mühlviertler mittlerweile rund 60.000 Häuser und Wohnungen weltweit intelligent gemacht. 260 Mitarbeiter setzten zuletzt 57,5 Millionen Euro um. Trotzdem sei das Poten

zial noch nicht ausgeschöpft, räumt Geschäftsführer Rüdiger Keinberger ein, der das Unternehmen zusammen mit Martin Öller und Thomas Moser leitet. "Einerseits herrscht Interesse bei den Leuten, andererseits gibt es noch Berührungsängste." Smart Home sei in vielen Köpfen noch immer als "Luxusthema" verankert. Zudem bestehe die Angst, das System nicht bedienen zu können oder falsch zu nutzen. In Berlin setzen die meisten Aussteller ihre Hoffnungen im Bereich "Smart Home" in Künstliche Intelligenz und Sprachsteuerung. Marktforschern zufolge werden Ende 2018 bereits 100 Millionen Lautsprecher wie Amazon Alexa im Einsatz sein. Bis 2020 sollen es mehr als 300 Millionen sein.

Wenn der Strom ausfällt

Ein Trend, dem Loxone wenig abgewinnen kann. "Wir wollen nicht, dass man mit seiner Stimme etwas anschaffen muss, sondern dass ein Smart Home einem den Alltag erleichtert, weil es von selbst weiß, was zu tun ist", sagt Keinberger. Deshalb distanziere sich Loxone von Anwendungen wie Amazon Alexa. "Die wollen nur das Nutzerverhalten analysieren."

Für ein Problem hat allerdings noch kein Unternehmen eine Lösung gefunden: Was passiert, wenn der Strom ausfällt? "Dann wird es finster", sagt Keinberger. "Da gibt es keinen Unterschied zu einem normalen Zuhause."

Wie "smart" ist das Zuhause?

 Das System von Vayyar erkennt, ob Menschen gestürzt sind.

"Nachfrage nach smarten Geräten ist noch gering"

Den Kühlschrank überwachen und steuern, obwohl man gerade unterwegs ist, oder am Backofen ablesen, wann die Waschmaschine fertig ist: Im Bereich der vernetzten Hausgeräte werden die Möglichkeiten heutzutage immer vielfältiger.

"Bei den Kühl- und Gefriergeräteherstellern ist Liebherr sehr innovativ bei der Vernetzung", sagt Erwin Brungraber, Verkäufer beim Linzer Elektrofachhändler Etech Schmid & Pachler. Schon jetzt sei es beispielsweise möglich, mit dem Smartphone die Temperatur des Geräts von überall zu überwachen und etwa nach einem Einkauf kälter zu schalten. Auch Miele hat eine Waschmaschine entwickelt, deren Status mit dem Handy geprüft werden kann.

Ein großer Vorteil der Vernetzung: Nicht nur der Benutzer, auch der Techniker kann sich mit dem Kühlschrank verbinden und herausfinden, wo der Defekt liegt. "Er kann sich gleich mit dem richtigen Ersatzteil auf den Weg machen und muss die Strecke nicht zwei Mal fahren", sagt Brungraber.

Kompliziert und hochpreisig

Für die erweiterte Funktion sind lediglich eine WLAN-Verbindung sowie ein vernetzungsfähiges Gerät nötig. Zusätzlich muss der Kunde die App auf dem Smartphone installieren. In Zukunft werden die Hersteller die Kühlschränke laut Brungraber dann mit Kameras ausstatten: Diese würden dann selbst Einkaufslisten erstellen und anhand des Inhalts Rezepte vorschlagen. Einer der nächsten Schritte sei zudem die Steuerung der Geräte mit Sprachassistenten.

Die Nachfrage nach vernetzten Geräten ist bei Etech aktuell noch gering. Für ältere Kunden sei die Technik häufig zu kompliziert. Dazu kommen die verhältnismäßig hohen Preise, sagt der Verkäufer. Gerade Kunden, die über eine Hausvernetzung in ihrem neuen "Smart Home" nachdenken, würde man aber natürlich die Möglichkeiten aufzeigen, so Brungraber.

Smarte Geräte, die sich bereits jetzt größerer Beliebtheit erfreuen, sind Saugroboter: Diese kosten zwischen 800 und 1000 Euro und können via Smartphone gestartet und gestoppt werden. Auch die Wege können kontrolliert werden. Ist der Akku leer, fährt der Roboter von selbst in die Ladestation – anschließend beginnt er automatisch erneut mit der Putzarbeit.

 

"Preisdruck der Branche zulasten der Sicherheit"

Der deutsche Chaos Computer Club (CCC), eine Vereinigung von 9000 Hackern, hat angesichts des Trends zur Vernetzung des Haushalts vor Sicherheitsproblemen gewarnt. "Bei den Geräten haben wir es mit Computern zu tun, die oftmals auf billige Weise produziert wurden", sagte Sprecher Linus Neumann bei der Technik-Messe IFA in Berlin.

"Der Preisdruck der Branche geht oft zulasten der Sicherheit, im Speziellen zulasten der Softwarequalität und der Nachsorge. Verbraucher müssen in der Lage sein, auch noch in fünf bis zehn Jahren Sicherheitsupdates durchführen zu können", sagte Neumann. Vielen Herstellern mangle es jedoch an dieser Nachsorge. Konsequenz sei, dass Nutzer entweder Produkte ohne Updates weiter betreiben oder diese gegen neue Geräte austauschen. "Das geht dann entweder zulasten der Sicherheit oder zulasten der Umwelt und Nachhaltigkeit."

Der CCC fordert eine gesetzliche Verpflichtung für Sicherheitsupdates. Verbraucher sollten sich im Klaren sein, dass Daten gesammelt oder übertragen werden, betonte Neumann.

 

Lesen Sie auch: Die IFA öffnet ihre Tore: Worauf sich Elektronikfans freuen dürfen. Den Leitartikel über Smart Home lesen Sie hier.

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Artikel Martin Roithner und Elisabeth Prechtl 31. August 2018 - 00:04 Uhr
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