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Quelle-Aus: Verhandlungen mit Lielacher gescheitert

LINZ. Die Verhandlungen über einen Verkauf des insolventen Versandhändlers Quelle an den Ex-Investmentbanker Mike Lielacher sind gescheitert.

Das Ende der Quelle

50 Jahre nach ihrer Gründung steht die Quelle AG vor dem Aus. Bild: Reuters

Das gaben die Masseverwalter in einer Presseaussendung am Freitag bekannt. Lielachers letztes Angebot - ein Kaufpreis von 35 Mio. Euro - habe "dessen wahres Gesicht gezeigt", kritisierten die Anwälte. Man habe die Verhandlungen abgebrochen. Es sei davon auszugehen, dass ein Betrieb in Form eines Versandhandels am bisherigen Standort nicht mehr aufgenommen werde.

Bedauern bei Sigl

Oberösterreichs Wirtschafts-Landesrat Viktor Sigl bedauerte am Freitag den negativen Verhandlungsverlauf, betonte jedoch, dass es vom Land OÖ weiter volle Unterstützung für die betroffenen Mitarbeiter geben werde. Der Schwerpunkt liege dabei auf der eigenen Insolvenzstiftung, die von Land OÖ und AMS OÖ eingerichtet wurde.

Bislang sind rund 200 Personen in die Stiftung eingetreten, mehr als 30 haben schon wieder einen Job angetreten, so dass sich aktuell 170 Quelle-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stiftung befinden. Mit 8. März wird die nächste größere Eintrittswelle in die Stiftung mit rund 160 Personen erwartet. Erfreulich sei, dass alle Lehrlinge versorgt werden konnten, so Sigl.

Hackl kritisiert Lielacher

Masseverwalter Erhard Hackl übte harte Kritik an Lielacher: "Mir kommt vor, er spekuliert damit, nur mit Arbeitsplätzen winken zu müssen, um das Quelle-Vermögen auf Kosten der Konkursgläubiger fast geschenkt zu bekommen." Es sei auch möglich, dass die Gruppe aussteigen wolle oder müsse und den Schwarzen Peter für das Scheitern des Kaufs den Masseverwaltern zuspielen wolle, so Hackls Kollegen Rudolf Mitterlehner und Thomas Zeitler.

Lielacher habe gemeinsam mit Gerhard Bruckberger als Vertreter von "bis heute nicht bekannten namhaften österreichischen Investoren" im Dezember ein nicht bindendes Angebot für Forderungen, Anlagevermögen, Kundendaten, Warenvorräte sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in Höhe von rund 51 Mio. Euro gelegt, berichteten die Masseverwalter. Parallel dazu sei den Mitarbeitern und der Politik Hoffnung auf den Erhalt von Arbeitsplätzen in Linz gemacht worden. Die Stadt Linz habe sich bereiterklärt, die Betriebsliegenschaft - unter der Bedingung des Unternehmensverkaufes und einer Absichtserklärung, rund 500 Personen langfristig zu beschäftigen - um 16,5 Mio. Euro netto zu kaufen und an den Quelle-Erwerber zu einem angemessenen Bestandzins zu vermieten.

"Völlig  undiskutabel"

Nach mehreren Verhandlungen und Besprechungen sei eine Vertragsunterfertigung zur Berichtstagsatzung am 12. Februar ins Auge gefasst worden, so Hackl. Entgegen den Zusagen habe Lielacher aber nur erklärt, dass eine Unterfertigung erst am 24. Februar infrage komme. Am 23. Februar erhielten die Masseverwalter schließlich ein Schreiben, in welchem für die Forderungen im derzeitigen Nominalwert von 72 Mio. Euro, das Anlage- und sonstige Umlaufvermögen, die Kundenadressen sowie die Liegenschaft ein Kaufpreis von 35 Mio. Euro inklusive Umsatzsteuer und Gebühren angeboten worden sei. Hackl: "Verknüpft mit plötzlich geänderten und praktisch unerfüllbaren Vertragsbedingungen und ohne entsprechende Absicherung für die Bezahlung des Kaufpreises."

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass damit das Angebot der Stadt Linz für die Liegenschaft wegfalle und für Kundendaten, Anlagevermögen und Warenvorräte etc. sowie beinhaltete Umsatz- und Grunderwerbssteuer sowie sonstige Abgaben mindestens 4 Mio. Euro anzusetzen seien, bedeute das, dass sich Lielacher die Forderungen und die Daten der Kunden, um 14 Mio. "unter den Nagel reißen will". Dazu komme noch, dass auch eine Absichtserklärung zur Beschäftigung von 500 Mitarbeitern nicht mehr Gegenstand eines Vertrages sei.

Da dem Masseverwalter laut eigener Aussage allein für die Forderungen erheblich bessere Angebote vorliegen würden und auch die Möglichkeit bestehe, sie selbst einzutreiben, sei Lielachers Offert "völlig undiskutabel". Nachdem sich Ex-Quelle-Vorstand Martin Lenz, um dessen Bietergruppe es in den vergangenen Wochen ruhig geworden war, offiziell als Interessent zurückgezogen habe und auch ein weiterer Bewerber mangels Mitwirken der Stadt Linz chancenlos sei, nehmen die Masseverwalter die Zerschlagungsverwertung in Angriff. Es sei davon auszugehen, dass ein Betrieb in Form eines Versandhandels am bisherigen Standort nicht mehr aufgenommen werde.

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Artikel nachrichten.at (cs) 26. Februar 2010 - 12:12 Uhr
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