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Nur 30 Stunden arbeiten, aber 40 Stunden verdienen

BAD LEONFELDEN. Eine Mühlviertler Firma führt den Sechs-Stunden-Tag ein - und zahlt ihren Mitarbeitern so viel wie zuvor. Funktioniert das?

Personalleiterin Anke Eidenberger, Projektchef Andreas Haider und die eMagnetix-Geschäftsführer Thomas Fleischanderl und Klaus Hochreiter (von links nach rechts). Bild:

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten täglich zwei Stunden weniger und erhalten trotzdem so viel Geld wie zuvor. Eine Firma aus dem Mühlviertel plant nun, dieses Szenario in die Tat umzusetzen. 

„Das Ganze hat eigentlich als Experiment begonnen“, sagt Klaus Hochreiter, Geschäftsführer von eMagnetix aus Bad Leonfelden. Das 2008 gegründete Unternehmen hat sich auf Online-Marketing spezialisiert. 22 Mitarbeiter kümmern sich unter anderem darum, dass Firmen bei der Google-Suche weiter oben aufscheinen. 

Im Herbst des Vorjahres wuchs Hochreiters Unmut. Obwohl sein Unternehmen größer wurde, hatte er Mühe, Mitarbeiter zu finden. Es trudelten kaum Bewerbungen ein. „Das kann es nicht sein“, dachte sich der Geschäftsführer. Daraufhin entschloss er sich zu einer neuen Strategie. Hochreiter versuchte, vermehrt auf die Mitarbeiter einzugehen. Bei Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass sich viele mehr Freizeit wünschten. Hochreiter wagte das Experiment und testete eine 30-Stunden-Woche. „Wir haben gemeinsam geschaut, wo wir Stunden sparen können.“ Die Testphase glückte. Ab Oktober stellt eMagnetix auf eine 30-Stunden-Woche um. 

Video: 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt

Allerdings passiert dies nicht ohne „Einschränkungen“ für die Beschäftigten. Sie dürfen künftig auf nicht mehr als fünf Überstunden pro Monat kommen. Zudem sind Termine im Haus zeitlich beschränkt. Bei Besprechungen läuft eine Sanduhr, „um keine unnötige Zeit zu verschwenden“.

Geht das Konzept des Mühlviertler Unternehmers auf? Die 30-Stunden-Woche ist keine neue Erfindung. In Schweden wagten zuletzt einige Firmen den Umstieg – manche mit mäßigem Erfolg. Einen herben Dämpfer erhielt ein zweijähriges Pilotprojekt in einem Altersheim in Göteborg. Dort fühlten sich die Arbeitnehmer bei weniger Arbeitszeit zwar gesünder, ausgeglichener und glücklicher. Aber um die Stundenausfälle der 68 Angestellten aufzufangen, mussten 17 neue Pflegekräfte eingestellt werden. Das kostete die Stadt zusätzlich zwölf Millionen Kronen (etwa 2,2 Millionen Euro). Das Projekt wurde beendet. 

Erfolgreicher ist eine Autowerkstatt, ebenfalls in Göteborg. Mechaniker arbeiten in zwei Schichten, von sechs Uhr morgens bis mittags, von mittags bis sechs Uhr abends. So ist die Werkstatt zwölf Stunden lang geöffnet, früher waren es nur acht. 

Klaus Hochreiter ist für seine Firma zuversichtlich. „Ein Unternehmen muss den Mitarbeitern auch etwas bieten können. Und gerade bei den Jungen hat der Einklang von Arbeits- und Berufsleben oberste Priorität.“

Oberösterreichs Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer lobt den Schritt: „Ich gratuliere dem Betrieb.“ Generell sei eine 30-Stunden-Woche aber nicht möglich. Das würde die Arbeitslosigkeit erhöhen und den Fachkräftemangel verschärfen, sagt Hummer.

Anderer Meinung ist Oberösterreichs Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer: „Jede Initiative zur Arbeitszeitverkürzung ist erfreulich.“ 

 

 

 

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Artikel Martin Roithner 20. Februar 2018 - 15:15 Uhr
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