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Nach Eumig kracht Kapsreiter Bau - Ein Land „an der Katastrophenmarke“

Wirtschaftskrise 1981: Zu Weihnachten 1981 sind im Bezirk Kirchdorf 900 Menschen arbeitslos. Nach Dreikönig 1982 sind es mehr als 1000. Es gibt 60 offene Stellen.

Nach Eumig kracht Kapsreiter Bau Ein Land „an der Katastrophenmarke“

Die Eumig-Pleite war nicht die einzige Katastrophe für den oberösterreichischen Arbeitsmarkt zu Beginn der 1980er-Jahre. Bild: OÖN

Österreich wird im Herbst 1981 von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelt, während sich die Weltkonjunktur von der sogenannten zweiten Ölkrise schon erholt. Nachdem in Persien 1979 der Schah entmachtet worden ist, ist der Ölpreis von fünf auf über 30 Dollar je Fass geklettert, schließlich auf 38. Erst allmählich wird er wieder sinken, gegen die Jahrtausendwende auf rund 20 Dollar.

Wenn heute über teuren Sprit geklagt wird: Am 12. August 1981 zahlen die Autofahrer in Oberösterreich 9,70 Schilling für den Liter Diesel, 10,60 für Superbenzin. Das lähmt die Wirtschaft, aber auch Versäumnisse in der Struktur rächen sich.

Eumig hat in Kirchdorf in der Glanzzeit der 1970er-Jahre mehr als 1000 Mitarbeiter gehabt. Das Wiener Weltunternehmen für Filmkameras, Projektoren, Tonband- und Radiogeräte verliert dann technisch und kostenseitig den Anschluss. Der Beschäftigtenstand in Kirchdorf, wo für die Geräte im Druck- bzw. Spritzgussverfahren Teile aus Leichtmetall oder Kunststoff hergestellt werden, sinkt erst auf 600, im Konkursjahr auf 450. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk steigt auf 8,5 Prozent, weil gleichzeitig zwei weitere größere Betriebe pleitegehen: Am 20. August kommt, nach einem Ausgleich zwei Jahre zuvor, für die bekannte Schuhfabrik bhp Hauzenberger in Pettenbach das endgültige Aus. Sie hat u. a. Nordica-Skischuhe erzeugt. 135 Mitarbeiter haben keinen Broterwerb mehr.

Gleichzeitig erwischt es den Säge- und Plattenbetrieb Danubia in Rosenau am Hengstpass mit 200 Beschäftigten, kurz später den Kirchdorfer Werkzeugbauer Mooshammer mit beinahe 100 Stellen. Die OÖNachrichten titeln: „Arbeitslosigkeit in Kirchdorf nahe an der Katastrophenmarke“.

Zur selben Zeit Hiobsbotschaften aus dem Innviertel: Der Familienkonzern Kapsreiter, mit 1200 Mitarbeitern und 750 Millionen Schilling Umsatz eines der großen Bauunternehmen im Land, ist zahlungsunfähig. Heute ist Kapsreiter nur noch als Brauerei bekannt, damals gab es Bauunternehmen in fast allen Landeshauptstädten und zudem sechs Granitsteinbrüche.

Die Probleme haben sich über Jahre angekündigt (1974: 2000 Mitarbeiter), doch Firmenpatron Gustav Kapsreiter hat die Schwachstellen zugedeckt und mit Beziehungen öffentliche Aufträge geholt. Als er stirbt, stellen die Banken die Finanzierung ein. Ein zwiespältig beleumundeter Immobilien- und Autohändler, Johann Haas (36), erhält das Imperium um einen Schilling, muss aber mehr als 40 Millionen einschießen oder mit Garantien sichern. Die Großgläubiger verzichten auf 40 Prozent ihrer Forderungen.

Mit Biegen und Brechen geht der Ausgleich im Dezember 1981 durch. (Doch 1986 steht wieder ein Ausgleich an, Kapsreiter wird geschrumpft; die Alpine übernimmt zum Beispiel den Salzburger Betrieb. Haas verkauft, um wieder flüssig zu werden, die Brauerei um 70 Millionen Schilling an Gustav Harmer von Ottakringer – der heute selbst wieder Käufer sucht.)

Aber es erwischt in diesem düsteren Herbst 1981 nicht nur die Kleinen. Der aus Linz stammende Hendlkönig Friedrich Jahn muss seine „Wienerwald“-Kette sanieren, weil er zwei Milliarden Schilling Schulden hat. Der Verkauf der elf Tourotels mit 6000 Betten, darunter eines in Linz (heute Arcotel), wird überlegt.

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Artikel Josef Lehner 28. November 2011 - 00:04 Uhr
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