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Harley und Jeans: Trumps Zölle werden bis nach Oberösterreich wirken

LINZ. Heimische Händler von US-Produkten fürchten Preisaufschläge und Wettbewerbsnachteil.

Harley und Jeans: Trumps Zölle werden bis nach Oberösterreich wirken

In Österreich werden jährlich 1100 Harleys verkauft. Sie könnten aus politischen Gründen deutlich teurer werden. Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Wir hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt. Doch es traut sich keiner mehr einzuschätzen, was wirklich passiert", sagte Christian Arnezeder, Chef von Harley-Davidson Zentraleuropa, zu den OÖNachrichten. Er bezieht sich auf die mögliche Reaktion Europas auf Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump für Stahl- und Aluminium-Einfuhren in die USA angekündigt hatte.

Bis Redaktionsschluss hatte Trump den Erlass zwar noch nicht unterzeichnet, aber EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hatte bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, die "sofort wirksam" würden. Ein Handelskrieg wäre die Folge. Die EU würde zum Gegenschlag mit Strafzöllen auf US-Produkte wie Harley-Davidsons, Jeans, Orangensäfte oder Erdnussbutter ausholen.

"Als Unternehmen stehen wir für einen freien und fairen Handel", sagte Arnezeder, in dessen Gebiet (Österreich, Deutschland, Schweiz, Benelux) 112 eigenständige Händler jährlich rund 18.000 Harleys verkaufen. Diese Händler "sind alarmiert. Da hängen viele Jobs und Schicksale dran." Ein Handelskrieg zöge einen "Rattenschwanz an Folgen" mit vielen Leidtragenden nach sich. Er erinnert sich an die 2000er-Jahre, als es eine ähnliche Situation unter George W. Bush gab und die EU eine Liste mit 1600 US-Produkten erstellte, die sie mit Strafzöllen belegen wollte. "Damals haben sich die vernünftigen Geister durchgesetzt."

"Geld nicht egal"

Harley-Händler erzählen, dass es für Österreich wegen der hohen (NoVA-)Steuerbelastung besonders schwierig werden könnte. "Wir sind zwar eine Kult-Marke, aber unseren Kunden ist das Geld nicht egal", sagte ein Händler. Im Durchschnitt zahlen Harley-Fahrer 25.000 bis 30.000 Euro für ein neues Bike. Bei diesen Summen tun ein paar Prozent Strafsteuer schon weh.

Auch Jeans könnten betroffen sein. Wenn die EU auf US-Jeans Zölle einhebt, werde das an die Kunden eins zu eins weitergegeben, schätzt Peter Perlinger. Der Inhaber des Jeans-Shops Gartner in der Linzer Altstadt wird dann statt 99,90 Euro für eine typische Levi’s 109,90 Euro einheben, so seine Überschlagsrechnung. Er werde sich wie bisher an die unverbindlichen Richtpreise des Konzerns halten. Wenn diese aufgrund der EU-Gegenmaßnahmen erhöht würden, "können wir das als Händler nicht kompensieren". Wie stark es Levi’s, Lee und Wrangler in Europa wirklich treffen wird, steht noch in den Sternen. Viele US-Marken lassen nämlich ihre Kleidung in Europa produzieren.

Auch landwirtschaftliche US-Importe könnten mit EU-Strafzöllen belegt werden. Jährlich importiert Österreich landwirtschaftliche Erzeugnisse von knapp 100 Millionen Euro aus den USA. Das sind Ölsaaten wie Raps, Früchte und Schlachtabfälle. Die Folgen von Trumps Schutzzöllen "sind unabsehbar. Trump benimmt sich wie ein kleines Kind, dem sie in der Sandkiste den Bagger weggenommen haben", sagte Nikolaus Morawitz von der Landwirtschaftskammer Österreich.

 

Reaktionen aus Oberösterreich

"Im Endeffekt badet es der Kunde aus." – Peter Perlinger, Inhaber Jeans Shop Gartner Linz

"Trump benimmt sich wie ein Kind, dem sie in der Sandkiste den Bagger weggenommen haben." – Nikolaus Morawitz, Landwirtschaftskammer Österreich

"Wir wissen nicht, ob wir 1 oder 25 Prozent Strafzölle erwarten müssen. Wohin soll das führen, dieses 'Wie du mir, so ich dir'?" – Christian Arnezeder, Harley Davidson

 

 

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Artikel Ulrike Rubasch 09. März 2018 - 00:04 Uhr
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