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Geld macht doch glücklich

Der Schweizer Star-Ökonom Bruno Frey forscht, was Menschen glücklich macht. Im Interview erklärt er, warum Geld der wichtigste Glücksfaktor ist.

Geld macht doch glücklich

Frey ist laut FAZ einer der zehn einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Bild: Weihbold

OÖN: Macht Geld glücklich?

Frey: Ja, zu einem großen Ausmaß. Materieller Wohlstand ist ein wichtiger Teil des Lebens. Oder umgekehrt formuliert: Wer sehr wenig Geld und Einkommen hat, ist wirklich nicht glücklich. Denn er kämpft den ganzen Tag darum, dass er überleben kann. Das schränkt das Glück stark ein.

Österreich ist einer aktuellen Studie zufolge das siebzehntreichste Land der Welt. Wir müssen demnach ein sehr glückliches Volk sein?

Definitiv. Zum Reichtum kommen auch die günstigen gesellschaftlichen Verhältnisse. Mitteleuropa ist vom Krieg verschont.

Würde man aber jemanden fragen, was macht dich glücklich, würde er nie Geld sagen, sondern Familie und Freunde.

Die sozialen Beziehungen sind neben dem Materiellen der zweitwichtigste Glücksfaktor. Ein weiterer ist die Gesundheit. Gesunde Menschen sind wesentlich glücklicher als solche, die unter einer Krankheit leiden. Und der letzte wichtige Glücksfaktor sind die politischen Bedingungen, unter denen wir leben. Wir haben das große Glück in Österreich und der Schweiz, dass wir in einer friedlichen Gesellschaft leben dürfen.

Wie lässt sich das Glück überhaupt messen?

Wir messen das Glück, indem wir die Leute ganz einfach befragen und zwar: "Alles in allem genommen, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?" Durch die Art der Frage werden die verschiedenen Aspekte berücksichtigt.

Hat sich in den vergangenen Jahren an der Einstellung zum Glück etwas verändert?

Es gibt die Glücksforschung noch nicht so lange, daher haben wir keine Vergangenheitswerte. Aber wir wissen, dass die Menschen sich an neue Verhältnisse anpassen. Dazu gibt es ein extremes Beispiel: Wenn jemand blind wird, würde man annehmen, das ist ein fürchterliches Schicksal. Das ist es aber nur am Anfang. Danach gewöhnen sich die Leute daran und werden fast wieder so glücklich wie vorher. Blinde Menschen sind nicht viel unglücklicher als sehende. Das ist erfreulich.

Weshalb spezialisiert sich ein Volkswirt auf das Thema Glück? Wie beeinflusst das Glück die Wirtschaft?

Glückliche Leute sind aktiver und leistungsorientierter. Unglückliche Leute sind auch keine attraktiven Kollegen, weil sie als belastend empfunden werden. Glücklichere Leute finden deshalb auch bessere Jobs. Es ist also so, dass ein höheres Einkommen glücklicher macht und umgekehrt finden glückliche Menschen eher eine gute, sinnvolle Beschäftigung. Da gibt es zwei Kausalrichtungen, die sich ergänzen.

Sie werden oft als Kandidat für einen Nobelpreis gehandelt. Würde Sie ein Nobelpreis glücklich machen?

Ja, das würde ich schon sagen.

 

Die besten Ökonomen im deutschsprachigen Raum zu Gast an der Linzer Uni

Anlässlich des 15. Geburtstags des Energieinstituts der Kepler-Uni am Donnerstag hat der Linzer Volkswirt Friedrich Schneider (Bild) seine Kontakte spielen lassen. Er lud seinen Doktorvater, den Star-Ökonomen Bruno Frey, ein. Der Schweizer ist einer der renommiertesten Volkswirte im deutschsprachigen Raum.
Bei dem zuletzt Anfang September erschienenen Ökonomen-Ranking der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („FAZ“) belegte Frey Platz sechs. Er gilt als einer der Pioniere der Ökonomischen Theorie der Politik und der ökonomischen Glücksforschung. Schneider kam im selben Ranking übrigens auf Platz 15.
Ebenfalls im Ranking ist Claudia Kemfert vom DIW Berlin, und zwar auf Platz 24. Die Energieexpertin hielt das Hauptreferat am Donnerstag in Linz. Ein Interview mit Kemfert lesen Sie am Montag.

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Artikel Susanne Dickstein 24. September 2016 - 00:04 Uhr
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