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500-Euro-Schein: Offenbar Mehrheit in der EZB für die Abschaffung

LINZ. Nationalbanker Kurt Pribil sieht darin aber nicht den Anfang vom Ende des Bargeldes.

500-Euro-Schein

    Bild: APA

Der Rat der Europäischen Zentralbank wird wahrscheinlich schon in der kommenden Woche das Aus für den 500-Euro-Schein beschließen. Das bedeute aber keineswegs, dass die EZB auch vorhabe, das gesamte Bargeld abzuschaffen. "Wir werden das Bargeld auch in ferner Zukunft haben", sagt Kurt Pribil, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, im Gespräch mit den OÖNachrichten.

 

OÖN: Die Nationalbank hat in ihrer Zentrale in Wien ein Geldmuseum. Werden wir bald nur mehr dort unser Bargeld bewundern können?

Pribil: Sicher nicht! Ich bin überzeugt, dass wir das Bargeld nicht nur in den nächsten Jahrzehnten, sondern auch in ferner Zukunft haben werden. Gerade die Österreicher lieben ihr Bargeld. Unsere Umfragen zeigen, dass die Österreicher noch immer zu rund 75 Prozent ihre Transaktionen im Handel mit Bargeld abwickeln.

Aber der 500-Euro-Schein könnte bald im Museum landen.

Ich bin eindeutig für die Beibehaltung des Fünfhunderters und auch die Nationalbank, weil wir die Argumente für die Abschaffung, etwa, dass dadurch die Kriminalität eingedämmt werden könnte, überhaupt nicht nachvollziehen können. Die meisten derartigen Geschäfte werden nach wie vor in Dollar abgewickelt, und der größte Dollar-Schein ist ja der Hunderter.

Offenbar sind Sie und die Nationalbank in der Minderheit innerhalb der Eurozone.

Ich kann dem Rat der Notenbank-Gouverneure nicht vorgreifen, aber die Mehrheit scheint dort für die Abschaffung des 500-Euro-Scheins zu sein. Jedenfalls sind wir und die Bundesbank dagegen.

In dieser Frage reicht eine Mehrheit im EZB-Rat für einen entsprechenden Beschluss?

Es gilt die einfache Mehrheit. Sollte ein derartiger Beschluss gefasst werden, dann heißt das natürlich nicht, dass der 500-Euro-Schein sofort seine Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel verliert. Er bleibt vorerst weiter gültig. Ich möchte da hinzufügen, dass das Bargeld ja nicht nur eine Zahlungsmittelfunktion hat, sondern auch eine Wertaufbewahrungsfunktion. Derzeit sind 1,1 Billionen Euro als Bargeld im Umlauf, davon mehr als 300 Milliarden Euro in Fünfhundertern. Und man muss auch noch hinzufügen, dass bei der Abschaffung eines Euroscheines, also etwa des Fünfhunderters, die EZB entscheiden kann. Eine generelle Abschaffung des Bargeldes wäre aber eine Sache des EU-Rates, also aller Staats- und Regierungschefs. Da könnte Österreich nicht überstimmt werden, weil dieser Beschluss einstimmig gefällt werden müsste.

Abschaffung des Bargeldes, Helikopter-Geld, das sind nur einige Schlagworte der jüngsten Zeit. Warum läuft Ihrer Meinung nach die Diskussion über die Geldpolitik der EZB in diese Richtung?

Die Diskussion über die Abschaffung des Bargeldes hat nichts mit der Geldpolitik der EZB zu tun. Es gibt zwar einige Ökonomen, die das fordern, damit man mit negativen Zinsen die Leute in den Konsum zwingen könnte. Das ist aus meiner Sicht abzulehnen. Da wird der Spargedanke ad absurdum geführt. Die EZB denkt auch überhaupt nicht daran, das Bargeld abzuschaffen. Das gilt auch für die Einführung des Helikopter-Geldes, weil damit jedes Vertrauen in das Geld gefährdet wäre.

Sind die Österreicher Karten-Muffel?

Nein, sind sie nicht. Das Bargeld ist praktisch in der Anwendung, aber die Österreicher verwenden auch Karten gerne. Wir treten als Notenbank sehr für das Bargeld ein, aber uns ist jedes Zahlungsmittel gleich lieb, vorausgesetzt, es ist sicher. Wir haben auch sehr viel Geld in den unbaren Zahlungsverkehr investiert. Uns ist aber wichtig, dass es einen Wettbewerb der Zahlungsmittel gibt. Das heißt, der Konsument muss entscheiden können, welches Zahlungsmittel er wählt. Ich bin sicher, dass bei einer zwangsweisen Abschaffung des Bargeldes die Provisionen für den unbaren Zahlungsverkehr dramatisch in die Höhe schnellen würden.

Damit landen wir unweigerlich beim Thema Bankomatgebühren. Würde sich eine Einführung von solchen Gebühren auf den Bargeldumlauf auswirken?

Wir wollen uns bei diesem Thema nicht unmittelbar einmengen. Das ist Sache der Banken. Ich glaube nicht, dass sich am Bargeldumlauf etwas ändern würde, falls es Bankomatgebühren gäbe.

Soll der 500-Euro-Schein abgeschafft werden?

Aller Voraussicht nach wird der Rat der Europäischen Zentralbank bei seiner Sitzung am 4. Mai die 500-Euro-Banknote abschaffen. Die Notenbanker argumentieren damit, dass mit dem Schein große Summen verschoben werden. Damit sei der Schein eines der wichtigsten Hilfsmittel, wenn es um die Verschleierung illegaler Einkünfte und um grenzüberschreitende Geldwäsche geht. Im täglichen Umgang mit Bargeld spielt der Schein freilich eine untergeordnete Rolle. Im Handel ist die Papiernote außerdem gar nicht gern gesehen, weil bei kleineren Beträgen, die damit gezahlt werden, viel Wechselgeld draufgeht. Was Oberösterreicher über das Aus des 500-Euro-Scheins denken, lesen Sie hier.

"Ich verwende den 500er nie, daher würde er mir im täglichen Zahlungsverkehr mit Sicherheit nicht abgehen.“
Manfred Falter, Geiersberg

"Ja, er soll abgeschafft werden. Für viele Gewerbetreibende ist es schwierig, herauszugeben, und die Fälschungsgefahr ist groß.“
Roland Wöss, Linz

"Man kann ihn abschaffen. Wenn Kunden damit bezahlen, hat man oft nicht so viel Wechselgeld in der Kasse.“
Elke Granegger, Gmunden

"Grundsätzlich ist es mir egal. Wenn man aber schon einen Schein abschafft, dann eher den 200er.“
Markus Ecker, Puchenau

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Artikel Hermann Neumüller 28. April 2016 - 00:05 Uhr
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