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Zu Tode getreten: „War nur ein Mädchen“

FRANKFURT AM MAIN. Im Fall eines seit neun Jahren unbekannten toten Mädchens hat die Polizei jetzt die Fahndung europaweit, auch nach Österreich, ausgedehnt. Die junge Frau war zu Tode getreten worden.

Zu Tode getreten: „War nur ein Mädchen“

Am Ufer des Main wurde das unbekannte tote Mädchen (Bild) vor neun Jahren entdeckt. Bild: Polizei

Spaziergänger entdeckten die Leiche des Mädchens, das bis heute niemand kennt, am 31. Juli 2001 im Main bei Frankfurt. Die Knie angewinkelt, in Fötusstellung an den nackten Leib gebunden, eingewickelt in einen Bettbezug mit Leopardenmuster. An einen Schirmständer als Gewicht gebunden. Etwa 17 Jahre alt soll sie gewesen sein. Eine Jugendliche mit dunklen Haaren. 1,57 Meter groß. 38,5 Kilogramm schwer.

Wenige Stunden nach dem Fund begann der Frankfurter Rechtsmediziner Hansjürgen Bratzke mit der Obduktion. Er entdeckte alte verheilte Knochenbrüche an den Armen, Narben, Brandwunden – Verletzungen, die dem Mädchen von frühester Kindheit an am ganzen Körper zugefügt worden sein müssen. Gestorben war sie vermutlich an massiven Tritten gegen Bauch und Brust.

Neun Jahre sind seither vergangen. Die Akte dieses Falles hat sich mit Gutachten gefüllt – von Schädelmessungen über DNA-Analysen bis zu Isotopenuntersuchungen. Diese ergaben, dass das Mädchen aus Afghanistan, Pakistan oder Nordindien stammte, aber in den letzten zwei Jahren vor seinem Tod in Deutschland, Holland, Österreich oder der Schweiz gelebt haben muss.

„Wir geben die Hoffnung nicht auf, den Fall klären zu können“, sagen Polizei-Ermittler. Sie legen noch immer Hoffnungen auf die Knoten, die keiner der Fahnder jemals zuvor gesehen hat. Diese befanden sich an dem Schal, mit dem der Sonnenschirmständer an die Leiche gebunden war. Wie sich herausstellte, war das lila-weiß gestreifte Stück Stoff ein Gürtel. Ein sogenannter Nala aus dem pakistanischen oder afghanischen Raum. Über den Nala wurde in den Medien berichtet, aber niemand hat ihn in Deutschland wiedererkannt.

10.000 Euro Belohnung

„Wir haben so vieles versucht“, sagt ein Fahnder. Selbst in Afghanistan, Pakistan und Nordindien haben sie Fahndungsplakate aufgehängt, in Kirchen und Jugendzentren – auf Deutsch, Türkisch und Arabisch, dann auch in Farsi, Urdu, Dari und Paschtu. Die Ermittler suchten Frauen in Deutschland aus diesen Kulturkreisen auf. Irgendwann sagte eine: „Was macht ihr für einen Aufstand? Es ist doch nur ein Mädchen.“ Da begriffen die Kriminalisten, dass es Kulturkreise gibt, in denen sich niemand darum kümmert, wenn ein Mädchen ermordet wird.

Lediglich 250 Hinweise sind bei der „Soko Leopard“ bisher eingegangen, obwohl es eine Belohnung von 10.000 Euro gibt. „Wenn ein deutsches Kind verschwindet, erhalten wir 200 Hinweise allein an einem Tag“, sagen die Beamten der Soko. „Wir müssen weiter auf jeden Mosaikstein hoffen.“

Es gibt Hypothesen. Eine davon lautet, das Mädchen habe in Deutschland in einer Pflege- oder Adoptivfamilie gelebt. Eine andere besagt, dass sie womöglich als Dienstmädchen angestellt war. Denn es gab andere Mädchen, die ähnlich brutal gequält wurden und schließlich vor ihren Dienstgebern geflüchtet waren. Die Polizei ermittelte bis in Diplomatenkreise hinein. Die Dienstboten-Theorie ist noch immer nicht widerlegt.

Polizei kaufte Grabstein

An das Mädchen ohne Namen, das nun auf einem Friedhof in Frankfurt seine letzte Ruhe gefunden hat, erinnert ein Grabstein. Die Ermittler haben ihn gekauft. „Unbekanntes Mädchen“ steht darauf: „Gefunden am 31. Juli 2001 im Main.“ Regelmäßig wird das Grab von den Beamten geschmückt.

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Artikel Von Gerhard Lukesch 23. September 2010 - 00:04 Uhr
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